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Raußmüller Frank Dähling ist tot – ein Eppinger Original und Freigeist

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Die historische Raußmühle war sein Lebenswerk, in Eppingen war Frank Dähling ein Original: meinungsstark, manchmal unbequem. Jetzt ist der gebürtige Pforzheimer kurz vor seinem 81. Geburtstag gestorben. 

Die historische Raußmühle war Frank Dählings Lebenswerk. Der Eppinger ist im Alter von 80 Jahren gestorben.
Die historische Raußmühle war Frank Dählings Lebenswerk. Der Eppinger ist im Alter von 80 Jahren gestorben.  Foto: Berger, Mario

Die Geschichte hat Frank Dähling gern erzählt. Als der Pforzheimer 1976 aus der ultralinken Studentenbewegung ins beschauliche Landstädtchen Eppingen kam, wollte er gleich ein Zeichen setzen. Am Marktplatz stellte er ein Mao-Porträt auf. Es passierte: nichts. „Die Leute haben mich gefragt, wer der Chinese mit der Warze ist.“

Die Episode erzählt viel über Frank Dähling. Selbstironisch, reflektiert und immer kritisch gegenüber dem Zeitgeist war der Raußmüller nie um eine Diskussion verlegen. „Ich bin kein Fortschrittsfreund“, sagte er jüngst zu seinem 80. Geburtstag. In seinem Refugium, der im 14. Jahrhundert gebauten Raußmühle nahe Eppingen, schien die Zeit stehen geblieben  zu sein. 

Frank Dähling ist tot – Engagement für historische Gebäude 

Dort hat der studierte Ethnologe ein Museum bäuerlichen Lebens eingerichtet, alle möglichen und unmöglichen Gegenstände gesammelt, sie bei unzähligen Führungen dem staunenden Publikum gezeigt. Die Besucher gingen gern auf Zeitreise mit Frank Dähling, der so engagiert erzählen konnte.  

Der Wahl-Eppinger, mit seinem wallenden Bart eine imposante Erscheinung, machte fast alles selbst. Er fuhr durch ganz Deutschland, wenn es jahrhundertealte Ziegel oder alte Butzenfenster aufzustöbern gab. Seit 1999 gibt es den Raußmühlen-Verein, der ihn beim Erhalt des Kleinods unterstützte. 

Frank Dähling am Mühlrad, das er mit großem Aufwand rekonstruiert hat.
Frank Dähling am Mühlrad, das er mit großem Aufwand rekonstruiert hat.  Foto: Plapp-Schirmer, Ulrike

In der Mühle, wo Dähling mit seiner Frau lebte, war er auf Abstand zur Stadt, er war jedoch kein Eigenbrötler, in Eppingen sehr präsent. Mit großem Einsatz engagierte er sich dafür, das windschiefe Haus in der Steingasse 4 wieder herzurichten. Heute ist die sogenannte Frankeburg, eines der ältesten Wohnhäuser der Stadt, wieder für Führungen begehbar. 

Raußmühle steht nach Tod von Dähling vor ungewisser Zukunft 

Jahrelang träumte Dähling davon, das alte Mühlrad wieder in Gang zu bringen. Tatsächlich gelang die Rekonstruktion mit sehr viel Arbeit. Mit dem Plan, einen Wasserlauf umzuleiten und das Rad wieder in Schwung zu bringen, scheiterte Dähling bis zuletzt an den Behörden. 

Seine größte Sorge war, was aus der Raußmühle werden mag, wenn er nicht mehr lebt. Er stellte sich vor, so erzählte er kürzlich, wie er mit 90 auf einem Bänkle im Hof sitzt, ein Glas Wein in der Hand. Es war ihm nicht vergönnt. Kurz vor seinem 81. Geburtstag ist Frank Dähling am Dienstag gestorben. Eppingen verliert ein Original. Die Zukunft der Mühle, ein Kulturdenkmal von europäischem Rang, ist ungewiss. 

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