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24-Stunden auf der Gartenschau in Eppingen

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Vom frühmorgendlichen Gießen bis zur Nachtstreife mit der Security: Die Stimme hat sich 24 Stunden lang auf der Eppinger Gartenschau umgesehen. Was dabei alles passiert ist:

Nächtlicher Streifzug über das Gelände: Einsatzleiter Martin Wägerle von Kötter Security mit Kollegin Simone Sichler.
Nächtlicher Streifzug über das Gelände: Einsatzleiter Martin Wägerle von Kötter Security mit Kollegin Simone Sichler.  Foto: Kühl, Jörg

Bereits drei Stunden, bevor der erste Besucher der Gartenschau in Eppingen den Einlass passiert, erwacht das Gelände zum Leben. Stadtgärtner und Bauhofmitarbeiter beginnen um 6 Uhr, die Kübel und Beete zu bewässern. Dazu nutzen sie zwei Gießmobile, deren Schwenkarm aus der Fahrerkabine per Joystick gesteuert werden kann. Zusätzlich beregnen die Stadtgärtner mit herkömmlichen Methoden: Leila Gommlich und Oleg Schmoll kämpfen mit Schläuchen und Regnern, die sie mit den Kopplungsstutzen der Unterflurhydranten verbinden.


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Der große Parkplatz am Ortseingang Richen ist meist verwaist. Am ehesten belegt ist noch die stadtnähere Schotterfläche. Die Wiesenfläche gegenüber ist fast immer leer.
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200.000 Besucher auf Eppinger Gartenschau - Ein Erfolg?


Um 7 Uhr folgen die Ehrenamtler des Geländeteams. Sie stellen die Sonnenschirme und Sonnenliegen auf, klopfen die Sitzkissen in Form und beseitigen kleinere Schäden an den Wegen. An diesem Morgen absolviert Wieland Waidler eine Müllschicht. Mit einer Greifzange und einem Wägelchen sammelt der Ehrenamtler allerlei Unrat ein. Kurze Zeit später ist der mitgeführte Eimer mit Eisfolien, einer FFP2-Maske und einigen Pfandflaschen gefüllt. "Wenn am Vorabend eine größere Veranstaltung war, hat man mehr zu tun".

Was die Helfer motiviert

Morgenschnitt: Gärtnerin Kata Rook bringt eine Taglilie in Form.
Morgenschnitt: Gärtnerin Kata Rook bringt eine Taglilie in Form.  Foto: Kühl, Jörg

Etwa um 8 Uhr, rund eine Stunde vor der Öffnung, trudeln die ehrenamtlichen Besucherbetreuer ein. Sie werden im Stadtpavillon von der Ehrenamtskoordinatorin der Gartenschau, Petra Lechner auf die Eingänge verteilt. Auch wer die erste Schicht in der Blumenhalle hat, wird hier festgelegt. Dass die Wahl heute auf sie fällt, freut Silke Broll. "Ich zeige gerne, wie schön das Blütenmeer in Eppingen ist", meint die Noch-Ittlingerin, die aber bald in die Fachwerkstadt zieht.

"Den Leuten ein Lächeln entlocken, das strahlt auf einen zurück", so die Einstellung der Helferin. Uwe Mouris ist vor zwei Jahren aus Waiblingen nach Eppingen gezogen. "Sich einbringen in die neue Heimat" ist sein Motiv, als freiwilliger Helfer mitzumachen. Für seine Helferkollegin Sandra Vischer steht die Einzigartigkeit der Gartenschau im Zentrum ihres Mitwirkens. "So etwas wird so schnell nicht wieder kommen", ist sie überzeugt. Als Helferin erlebe man die Gartenschau viel intensiver.

Die Sache mit den Stempeln

 Foto: Kühl, Jörg

Mittlerweile ist es 9 Uhr, die ersten Besucher treffen ein. Routiniert scannen die Helfer die Tickets der Gäste ab und geben ihnen eine kurze Orientierung. Dazu dient meist der Flyer, der am Einlass verteilt wird. Zum Abschluss der Prozedur drücken die Einlasser den beliebten und gleichzeitig gefürchteten Stempel auf den Unterarm des Gastes. Gefürchtet sind die Stempel deswegen, weil die Farbe zwar hautfreundlich, dafür aber auch abfärbend ist. Besonders "Rot" neigt dazu, auf hellen Kleidungsstücken ein farbiges Souvenir zu hinterlassen.

Etwa eine halbe Stunde nach der Öffnung wird es plötzlich sehr lebendig. Denn mehrere Reisegruppen erreichen beinahe gleichzeitig die Gartenschau: viel zu tun für die Einlassverwalter. Annerose Wolf ist mit ihrem achtköpfigen Team von der Arbeitsagentur Heilbronn angereist. "Natürlich mit dem 9-Euro-Ticket", Sie habe schon einige Gartenschauen erlebt, berichtet sie. Entsprechend gut ausgerüstet erscheint sie zum Teamtag in Eppingen: "Einen Strohhut habe ich auch dabei." Eine noch größere Gruppe hat Volker Schoch um sich versammelt: Das Planungs- und Baurechtsamt der Stadt Heilbronn hat seinen Betriebsausflug auf die Gartenschau verlegt. Vor dem Eingang Süd gibt es erst einmal einen Sektempfang mit selbst gebackenem Kuchen.

Warum sich eine Mutter über die Ticketpolitik ärgert

Auf der Terrasse am Stadtweiher sitzt vormittags Familie Pröllochs aus dem Raum Hall. Auf dem Tisch: Landjäger, Brezeln, Sekt "und Gurken aus dem eigenen Gewächshaus", wie Volker Pröllochs betont. Inmitten der fröhlichen Runde: Hedwig Pröllochs, die gerade im Kreis ihrer Liebsten ihren 85. Geburtstag feiert. Dafür bietet die Gartenschau eine gute Kulisse. "Unsere Eltern haben uns schon 1982 auf die Landesgartenschau nach Schwäbisch Hall mitgenommen", erzählt Volker Pröllochs.

Gluthitze am Nachmittag: Besucher nutzen Schirme als Schattenspender.
Gluthitze am Nachmittag: Besucher nutzen Schirme als Schattenspender.  Foto: Kühl, Jörg

An der Dieffenbacher-Bühne haben sich Heike und Jochen Haaf aus Schwaigern mit den Kindern Leonie (10) und Jonas (8) zum Mittagessen niedergelassen. Auf dem Tisch: Duftender Flammkuchen und kühle Getränke. Die Familie hatte kurz zuvor den Auftritt von Schülern der Musikschule Schwaigern genossen. Leonie lernt dort Querflöte, Jonas Klavier. Dass die Eltern trotz des Auftritts der Kinder beide Eintritt zahlen mussten, verwundert das Ehepaar: "Üblicherweise kommt doch eine erwachsene Begleitperson kostenlos rein?", fragt die Mutter. "Wir machen aber jetzt das Beste daraus und genießen Tag als Familienausflug."

Worüber sich eine Damengruppe amüsiert

Auf dem Gelände wird es am Nachmittag immer wärmer. Wer kann, versucht unter einer Überdachung Zuflucht zu finden. So wie die Landfrauen aus Willsbach, die am Bachwegle unter einem großen Schirm eine Pause einlegen. "Das Einzige, was ich vermisse, sind mehr Sitzgelegenheiten im Schatten", meint Sabrina Weiß. "Es könnte öfter mal ein Sonnensegel gespannt sein", ergänzt sie. Ansonsten sind die Damen aber guter Dinge, scherzen sogar. "Wir gehen noch zur Ausstellung der Justizvollzugsanstalt im Schwanen", berichtet Elisabeth Kenner. "Vielleicht behalten die uns gleich ein." Auch die Stempel nehmen die Damen mit Humor: "Der rote schmiert, heute habe ich aber nur Balsamico-Dressing auf dem Hemd", lacht Barbara Eder. Sie hat auch einen Tipp, wo es bei der größten Hitze auszuhalten ist: "In der Blumenhalle ist es kühler." Hanna Brenner freut sich über die Farbabstimmung der Bepflanzung. "Gut auch, dass die Innenstadt mit einbezogen ist."

Mittagstafel: Heike und Jochen Haaf aus Schwaigern verspeisen mit den Kindern Leonie (10) und Jonas (8) Flammkuchen.
Mittagstafel: Heike und Jochen Haaf aus Schwaigern verspeisen mit den Kindern Leonie (10) und Jonas (8) Flammkuchen.  Foto: Kühl, Jörg

Inzwischen ist es Abend geworden. Das Gelände lichtet sich allmählich. Nach Einbruch der Dämmerung gehen in den meisten umliegenden Wohnhäusern die Lichter aus. Im ehemaligen Technischen Büro der Gartenschau am Kleinbrückentorplatz gehen sie dagegen an. Es beginnt die Schicht der Sicherheitsleute von Kötter Security, die nachts das Gelände bewachen. Einsatzleiter Martin Wägerle und Simone Sichler brechen mit ihren starken Taschenlampen in unregelmäßige Abständen zu Patrouillen auf. Auch die Strecke variiert jedes Mal "Wir wollen nicht ausrechenbar sein", erläutert Wägerle die Strategie. Bisher sei es bis auf Sachbeschädigungen zu keinen ernsthaften Störungen oder gar Auseinandersetzungen mit ungebetenen Gästen gekommen.

Die Sicherheitsleute verstehen sich ohnehin nicht als Schlägertrupp: "Wir setzen auf Kommunikation und Deeskalation", so der Einsatzleiter. Dann und wann liefern sich übermütige Jugendliche ein Katz- und Maus-Spiel mit den Aufpassern. Auch Liebespaare seien schon nachts aufgestöbert worden: "So schnell hat sich noch nie jemand angezogen", schmunzelt der Wachmann.

 
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