So leben Schwestern und Brüder in einer christlichen Gemeinschaft in Adelshofen
Bruder Matthias Böker und Schwester Meike Walch wohnen und arbeiten im Lebenszentrum Adelshofen. Die ordensähnliche Gemeinschaft lebt im Zölibat. Wie sieht ihr Alltag aus?
„Wir sehen gleich aus, aber wir sind es nicht“, sagt Schwester Meike Walch mit Verweis auf die einheitlich dunkelblaue Kleidung ihrer Mitbewohner. Sie ist eine der 20 Schwestern, die im Stadtteil Adelshofen in einer evangelischen Gemeinschaft – ähnlich einem Orden – leben.
Das Ungewöhnliche: Hier leben nicht nur Schwestern, sondern auch sieben Brüder. Im 2007 eingeweihten Haus der Kommunität gibt es deshalb Wohnflure nur mit Brüdern und solche auf denen nur Schwestern leben. Den Alltag bestreiten sie gemeinsam. Ob es Dinge gebe, die allein die Männer oder bloß die Frauen machen dürfen? Nein, von Anfang an seien Frauen und Männer hier ausgebildet worden, erklären die Geschwister.
Lebenszentrum Adelshofen: Evangelische Geschwister wohnen in ordensähnlicher Gemeinschaft
Die Kommunität des Lebenszentrums Adelshofen gibt es seit 1962, seit 2022 ist das Lebenszentrum eine Stiftung. Dazu gehört unter anderem auch ein Theologisches Seminar. Gäste, etwa von anderen Lebensgemeinschaften, kommen zu Besuch. Und Gruppen, wie Schulklassen, können den Erlebnisgarten des Zentrums nutzen, um dort sich gegenseitig vertrauen zu lernen.
Matthias Böker und Meike Walch leben im Eppinger Lebenszentrum Adelshofen
Seit 1988 lebt Bruder Matthias Böker in der Adelshofener Gemeinschaft. Er hat bemerkt: „Hier ist ein Ort, an dem ich mich voll einbringen kann.“ Er sei weniger der Spezialist, eher jemand, der in vielen Bereichen tätig ist. „Hier kann ich unterrichten, am Theologischen Seminar. Ich kann aber auch verkündigen, Seelsorge-Arbeit machen.“ Die Vielfalt habe ihn angesprochen. Und er fühlt sich wohl: „Ich würde tatsächlich heute die Entscheidung wieder so treffen.“
„Ich kam eigentlich hier her als FSJlerin (Freiwilliges-Soziales-Jahr-Leistende, Anm. d. Red.) und wollte nur ein Jahr bleiben“, erklärt Meike Walch. Sie habe damals einen Bibelvers mit auf den Weg bekommen, der endete: „Ihr werdet immer in dem Land wohnen, das ihr jetzt in Besitz nehmt.“ Zunächst machte sie eine Ausbildung. Doch Walch kam zurück: „Da hab ich mir schon nochmal drei Jahre genommen, das zu prüfen. Und 2004 hab ich es dann fest gemacht.“
Gemeinsames Eigentum, Zölibat und Co.: Leben in einer ordensähnlichen Gemeinschaft
Beide sind auf Lebenszeit in Adelshofen und das zölibatär. Die Geschwister leben nicht nur in der Gemeinschaft, sie stellen sich auch in ihren Dienst. Die Mitglieder haben einen Gehorsam, beziehungsweise eine Verbindlichkeit, sie sind für einander da. Und sie haben gemeinsames Eigentum: „Ich habe Alles und Nichts. Ich kann jedes Auto nutzen, aber es gehört mir nicht“, erklärt Böker.
Lebenszentrum Adelshofen: Christliche Lebensgemeinschaft in Eppingen
Das bedeutet auch, sie bekommen ihre Kleidung und ihren Wohnraum gestellt, erhalten ihre Mahlzeiten, nutzen die Autos aus dem gemeinsamen Pool und erhalten Taschengeld. Und: „Wir haben Urlaub“, erklärt Walch. Manche Brüder und Schwestern besuchen in dieser Zeit andere Gemeinschaften, andere nutzen das Ferienhäuschen des Lebenszentrums. Was auf den ersten Blick ungewohnt wirken mag, hat in Bökers Augen auch Vorteile: „Ich denke ich hab da ganz viel Hilfe im Gemeinsamen.“ Er könne vieles nutzen, etwa den Kopierer. Oder wenn er Probleme mit seinem Rechner habe, helfe ihm der Computerfachmann in der Gemeinschaft weiter. Eine Schwester, die Schreinerin ist, arbeitet etwa ein geerbtes Möbelstück für Meike Walch auf.
Es gibt Geschwister, die sich im hauswirtschaftlichen Bereich einbringen und beispielsweise kochen. „Es ist toll, dass ich mehr im Verkündigungsbereich tätig sein kann und andere mir da Sachen abnehmen“, erklärt Walch, die als Pfarrerin tätig ist.
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