Neuer Selbstbedienungsladen in Grombach geplant – in ehemaliger Volksbank-Filiale
David Bennett will im Mai in Bad Rappenau-Grombach einen SB-Lebensmittelmarkt eröffnen – in der ehemaligen Volksbank-Filiale. Kurios: Alkohol und Zigaretten müssen Kunden aus dem Tresorraum holen.
Die ehemalige Volksbank-Filiale in Bad Rappenau-Grombach soll bereits in wenigen Monaten als Selbstbedienungs-Lebensmittelladen genutzt werden. David Bennett, der ohnehin im Bereich Automatisierung arbeitet, will den Laden aufbauen.
Erstmal „ganz normal“, so wie man es bereits aus einigen Dörfern kennt, mit der klassischen Selbstbedienungskasse oder einer Bezahlung per PayPal. Aber irgendwann, so seine Zukunftsvision, bekommt der Kunde seine vorab per App bestellten Waren bereits von Robotern vorgepackt – und holt sie einfach nur noch am Eingang der Dorfkiste, wie der Laden heißen soll, ab.
SB-Markt „Dorfkiste“ in Bad Rappenau-Grombach: Ehemalige Volksbank-Filiale wird zum Dorfladen
Die Stadt Bad Rappenau ist Eigentümer des Gebäudes direkt gegenüber des Bürgerhauses und hat die Flächen im Erdgeschoss an Bennett vermietet. Das war auch in der jüngsten Gemeinderatssitzung mitgeteilt worden.
Bennett selbst ist in Grombach vielen bekannt. Der 39-Jährige ist in mehreren Vereinen engagiert und mit einer „Ur-Grombacherin“, wie er sagt, verheiratet. Mit seiner Frau Anna hat er zwei Kinder.

David Bennett ist überzeugt von einer zunehmenden Automatisierung in fast allen Lebensbereichen
Noch steht der spätere Ladenraum leer. Der Vinyl-Fußboden wurde frisch verlegt. Der Elektriker war schon da. In Kürze wird es dann konkret und Regale werden eingebaut sowie ein Kassensystem. Videoüberwachung ist auch geplant. Bennett erzählt, er habe im Ort viele positive Rückmeldungen bekommen und man freue sich auf den Markt - selbst, wenn es nur Selbstbedienung ist.
Bennett zeigt sich wagemutig und visionär. Er glaubt an eine zunehmende Automatisierung in vielen Lebensbereichen - kein Wunder, denn er berät mit seiner Firma „BNDA Solutions“ viele Firmen auf ihrem Weg zu automatisierten Abläufen und kennt sich bestens aus mit Robotern, die Paletten beladen und mit „Picking“-Robotern, die nach Artikel greifen und ablegen können.
Bei seinen Plänen will der gelernte Feinwerkmechaniker regionale Lebensmittelerzeuger mit einbeziehen - einen Metzger, einen Bäcker und auch landwirtschaftliche Höfe. Vieles wird aber auch im Groß- und Onlinehandel bestellt. Ihm schwebt vor, dass zumindest die regionalen Partner die Regale pachten und selbst bestücken. Er wiederum werde eine Aushilfe einstellen, die ebenfalls Regale und Kühlschränke bestücken soll und sich grundsätzlich um die Abläufe im Laden kümmert. Leergekaufte Waren sollen automatisiert nachbestellt werden. Den Boden soll ein Lionsbot-Reinigungsroboter putzen.
Eröffnung des Marktes ist ein Experiment: „Einfach gesagt, ich probiere das aus.“
Mit einer Online-Umfrage hat Bennett ermittelt, welche Lebensmittel die Grombacher besonders gerne in einem solchen SB-Markt hätten. Brot und Milchprodukte stehen hoch im Kurs. Nudeln und Eier will er vielleicht nicht anbieten, denn das gebe es schon in einem anderen Automaten im Ort. Der wird von Familie Knäpple-Siegmann aus Wollenberg betrieben.

Für Bennett ist der SB-Markt auch ein Stück weit ein Experiment. „Einfach gesagt, ich probiere das aus.“ In anderen Orten funktioniere es ja auch, wie etwa in Bonfeld im Landmarkt. SB-Märkte entstehen immer mehr im ländlichen Raum. In Ittlingen eröffnete erst im Herbst vergangenen Jahres der SB-Container „Cocos Kleinkauf“. Betreiberin Florentine Sens sagt, sie könne sich nicht beklagen. Das Angebot „wird gut angenommen“.
Digitaler Tresorraum für Alkohol und Zigaretten: Alterskontrolle öffnet die schwere Stahltür
David Bennett sagt, er sei schon zufrieden, wenn am Ende die schwarze Null steht, sagt er. Jetzt müsse er erstmal noch bis zu 25000 Euro investieren. Seit wenigen Tagen hat er mit seinem neuen Kollegen Niklas Gleichauf (28) die Räume direkt nebenan bezogen. Dort wird er seine Firma führen, nebenan wird auf 60 Quadratmetern Fläche der SB-Markt entstehen.
Kurios ist: Der Verkauf von Alkohol, Zigaretten und Vapes wird im ehemaligen Tresorraum hinten rechts sein. Die sieben Tonnen schwere Stahltür wird sich erst nach einer digitalen Alterskontrolle öffnen. Die Öffnungszeiten sollen täglich von 5 bis 23 Uhr sein. Obendrüber ist ja bewohnt, erklärt Bennett - 24/7 ist daher nicht möglich.
Bargeldfreier Einkauf soll älteren Menschen an ausgewählten Nachmittagen erklärt werden
Ältere Menschen mag vielleicht die Tatsache stören, dass sie nicht bar bezahlen können. Aber David Bennett will das auffangen. Sein Schwiegervater Hermann Laufer werde immer wieder Tage anbieten, an denen er Interessierten vor Ort erklärt, wie sie zurechtkommen. Ähnliches bot auch Florentine Sens in Ittlingen an. Da seien aber nur wenige Senioren gekommen. Die meisten kämen inzwischen mit dem Kassensystem zurecht. Sens: „Die redet ja auch mit einem. Man muss bloß zuhören.“
Dass Kunden ihren Einkauf bezahlen, ohne dass ihnen ein Mitarbeiter gegenüber sitzt, kommt in Deutschland immer häufiger vor. Insbesondere der Personalmangel habe zur Verbreitung von sogenannten Self-Checkout-Systemen geführt, sagt Frank Horst vom Handelsforschungsinstitut EHI Retail Institute mit Sitz in Köln. Auch in automatisierten SB-Märkten zahlt der Kunde ohne Gegenwart eines menschlichen Kassierers. Ob solche Märkte in kleinen Dörfern erfolgreich sein werden, hänge von verschiedenen Faktoren ab. Im ländlichen Raum werde es positiv gesehen, wenn Versorgungslücken geschlossen werden, erklärt Horst. Allerdings müsse auch eine Kundenfrequenz gegeben sein, um das Geschäft rentabel zu gestalten. SB-Minimarkt-Betreiberketten würden das genau kalkulieren.
Ob die Supermärkte der Zukunft so aussehen, dass Einkäufe per App bestellt und dann von Robotern zusammengestellt werden, bezweifelt der Experte für automatisierten Handel. Gerade frische Ware wolle der Kunde ja vor dem Kauf sehen. Natürlich mache es Sinn, Ideen auf ihre Praxistauglichkeit zu testen. Manchmal gebe es aber auch mediale Hypes wie bei der Technologie „Pick & Go“. Dabei handelt es sich um ein automatisiertes Einkaufen und Bezahlen, bei dem Kunden Waren aus den Regalen nehmen und ohne direkten Bezahlvorgang den Markt verlassen können. Das System nutzt Kameras und Sensoren, um Produkte automatisch zu erfassen. Viele Testmärkte hätten bereits wieder geschlossen, so Horst.
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