Anwohner beklagen Sperrmüll-Chaos in Kirchardt
Mitte Februar war bereits Abholtermin für Sperrmüll für viele Haushalte in Kirchardt. Seit mehr als einem Monat geschieht nichts. Auch das örtliche Ordnungsamt übt Kritik.
Seit Wochen türmt sich Sperrmüll auf Kirchardts Gehwegen. Überall liegen Haufen verstreut, in der Ortsdurchfahrt ebenso wie in kleineren Straßen durch die Wohngebiete. Sowohl Anwohner als auch das lokale Ordnungsamt haben sich beim Landratsamt und dem Entsorgungsunternehmen Prezero beschwert – bislang weitgehend ohne Erfolg.
Das Landratsamt kündigt indes für kommende Woche nachgeholte Abholungen an.

Sperrmüll in Kirchardt häuft sich seit Wochen – Beschwerden bleiben bislang ohne Wirkung
Ulrich Heck aus dem Kirchardter Kirschendweg findet deutliche Worte. Er frage sich, ob die Mitarbeiter im Landratsamt oder bei Prezero zusammen am Tisch sitzen und über die Bürger da draußen lachten. „Das Landratsamt zu erreichen, das ist eine Katastrophe“, sagt er. Der 63-Jährige fand sich aber mit der Situation nicht ab und versuchte es immer weiter, jemanden an den Hörer zu bekommen. Über Wochen hinweg habe er Mails geschrieben. „Die waren irgendwann echt genervt“, so Heck. „Plötzlich bin ich dann in der Priorität von Scheißegal auf Egal hochgestuft worden.“
Vor zwei Tagen fuhr ein offenbar gemieteter Lkw vor, denn es stand kein Firmenname darauf, und zwei Männer luden die in Einzelteile zerlegte alte Einbauküche innerhalb weniger Minuten auf. Allerdings erfolgte diese Abholung offenbar nur bei ihm – vor Nachbarhäusern besteht das Sperrmüll-Chaos nach wie vor.
Passant fragt: „Wird der Sperrmüll eigentlich überhaupt noch abgeholt?“
Besonders auffällig im Ort ist jener Haufen Sperrmüll, der den Gehweg in der Ortsmitte blockiert, direkt vor dem Regatta Outdoorhandel, 50 Meter vom Rathaus entfernt. Er scheint über die Wochen hinweg immer größer zu werden. Ein Sofa steht dort, Sessel sind darüber geworfen. Einzelne Holzteile von Möbelstücken, Matratzen und vieles mehr. Passanten laufen hier immer wieder kopfschüttelnd vorbei – die meisten auf der anderen Straßenseite, sonst besteht Gefahr, von einem Lkw erfasst zu werden.

Ein Mann, der namentlich ungenannt bleiben möchte, fragt ernüchtert: „Wird der Sperrmüll eigentlich überhaupt noch abgeholt?“ Mit dieser Fragestellung ist auch ein Beitrag in einer Kirchardter Facebookgruppe überschrieben. Es herrscht allgemeine Ratlosigkeit.
Ordnungsamtsleiter Baumgartner: „Uns sind bei dem Thema die Hände gebunden“
Kirchardts Ordnungsamtsleiter Michael Baumgartner ist die Problematik bekannt. Es sei tatsächlich so, dass an einigen Haushalten seit dem 18. Februar Sperrmüll auf dem Gehweg bereitgestellt und seither nicht abgeholt worden sei. „Wir sind in Kontakt mit einigen betroffenen Haushalten, die sich parallel zu unseren Bemühungen direkt beim Landkreis beschweren“, sagt Baumgartner, „oder mit Anwohnern, die die Gehwege zum Vorbeilaufen nutzen wollen und dabei behindert werden.“ Sie seien als Gemeinde „natürlich nicht erfreut darüber, uns sind aber bei dem Thema die Hände gebunden“. Die Zuständigkeit liege beim Landkreis. Und die vom Landkreis beauftragte Firma arbeite die aktuellen Aufgaben „nicht zufriedenstellend“ ab, so die Kritik Baumgartners, nicht nur in Bezug auf Sperrmüll. Am Mittwoch erst habe man diese wieder reklamiert. Baumgartner: „Uns wurde erneut zugesichert, dass man daran arbeitet, das Problem zu beheben.“
Personalausfall Von Prezero selbst war keine Stellungnahme zu erhalten. Auch die Frage, wie man dazu stehe, dass manche Anwohner das Gefühl hätten, mit ihren Anliegen Prezero egal zu sein, blieb unbeantwortet. Stattdessen verweist ein Unternehmenssprecher auf das Landratsamt Heilbronn.

Dort ist davon die Rede, dass Prezero mit einem Ausfall von Sammelfahrzeugen und hohem krankheitsbedingten Personalausfall zu kämpfen habe. Dem Landkreis Heilbronn sei zugesagt worden, dass die aktuellen Rückstände bei der Sperrmüllabfuhr im Laufe der nächsten Woche aufgearbeitet werden. „Auch an den Samstagen werden demnach Sonderschichten gefahren“, sagt Andreas Zwingmann, Sprecher des Landratsamts.
Landratsamt verweist auf hohen Personalausfall bei Prezero
Reklamationen seitens der Bürger nehme man natürlich jeweils auf und leite sie zur umgehenden Bearbeitung an Prezero weiter. Im Abfallwirtschaftsbetrieb sei die Arbeitsbelastung aufgrund des Großprojekts mit der Umstellung des Sammel- und Gebührensystems extrem hoch. Neben vielen Umbestellungen und nachträglichen Bestellungen erhöhten eingehende Reklamationen die projektbedingte Arbeitsbelastung zusätzlich.
Er sei selbst Logistiker im Lebensmitteleinzelhandel, sagt Anwohner Ulrich Heck, und kenne die Themen, die Spediteure hätten, seit Jahrzehnten – über technische Probleme bis hin zu Personalmangel. Dennoch sei es nicht in Ordnung, wie hier mit Bürgern umgegangen werde. Es handle sich ja nicht um Einzelfälle. „Bei uns wurde einfach das ganze Dorf nicht entsorgt.“
Kommentare öffnen
Stimme.de
Kommentare