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Großprojekt SEL

34 Meter breite Schneise: Bau der Süddeutschen Erdgasleitung verändert Landschaftsbild

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Immer wieder fragen sich Autofahrer bei Bad Rappenau-Bonfeld, was denn da auf den Feldern gebaut wird. Es handelt sich um die geplante Verlegung der Süddeutschen Erdgasleitung, die bis Ende des Jahres abgeschlossen sein soll.


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Der Bau der Süddeutschen Erdgasleitung SEL im Abschnitt Siegelsbach und Bad Rappenau geht zügig voran. Man liegt nun wieder im Zeitplan, teilte der Transportnetzbetreiber für Gas, Terranets BW, am Donnerstag auf Stimme-Nachfrage mit. Im Februar hatte es durch Kälte und Nässe noch leichte Verzögerungen gegeben. Bei Sonderbaustellen wie am ehemaligen Muna-Gelände in Siegelsbach und an der vorgesehenen A6-Querung waren die Vorbereitungen der Arbeiten aber bereits frühzeitig zu sehen - inzwischen sind an vielen weiteren Orten, vor allem auf landwirtschaftlichen Flächen, breitflächige Ausgrabungen wahrzunehmen.

Bau der Erdgasleitung im Kraichgau: Oberboden vielerorts bereits abgetragen

Dabei handelt es sich um einen meist 34 Meter breiten Arbeitsstreifen, auf dem laut Projektsprecherin Marcella Kugler der Oberboden vorsichtig abgetragen und seitlich gelagert wird. Die Leitungsrohre mit einem Durchmesser von einem Meter lagern bereits an Sammelplätzen. Sie werden später an die Trasse transportiert und dort zu langen Rohrsträngen verschweißt. Ab Anfang Mai folgt dann der nächste Schritt: Der Rohrgraben wird ausgehoben, mit einer Tiefe von rund 2,5 Metern. In den Graben werden die Stränge dann mit speziellen Baumaschinen, sogenannten Seitenbäumen, eingebracht - aber erst, nachdem ein Gutachter die Schweißnähte geprüft hat. Zum Abschluss wird der Rohrgraben verfüllt.

Immer wieder wundern sich aktuell Autofahrer oder Spaziergänger beim Blick auf die Felder. In lokalen Facebookgruppen taucht regelmäßig die Frage auf, was dort denn eigentlich gebaut wird. Obwohl schon vielfach über die SEL berichtet wurde, war das Vorhaben bis zur tatsächlichen Umsetzung für zahlreiche Bürger weit weg. 

Süddeutsche Erdgasleitung: Terranets erklärt Bau und Zweck der Pipeline

Die Breite des Arbeitsstreifens wird laut Terranets benötigt, damit alle Bodenschichten fachgerecht und einzeln abgetragen und entlang des Streifens gelagert werden können, erklärt Sprecherin Kugler. Zudem werde der Arbeitsstreifen gebraucht, um geeignete Baustraßen anlegen zu können, die die Manövrierbarkeit der Baumaschinen während der Verlegung der sicherstellen. Auch Glasfaserkabel werden parallel verlegt. Sie dienen der Überwachung und Steuerung des eigenen Netzes.

Die Vorarbeiten für die Verlegung der Erdgasleitung sind im Landschaftsbild deutlich wahrnehmbar - hier bei Bad Rappenau-Bonfeld.
Die Vorarbeiten für die Verlegung der Erdgasleitung sind im Landschaftsbild deutlich wahrnehmbar - hier bei Bad Rappenau-Bonfeld.  Foto: Hoffmann, Adrian

Was es überhaupt mit der SEL auf sich hat: Die Leitung soll nach Angaben des Unternehmens Terranets die Voraussetzungen für eine klimaneutrale Energieversorgung schaffen. Geplant ist eine 250 Kilometer lange wasserstofftaugliche Gaspipeline von der hessischen Landesgrenze über Mannheim, Heidelberg, Heilbronn, Ludwigsburg, Esslingen, Göppingen, Geislingen und Heidenheim bis nach Bayern.

Erdgasleitung: Abschnitt von Heidelberg bis Heilbronn soll Ende 2026 in Betrieb gehen

„Sie versorgt zunächst moderne Gaskraftwerke mit Erdgas und wird zukünftig als Teil des Wasserstoff-Kernnetzes Wasserstoff nach Baden-Württemberg transportieren“, teilt das in Stuttgart ansässige Unternehmen mit. Der 61 Kilometer lange Abschnitt von Heidelberg bis Heilbronn wird seit August 2025 in Etappen gebaut. Er soll Ende 2026 in Betrieb gehen und Gas transportieren.

Am Samstag, 18. April, öffnet Terranets von 14 bis 17 Uhr die Baustelle in Meckesheim im Rhein-Neckar-Kreis. In der Nähe der Reitsportanlage „Oldsen Westernhorses“ wird interessierten Bürgern ein exklusiver Einblick in den Bau angeboten. Experten informieren zur Bedeutung von Wasserstoff für die Energiewende, zu Maßnahmen zum Schutz von Umwelt und Natur, zu den notwendigen Schritten bei der Bauvorbereitung und archäologischen Begleitung sowie darüber, wie die Leitungsverlegung erfolgt.

Der Bau der ersten Etappe hatte in Hüffenhardt begonnen und wurde seit Baubeginn in Richtung Leimen im Rhein-Neckar-Kreis fortgeführt. Im Juli 2026 sollen alle Arbeiten zur Verlegung der SEL zwischen Siegelsbach und Heilbronn abgeschlossen sein. Seit dieser Woche werden laut Kugler die ersten Rohre bei Siegelsbach ausgefahren. Dies wird voraussichtlich bis Mitte Juni fortgesetzt. Im Anschluss, voraussichtlich ab Mitte April bis Mitte Juni, werden die ausgelegten Rohre miteinander zu Rohrsträngen verschweißt. Ab voraussichtlich Mitte Mai bis Ende Juli erfolgt von Siegelsbach in Richtung Heilbronn-Kirchhausen das Ausheben des Rohrgrabens, das Verlegen der Rohrstränge sowie das Verfüllen des Rohrgrabens.

Wenn beim Bau der Leitung Straßen, Flüsse oder Bahngleise auf der Trasse liegen, „werden diese meist unterirdisch gequert“, heißt es weiter. Diese Querungen würden zeitlich unabhängig vom Trassenbau durchgeführt, da sie eine besondere Planung und Arbeitsweise erfordern. Rund die Hälfte der Querungen zwischen Siegelsbach und Heilbronn sind bereits begonnen und teilweise abgeschlossen worden, so zum Beispiel an der B39 in Bad Rappenau oder an der Krebsbachtalbahn in Siegelsbach.

Tag der Offenen Baustelle in Meckesheim: Interessierte bekommen Einblick in Pläne

Im Anschluss an die Bauarbeiten sollen im Sommer 2026 bis voraussichtlich Herbst 2026 alle in Anspruch genommenen Flächen „wiederhergestellt“ werden. Das bedeutet: Sträucher und Bäume werden angepflanzt, Straßen und Wege wiederhergestellt. Für verbleibende Eingriffe setzt Terranets BW eigenen Angaben zufolge Ausgleichsmaßnahmen um. Das könnten beispielsweise Aufforstungen sein. Bis voraussichtlich Sommer 2027 sollen zwischen Heidelberg und Heilbronn alle entsprechenden Vorhaben umgesetzt sein.

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