Bad Rappenauer mitten im Flutgebiet im Einsatz
Der Bad Rappenauer Jürgen Seel möchte den Menschen im Flutgebiet helfen. Dafür ist er bereits zweimal ins rheinland-pfälzische Ahrtal gefahren. Materielle Unterstützung bekommt er dabei auch von Rüdiger Winter.

Eigentlich möchte Jürgen Seel gar nicht so viel Aufmerksamkeit auf sich ziehen. "Es geht ja nicht um mich", sagt er, "sondern darum, was im Ahrtal passiert." Zwei Mal war der 55-Jährige für mehrere Tage bisher im Flutgebiet, hat geholfen, wo er gebraucht wurde.
Nicht lange nachdenken, sondern machen
Einen Teil seines Sommerurlaubs verbrachte er zwischen zerstörten Häusern und mitten im Schutt. Aber auch mit neuen Freunden, die er dort kennengelernt hat. "Wir haben unser Team Ultra Hilti genannt", erzählt er, während er neben Rüdiger Winter in dessen Haus sitzt. Der Bad Rappenauer Gemeinderat und Jürgen Seel kennen sich schon länger "vom Sehen", die Flutkatastrophe hat die beiden allerdings erst in engeren Kontakt zueinander gebracht. Denn Winter ist nicht nur Jäger, Brauer und Kommunalpolitiker, sondern betreibt auch den Baumarkt Happy Shopping. Zwei Paletten Toilettenpapier stellte er zur Verfügung, als eine Kundin im Geschäft um Hilfe bat. "Es ist toll, wie es läuft, wenn man miteinander spricht", sagt Jürgen Seel. Auch eine große Menge Schaufeln holte Winter direkt aus dem Regal. "Es ist ein super Gefühl, helfen zu können", sagt er.
Wie es im Flutgebiet aussieht und wie die Spenden eingesetzt werden, erfährt er aus erster Hand von Jürgen Seel. Der wollte nicht einfach auf gut Glück nach Rheinland-Pfalz fahren. Auf der Suche nach Anlaufstellen stieß er auf die Internetseite helfer-shuttle.de. Zwei Ahrtaler Unternehmer betreuen das Netzwerk und organisieren ein Shuttle, das die Menschen in die betroffenen Gebiete bringt. Das nutzt auch Seel: "Man fährt ohne Anmeldung hin, bekommt einen Parkplatz zugewiesen und dann geht"s los."

Ein Auto voller Hilfsgüter
Als er das erste Mal die über 250 Kilometer mit seinem Kombi zurückgelegt hat, war dieser bis unter die Decke gefüllt. Nicht nur Rüdiger Winter hatte seine Regale leergeräumt. Auch Unternehmen in Bad Rappenau und Heilbronn unterstützen den 55-Jährigen zum Beispiel mit einem Bohrhammer, Handschuhen, Helmen und Masken. "Nicht jeder kann selbst hochfahren", sagt Seel. Deshalb sei auch diese Hilfe wichtig.
Wer sich in das Gebiet aufmachen will, der sollte sich gut vorbereiten auf das, was ihn erwartet, erzählt Jürgen Seel. Neben teils schlechten hygienischen Verhätnissen treffe man immer wieder Menschen, die weinen, weil sie verzweifelt sind ob der Situation. Es gebe aber auch viele Personen, die voller Hoffnung seien, obwohl sie fast alles verloren haben.

Beeindruckt ist Jürgen Seel auch von vielen jungen Frauen, die Kubikmeter um Kubikmeter Schutt aus den zerstörten Gebäuden rausholen. "Ich frage mich immer, woher sie diese Energie holen", erzählt er. Viele junge Menschen leisteten dort Unglaubliches und gingen immer wieder an ihre Grenzen. "In einer solchen Gruppe funktioniert das eben toll."
Geschlafen wird im Auto
Wie anstrengend auch für ihn die Arbeit mit teilweise schwerem Gerät ist, will Jürgen Seel nicht verschweigen. "Nach mehreren Stunden mit der Hilti haben meine Arme stark vibriert", berichtet er. Von seinen Armen habe er den Staub abklopfen können.Richtig erholen konnte er sich in den Nächten auch nicht, übernachtete im eigenen Auto. Während seines ersten Aufenthalts schlief er auf dem Fahrersitz - das Werkzeug lagerte er im Kombi. "Beim zweiten Mal hatte ich dann zwar mehr Platz, aber Erholung ist das nicht gewesen."
Trotz der körperlichen Strapazen sei die Arbeit der Freiwilligen sehr wichtig, denn der Herbst steht vor der Tür. "Wenn die Häuser nicht schnell trocken werden, kann man sie abreißen", mahnt Jürgen Seel zur Eile. Man müsse jetzt handeln und dürfe keine Zeit verlieren. Das sieht Rüdiger Winter genauso: "Es ist wichtig, dass die Hilfe nicht abreißt."
Kontakt
Im Internet kann man sich über die verschiedenen Möglichkeiten der Mithilfe informieren. Ein Netzwerk findet man unter www.helfer-shuttle.de. Dort wird erklärt, wie und wann man mit dem Bus ins Flutgebiet kommt und welche Ausrüstung man dabei haben sollte. Dazu zählen neben passender Kleidung auch Stirnlampe, Helm, Schutzbrille und festes Schuhwerk. Außerdem wird ein Erste-Hilfe-Set empfohlen. In den Bussen müssen Masken getragen werden.



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