Freibad Rappsodie erhält Ertrinkenden-Erkennungssystem – Taucher im Einsatz
Im Freibad Rappsodie in Bad Rappenau hat ein Taucher das Ertrinkenden-Erkennungssystem getestet. KI soll künftig bemerken, wenn ein Mensch im Schwimmbecken in Not gerät.
30 Sekunden – So lange dauert es, bis das Ertrinkenden-Erkennungssystem im Freibad Rappsodie in Bad Rappenau anschlägt und ein Signal an einen der Bademeister sendet. Rechtzeitig zum Saisonstart steht die Inbetriebnahme des mit Künstlicher Intelligenz (KI) unterstützten Systems kurz bevor.
Ertrinkenden-Erkennungssystem in Bad Rappenau: Freibad Rappsodie startet in Saison
Wie der Name schon sagt, sollen damit Ertrinkende erkannt werden. Dafür sind am Beckenrand der zwei Außenbecken insgesamt 16 Kameras an Säulen montiert. „Die Kameras sind auf die Wasseroberfläche und den unmittelbaren Beckenrand ausgerichtet“, erklärt Timo Künzel, Betriebsleiter des Rappsodie. Befindet sich eine Person für mindestens 30 Sekunden an einer Stelle unter Wasser, schlägt das System Alarm und die Bademeister bekommen eine Warnung auf ihre Smartwatch. Dabei zeigt es den genauen Standort der Person, die womöglich in Not ist, auf dem Bildschirm der Uhr an.

Gezeigt wird dort allerdings kein Live-Bild mit Badegästen, sondern lediglich der Grundriss des Beckens und die ungefähre Position der betroffenen Person. Auch diese wird nur als Strichmännchen abgebildet, mit rotem Punkt als Kopf. „Die Datenverarbeitung und Datenerhebung ist komplett lokal“, sagt Sascha Foyer. Er arbeitet bei der Firma Lynxight, von denen das System kommt, und ist für das Projektmanagement zuständig. Die Firma selbst hat keinen Fernzugriff auf die Daten, betont er. Nach 60 Sekunden werden die Videodaten automatisch unwiderruflich gelöscht.
Taucher testet Ertrinkenden-Erkennungssystem im Rappsodie Freibad in Bad Rappenau
Um das System in Betrieb zu nehmen, geht ein Taucher ins Becken. Das macht Projektmanager Sascha Foyer in Bad Rappenau selbst. „Ich habe mein Hobby quasi zum Beruf gemacht.“ 25 Tauchgänge absolviert er im Wellenbecken, bevor es zum 50 Meter Schwimmbecken geht wo er nochmal 100 Mal simuliert, am Beckenboden zu ertrinken.

Dabei schwimmt er das gesamte Becken ab. „Auch in die Ecken, um zu gewährleisten, dass alles erkannt wird“, so der Taucher. Befindet sich ein Gegenstand, beispielsweise ein Reinigungsroboter, im Wasser, schlägt das System beim ersten Mal Alarm. Die Bademeister können dann ein Feedback an die KI geben, ob es sich um einen Fehlalarm handelt. Ist das der Fall, merkt sich die KI das für das nächste Mal und sendet kein Signal mehr an die Uhren. So wird die KI trainiert. Die Daten aller 200 Bäder, die in Deutschland bereits das System nutzen, fließen dort mit ein.
Aufbau in Eigeninitiative: Freibad Rappsodie installiert KI-System selbst
Im Oktober haben die Verantwortlichen des Bades damit begonnen, das System aufzubauen „Wir haben es hinbekommen, aber mussten auch einiges dazulernen“, so der Betriebsleiter. Darunter beispielsweise der Blitzschutz oder dass die verlegten Kabel nicht länger als 90 Meter sein dürfen. 90.000 Euro kostet das Ertrinkenden-Erkennungssystem. Im Gemeinderat wurde es einstimmig beschlossen. „Wenn es nur ein Menschenleben rettet, dann war es das schon wert“, zitiert Künzel die damalige Argumentation.

Zum Saisonstart am 1. Mai soll das System direkt eingesetzt werden. Die Bademeister sind auch schon geschult. „Wir wollten es noch vor der Saison schaffen“, so Künzel. Sascha Foyer wertet die Ergebnisse der Tauchgänge noch aus, schaut, ob alles passt. „Beim Wellenbecken haben wir 100 Prozent an Treffern erzielt, auch bei Wellengang.“ Deshalb ist er zuversichtlich, dass das System direkt eingesetzt werden kann, ohne Testphase.
Vor Saisonstart im Freibad Rappsodie: Letzte Arbeiten laufen
Die Mitarbeiter im Freibad sind in den letzten Zügen der Vorbereitung. Die Wege sind gesäubert, die Hecken gestutzt. Der Nebeneingang ist zum Haupteingang umfunktioniert und hat ein Kassenhäuschen bekommen. Auch die Becken sind gereinigt und befüllt. Noch beträgt die Temperatur des Wassers etwa 20 Grad. „Wir konnten nicht früher anfangen, zu heizen“, sagt Timo Künzel. Zur Eröffnung garantiere er aber eine Temperatur von 24 Grad in beiden Becken.
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