Stimme+
Eigentümer verschollen
Zur Merkliste Lesezeichen setzen

Nach Brand in Kirchardt: Rätsel um leerstehendes Haus des „Bergbaukönigs“

   | 
Lesezeit  3 Min
audio Anhören
Erfolgreich kopiert!

Am Mittwochnachmittag war ein verlassenes Wohnhaus im Kirchardter Industriegebiet „Wimpfener Grund“ in Brand geraten. Es sollte längst zwangsversteigert werden – doch weil vom Eigentümer jede Spur fehlt, geht es in der Sache nicht voran.


Externer Inhalt

Dieser externe Inhalt wird von einem Drittanbieter bereit gestellt. Aufgrund einer möglichen Datenübermittlung wird dieser Inhalt nicht dargestellt. Mehr Informationen finden Sie hierzu in der Datenschutzerklärung.

Ein verlassenes Wohnhaus in der Daimlerstraße im Kirchardter Industriegebiet „Wimpfener Grund“ kommt seit Jahren einfach nicht aus den Schlagzeilen. Es gehört einem Mann, der einst als „Bergbaukönig“ betitelt wurde, weil er im Saalekreis in Sachsen-Anhalt einen Tagebau besaß – mit dem er Millionen gemacht haben soll. Doch diese Zeiten sind längst vorüber und von Jürgen R., der heute über 80 Jahre alt sein müsste, fehlt jede Spur. Sein Einfamilienhaus in Kirchardt ist längst zugewuchert und verwahrlost, und am Mittwochnachmittag (11. März) brach dort auch noch ein Brand aus.

Brand in verlassenem Wohnhaus in Kirchardt – 300.000 Euro Schaden

Wie die Polizei mitteilte, hatten Zeugen am Mittwoch gegen 16.50 Uhr ein Feuer in dem Haus bemerkt. Beim Eintreffen der Einsatzkräfte schlugen Flammen aus dem Dachstuhl. Die Schäden am Gebäude werden ersten Schätzungen nach mit rund 300.000 Euro beziffert. Doch wie konnte in dem unbewohnten Haus, das zwangsversteigert werden sollte, ein Feuer ausbrechen? Naheliegend ist: Die Polizei vermutet Brandstiftung.

Einsatzkräfte der Feuerwehr mussten sich am Mittwoch erst einmal einen Weg bahnen, um das Feuer zu löschen. Mit Kettensägen legten sie kleinere Bäume um. Neben dem Hauseingang hängt ein Schreiben der Zwangsverwalterin. Darin steht: „Ein eigenmächtiger Zutritt ist verboten.“ Zuwiderhandlungen würden strafrechtlich verfolgt.

Brandhaus in Kirchardt sollte zwangsversteigert werden

Das Gebäude soll seit geraumer Zeit zwangsversteigert werden. Doch weil der Aufenthaltsort von Jürgen R. unbekannt ist, kommt nichts voran. Es ist auch unklar, ob er überhaupt noch lebt. Das Verfahren zur Zwangsversteigerung ruht daher praktisch, teilte Alexander Jörg, Vizepräsident des Heilbronner Amtsgerichts, bereits im März 2025 mit. Bis heute ist der Sachstand unverändert. „Es hat sich wenig bis gar nichts getan“, sagte Jörg am Donnerstag, dem Tag nach dem Brand. Im Betreuungsverfahren gelte nach wie vor derselbe Sachstand: Der Betroffene sei unbekannten Aufenthalts, ein Gutachten zur Bedürftigkeit einer Betreuung konnte bislang nicht erstellt werden.

Auch in Bezug auf eine Zwangsversteigerung gibt es demnach nichts Neues. Ein Wertgutachten zum Zwecke der Versteigerung sei für Mitte Mai angekündigt gewesen. „Dieses dürfte aber meiner Einschätzung nach durch den Brand obsolet sein“, so Jörg weiter.

Um das Feuer besser löschen zu können, trugen Einsatzkräfte der Feuerwehr das Dach des Wohnhauses ab. Wie das Foto vom Tag nach dem Brand zeigt, entstand immenser Schaden.
Foto: Adrian Hoffmann
Um das Feuer besser löschen zu können, trugen Einsatzkräfte der Feuerwehr das Dach des Wohnhauses ab. Wie das Foto vom Tag nach dem Brand zeigt, entstand immenser Schaden. Foto: Adrian Hoffmann  Foto: Hoffmann, Adrian

Zwangsverwalterin: Brandschaden in Kirchardt wurde der Versicherung gemeldet

Die Zwangsverwalterin Birgit Möbus aus Stuttgart sagte, offiziell habe im Objekt niemand mehr gewohnt. Es sei aber nicht auszuschließen, dass Dritte sich unbefugt im Objekt aufgehalten haben. „Vor einiger Zeit wurde Anzeige wegen Sachbeschädigung gegen unbekannt gestellt“, so Möbus. Das Haus sei regelmäßig kontrolliert und war gesichert, soweit das möglich sei. „Gegen Vandalismus und sinnlose Zerstörungswut gibt es aber keinen Schutz.“ Der Brandschaden sei der Versicherung gemeldet worden.

Seitens der Gemeindeverwaltung in Kirchardt heißt es lediglich, man habe keine Informationen darüber, ob sich zu dem Grundstück jemand Zutritt verschafft habe. Bekannt sei nur, dass im Auftrag des Landratsamtes im Sommer 2025 die benachbarte Lagerhalle geräumt und die gefährlichen Stoffe entsorgt wurden.

In Kirchardt tonnenweise giftige und gefährliche Stoffe in Fässern gelagert

Gesundheitlich soll es R. bereits Ende 2023 nicht gut gegangen sein, wie eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft Heilbronn damals angedeutet hatte. Polizisten waren vor Ort, um einem Gerichtsvollzieher bei der Vollstreckung zu helfen. An jenem Tag waren auch die Chemikalien in dem Haus und der zugehörigen Industriehalle gefunden worden. Sogar Experten vom Dienst für die Beseitigung von Kampfmitteln rückten an und führten auf einem Feld in der Nähe eine kontrollierte Sprengung aus. R. war Chemie-Ingenieur und hatte verschiedene gefährliche Substanzen in der Halle gehortet, um beispielsweise Rostlösemittel oder auch sogenannte Biozide (Antipilzmittel) zu produzieren. Darunter Säuren, Laugen sowie giftige, brennbare und oxidierende Chemikalien. Seit Jahren gammelten Tonnen an giftigen und gefährlichen Stoffen in Fässern vor sich hin.

Vom verschwundenen „Minen-Millionär“ ist in Medienberichten aus Sachsen-Anhalt die Rede, teils auch vom „Bergbau-König“ – gemeint ist Jürgen R., der lange Jahre in seinem Haus in Kirchardt lebte. Bis April 2025 war er als Geschäftsführer der Kaolinwerke Salzmünde GmbH im Saalekreis eingetragen. Der Tagebau steht dort jedoch seit Jahren still, R. ist verschwunden. „Zurück blieb ein Imperium in Trümmern und die Frage, wer die Beseitigung von Altlasten bezahlen wird“, schrieb die Mitteldeutsche Zeitung im August 2023. Kaolin ist ein Rohstoff für die Keramik- und Porzellanherstellung. 1992 kaufte R. die Schürfrechte – für eine D-Mark. 

Kommentare öffnen
Nach oben  Nach oben