Metzgermeister Wolfgang Dick aus Grombach freut sich über Nachfolger
Bei der Fleischer-Innung ist von „einem Sechser im Lotto“ die Rede: In Grombach freut man sich über eine Nachfolgelösung für die Metzgerei Dick. Florian Gollerthan, 33 Jahre alt, übernimmt.

Florian Gollerthan hat nach einer Übergangszeit von eineinhalb Jahren nun die Metzgerei von Wolfgang Dick in Bad Rappenau-Grombach und die zugehörige Filiale in Sinsheim übernommen. Der 33-jährige Metzgermeister sagt, es sei immer sein großer Traum gewesen, einen eigenen Betrieb zu führen – ganz entgegen des Trends, der sonst auf den Dörfern zu spüren ist. Sonst ist immer von Metzgereisterben die Rede. Daher zeigt sich auch sein 65-jähriger Vorgänger höchst zufrieden. „Wenn ich niemanden gefunden hätte, hätten wir den Betrieb schließen müssen“, so Wolfgang Dick.
Übernahme eines Traditionsbetriebs: Metzgermeister wollte unbedingt, dass sein Betrieb weiter existiert
Vor wenigen Tagen erst ist Gollerthan mit seiner Frau Angelina (30) und seinem zweijährigen Sohn Emil aus seinem vorherigen Wohnort Massenbachhausen in die Wohnung über dem Hauptstandort des Traditionsbetriebs Dick in Grombach gezogen. Hier läuft die Produktion der Wurst- und Fleischwaren. Den Laden führen kann er nur, wenn er vor Ort ist.
Ausstattung, Arbeitsgeräte und Metzgerwerkzeug hat er Wolfgang Dick abgekauft. Die Betriebs- und Wohnräume zahlt er über eine Art Pachtkauf ab. Dick und seine Frau Hiltrud (66) leben ein paar Straßen weiter in einer Wohnung, die sie für ihren Ruhestand vorgesehen hatten.

Wie oft in Familienbetrieben hätte es sich Wolfgang Dick gewünscht, dass die eigenen Kinder die Metzgerei weitergeführt hätten. Aber sie entschieden sich früh für andere Berufswege, was er natürlich auch akzeptiere. Jetzt finde er einfach gut „für alle Beteiligten“, dass sein früherer Betrieb weiter existiert. Es hätte ihn geschmerzt, wenn das anders gekommen wäre.
Obermeister der Fleischer-Innung: „So jemanden zu finden, ist wie ein Sechser im Lotto“
Die Menschen im Ort und der näheren Umgebung wissen die aktuelle Entwicklung zu schätzen. „Ich bin mit der Metzgerei Dick aufgewachsen“, sagt Kunde Dietrich Schenk (63). Er komme seit Jahrzehnten hierher, obwohl er in Kirchardt lebt. Paprikawürste, Fleischsalat, Aufschnitt – er nimmt immer von allem etwas.
Gollerthan ist gelernter Kopfschlächter und Zerleger. Er will auch wieder selbst schlachten. „So jemanden zu finden, ist wie ein Sechser im Lotto“, sagt Rüdiger Pyck, Obermeister der Fleischer-Innung Rhein-Neckar. Er mache die Erfahrung, dass viele Menschen heute nicht mehr bereit seien, Verantwortung zu übernehmen. „Das ist so ein bisschen ein Zeitgeist“, sagt er. Es sei wirklich überall so.
Der Kontakt zwischen Dick und Gollerthan entstand über den Fleischerei-Fachgroßhandel Schwan in Heilbronn. Es habe von Anfang an gepasst, sagt Florian Gollerthan. Die beiden stellten fest: Beide haben ihren Metzgermeister in derselben Fleischerschule gemacht. Dick im Jahr 1984, Gollerthan 2015.

Er gehe mit Begeisterung und Leidenschaft seinem Beruf nach, sagt Gollerthan. Er ist gelernter Kopfschlächter und Zerleger. Einen anderen Beruf könne er sich gar nicht vorstellen. In den vergangenen Monaten hat er die Rezepturen von Dick kennengelernt und will sie beibehalten. Die Kunden sind es gewohnt. Gollerthan will allerdings noch Wild verarbeiten. Dafür hat er eine EU-Zulassung beantragt. Seit 2016 ist er Jäger und hat ein Revier in Gemmingen. Die eigene Schlachtung von Rind, Schwein und Schaf im Betrieb ist ihm ebenfalls wichtig. „Das gehört dazu, das ist der Ursprung einer Metzgerei.“
Oberbürgermeister Sebastian Frei: „Starke Perspektive für unsere lokale Nahversorgung im Teilort Grombach“
Auch Bad Rappenaus Oberbürgermeister Sebastian Frei gratuliert zur Übernahme und spricht von einem mutigen Schritt. „Starke Perspektive für unsere lokale Nahversorgung im Teilort Grombach“, schreibt er in einem Beitrag auf seiner Facebookseite. Besonders erfreulich sei, dass weiterhin direkt in Grombach produziert werde. Die perspektivische Planung, wieder vor Ort zu schlachten, stärkt die regionale Wertschöpfung, kurze Wege und handwerkliche Qualität.
Fleischerei-Innungsmeister Rüdiger Pyck freut sich über Nachrichten wie diese. Er sieht aber auch, dass es anfangs Herausforderungen gibt, vor denen ein Metzger nach einer Übernahme stehe. Finanzielle Belastungen seien spürbar.Vielen Menschen denken beim Namen Gollerthan an den Metzgerei- und Gastronomiebetrieb Gollerthan mit Sitz in Obergimpern. Es gebe zwar ein verwandtschaftliches Verhältnis, sagt Florian Gollerthan – die beiden Betriebe hätten aber nichts miteinander zu tun
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