Im Lebenszentrum Adelshofen beginnt der Tag mit einer Andacht
Salome Eisfeldt studiert am Lebenszentrum Adelshofen Theologie und engagiert sich in der Adventgemeinde in Heilbronn. Um 8 Uhr besucht sie die Andacht in der Kapelle. Dort schöpft sie Kraft für den Tag.

Die Andacht ist um 8 Uhr zu Ende. Bruder Matthias Böker hat gerade in der Kapelle an die Anfänge des Lebenszentrums Adelshofen in den 1960er-Jahren erinnert. An Otto Riecker, den evangelischen Pfarrer am Ort und Gründer von Kommunität und Bibelschule. An die vielen wundersamen Fügungen, durch die praktizierende Christen in diesem Eppinger Ortsteil bis heute zusammenkommen.
Seit über 60 Jahren sind sie nun Teil der Dorfgemeinschaft. Anfangs meist freundlich, manchmal aber auch skeptisch beäugt. Neben dem kleinen Altar und dem beleuchteten Kreuz an der Wand steht ein siebenarmiger Leuchter, dessen Kerzen brennen. Wer will, darf sich mit seinen eigenen Gedanken einbringen und erzählen, was sich in seinem Alltag gerade so alles fügt. „Gott“, das ist für Bruder Matthias „der, der Dich sieht“. Christian Pletsch, der Leiter des Lebenszentrums Adelshofen, begleitet das gemeinsame Lied am Klavier.
Im Eppinger Ortsteil Adelshofen kann man studieren
Die einen beginnen um 8.15 Uhr zu arbeiten, für die knapp 20 Studierenden am theologischen Seminar beginnt da der Unterricht. Altgriechisch steht an. Salome Eisenfeldt (20) schreckt das nicht. Sie stammt aus einem Dorf in Sachsen und ist dort im christlichen Glauben als Mitglied der Adventgemeinde aufgewachsen.
Über einen Kollegen beim Bundesfreiwilligendienst in Thüringen kam sie nach Adelshofen. Sie schaute sich dort das theologische Seminar, das von Dr. Jürgen Schulz geleitet wird, an und nahm am Campustag teil. Dann fällte sie ihre Entscheidung. Seit September wird Salome Eisenfeldt in Adelshofen zur Gemeindereferentin ausgebildet.
Dort lebt sie mit Gleichgesinnten zusammen. Mit Menschen, mit denen sie sich über ihren Glauben, vor allem aber über das Leben austauschen kann. In Adelshofen hat sie eine Heimat auf Zeit gefunden. Ihre Ausbildung dauert knapp vier Jahre. „Mein Ziel ist es, als Kinder- und Jugendreferentin in die Adventgemeinde zurückzugehen“, sagt sie. „Es ist stärkend, in einer christlichen Gemeinschaft zu leben“, fügt sie an. Tatsächlich liebe sie die Landschaft hier. Die Weite.
Christnight ist die am besten besuchte Veranstaltung in Adelshofen
Adelshofen sei weit von ihrem zu Hause weg, „aber ein guter Ort zum Leben“, wenn man schon nicht zu Hause sein kann. Die Tagesstruktur mit ihren drei Andachtszeiten gibt ihr Sicherheit, „und intensiviert noch einmal meine Beziehung zu Gott“. Habe sie Fragen, sei immer jemand da, dem sie sie stellen könne. In ihrer Freizeit bringt sich Salome Eisfeldt in der Adventgemeinde in der Heilbronner Oststraße ein.
Nicht nur im Lebenszentrum in Adelshofen verharren, sondern sich ehrenamtlich in Kirchengemeinden, in der Kinder- und Jugendarbeit, der Arbeit mit Geflüchteten, am Ort oder als Prädikant in der evangelischen Landeskirche Baden engagieren, das tun die meisten hier. Die mit bis zu 800 jungen Menschen am besten besuchte Veranstaltung des Lebenszentrums ist die Christnight am 31. Oktober.

Lebenszentrum Adelshofen versteht sich als offenes Haus
Man versteht sich hier als offenes Haus, bei dessen Veranstaltungen auch Gäste willkommen sind. „Wir leben hier nicht in Klausur“, betont Christian Pletsch. „Wir sind ein kirchlicher Ort“, sagt Jürgen Schulz, „aber keine Kirchengemeinde.“
Nicht ganz 30 Schwestern und Brüder leben derzeit in der dortigen Kommunität. Sieben Bundesfreiwillige arbeiten im Zentrum selbst mit. Knapp 30 Studentinnen und Studenten absolvieren gerade eine Ausbildung zum Gemeindereferenten oder zum Missionar. Es waren schonmal mehr. Der demographische Wandel, sagt Schulz, sei auch in dieser Gemeinschaft spürbar: „Wie man Menschen neu für die Theologie begeistern kann, das fragen sich ja selbst die Universitäten.“
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