3500 Gäste erleben Finale der Eppinger Gartenschau bei strömendem Regen
Die Eppinger Gartenschau ist nach 136 Tagen vorbei. Bei der Spatenübergabe an Nachfolger Balingen betont Eppingens Bürgermeister Holaschke das entstandene "Wir-Gefühl" in der Fachwerkstadt.

Eppingen hat am Sonntag den Gartenschau-Spaten an Balingen weitergereicht. Der letzte Tag der 136-tägigen Großveranstaltung war mit einem ökumenischen Gottesdienst gestartet. Abends genossen rund 1700 Gäste den das Bürgerfest "Garten-Ciao" mit Livemusik. Insgesamt ließen es sich rund 3500 Menschen nicht nehmen, den letzten Gartenschautag trotz strömenden Regens gemeinsam zu feiern.
An der Übergabe-Zeremonie, die den offiziellen Abschluss bildete, nahmen am Sonntagnachmittag die beiden Oberbürgermeister Klaus Holaschke und Helmut Reitemann sowie Staatssekretärin Sabine Kurtz als Vertreterin der Landesregierung und der Betriebsleiter der Gartenschau, Peter Thalmann, teil. "Wir haben ein Wir-Gefühl entwickelt, wie es einer Stadt wie Eppingen würdig ist", sagte Holaschke im vollbesetzten Festzelt an der Sparkassenbühne.
Womit Holaschke für Lacher sorgt
Der OB hob hervor, dass die Gartenschau Bleibendes hinterlasse: "Das Bachwegle ist kein Trampelpfad mehr." Das Riesenprojekt mit einem Vorlauf von rund 20 Jahren sei ein Impuls für den weiteren städtebaulichen Umbau. Holaschke rief dazu auf, ein "Format" zu etablieren, "dieses Sommermärchen" gemeinsam mit den Helfern, dem Gemeinderat und den Ortsvorstehern weiterzuführen.
Holaschke sorgte für Lacher, als er mit der Ausrichtung einer Bundesgartenschau kokettierte. Wieder im ernsthaften Modus gestand er, die Erwartungen hätten sich mehr als erfüllt. Mit "Viel Erfolg Balingen 2023!" schloss das Stadtoberhaupt. Staatssekretärin Kurtz sagte in ihrer Grußbotschaft, die Eppinger Gartenschau habe das Ministerium sehr beeindruckt.

Die 136 Tage währende Veranstaltung sei ein Gewinn für die Besucher und die Wirtschaft. Besonders die Garten- und Landschaftsbauer profitierten davon. Die Gartenschauen sollten strukturfördernd wirken: "Das wird an Ihrem Weiherpark besonders deutlich", so Sabine Kurtz. Nach den Grußworten gab es einen eindrucksvollen Moment, als ehrenamtliche Helfer die Bühne bestiegen. "Ja, das sind viele" , kommentierte Holaschke.
Dann überreichte der OB den Spaten mit der frischen Eppinger Gravur seinem Balinger Amtskollegen. "Dir "ne starke Kuttel, es wird ein anstrengendes Jahr", gab Holaschke Reitemann mit auf den Weg. "Auf nach Balingen, wir treffen uns" , erwiderte Reitemann.
Welchen Schaugarten die Besucher für den schönsten erklären
Der letzte Tag der Gartenschau in Eppingen war mit einem stimmungsvollen ökumenischen Erntedank-Gottesdienst auf der Sparkassenbühne gestartet. Trotz Regens war das Festzelt voll besetzt. "Welche Ernte fahren wir ein", sagte Gartenschau-Diakon Albert Lachnit. Bis zu 15.000 Gäste hätten die Kirchenbeiträge besucht. Der Pfarrer der evangelischen Kirchengemeinde Friedhelm Bokelmann erinnerte daran, dass die Gartenschau trotz anfänglicher Skepsis Einzelner schnell ein Erfolg wurde. Knapp 400.000 Besuche registrierten die freiwilligen Helfer an den Einlässen während der 136 Tage.
"Es wird etwas fehlen, auch mir", bekannte Oberbürgermeister Klaus Holaschke in seinem Grußwort an die ökumenische Gemeinde. Im Anschluss an den Gottesdienst sorgte die Balinger Stadtkapelle für einen schwungvollen Ausblick auf das kommende Jahr.
Am Sonntag wurde auch der vom Publikum gewählte schönste Schaugarten bekanntgegeben. Der Verband Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau Baden-Württemberg hatte seit dem Eröffnungstag der Gartenschau am 20. Mai eingeladen, aus fünf Schaugärten den schönsten zu wählen. Teilgenommen hatten Galabauer aus Gundelsheim, Bad Rappenau, Tamm, Zuzenhausen und Leingarten. Insgesamt hat der Verband etwa 4500 angekreuzte Kärtchen gesammelt. Die meisten Stimmen entfielen auf den Bad Rappenauer Betrieb Soarez, dicht gefolgt von dem Gundelsheimer Unternehmen Ostberg.
Wie viele Besuche es am Ende tatsächlich waren
Der letzte Tag war geprägt von Freude und Erleichterung, dass die Gartenschau mit großer Publikumsresonanz und ohne gravierende Zwischefälle über die Bühne gegangen ist. Gleichzeitig äußerten Fans auch Wehmut. "Ich heule, wenn sie vorbei ist", bekannte Besucherin Marita Deiminger aus Oberrot, die mit ihrer Zwillingsschwester Evi am letzten Tag noch mal nach Eppingen gekommen war. Die Zwillinge waren zwölf Mal da und haben sogar ihren Geburtstag auf der Gartenschau gefeiert. "Wo soll man denn schon hingehen, wenn es die Gartenschau nicht mehr gibt", fragt sich Hildegard Piwecki aus Eppingen.

Nur 10.000 Piepser am Einlass-Scanner haben am Ende gefehlt, um die 400.000er-Marke zu knacken. Am Ende waren es exakt 389.776 registrierte Einlässe. Allein am völlig verregneten letzten Veranstaltungstag ließen es sich 3484 Fans nicht nehmen, das Gelände ein letztes Mal zu betreten, zumindest in der eingehegten Form.
In vier Wochen fallen die Zäune. Dann kann jeder auch ohne Ticket Eppingens neue Grünspange zwischen der Altstadt und der Elsenz erleben. Es gibt schon Pläne für die Zeit danach.



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