Ärztemangel auf dem Land: Bad Rappenauer Oberbürgermeister kämpft für bessere Versorgung
Bad Rappenau reagiert auf den Hausarztmangel mit konkreten Maßnahmen. Der Einfluss ist allerdings beschränkt.

Es dauert nicht mehr lange, dann zieht Dr. Mark Glasauer mit seinem Team ins neue Ärztehaus in Fürfeld. Damit wird in dem Bad Rappenauer Teilort eine Lücke geschlossen, denn einen Hausarzt gab es dort bisher nicht. Und würde es wahrscheinlich auch weiterhin nicht geben, wenn die Stadtverwaltung nicht eine Menge Geld in die Hand genommen hätte. Das Gebäude, in dem auch Räume für eine Kindertagesstätte geschaffen werden, kostet mehrere Millionen Euro.
Rund 15 Hausarztpraxen gibt es in Bad Rappenau – „Wir versuchen, die nötige Infrastruktur zu schaffen“
„Wir versuchen, die nötige Infrastruktur zu schaffen“, fasst Bad Rappenaus Oberbürgermeister Sebastian Frei die Bemühungen, Ärzte in die Kommune im Kraichgau zu locken, zusammen. Denn auch, wenn die Nähe zu Großstädten wie Heilbronn, Stuttgart oder Heidelberg gegeben ist: Aufs Land möchten nach wie vor die wenigsten Mediziner. „Fürfeld ist deshalb ein großer Erfolg für uns“, sagt Frei.
Grund zur Euphorie ist das allerdings nicht, denn auch in der Kernstadt Bad Rappenau ist die hausärztliche Versorgung ein Thema. Rund 15 Praxen gibt es dort und in den Teilorten. Er tausche sich regelmäßig mit den Medizinern aus, so Sebastian Frei. Man müsse sich aber wohl oder übel darauf einstellen, dass sich die Rolle des klassischen Hausarztes ändere, „und es wohl auch nicht mehr in jedem Ort einen geben wird“.
Mehr als 20 Prozent aller Bad Rappenauer sind über 65 Jahre
Besonders für ältere Menschen, die unter Umständen nur eingeschränkt mobil sind, ist diese Veränderung ein Problem. Über 20 Prozent der Bad Rappenauer sind 65 Jahre oder älter. Viele ziehen bewusst in die Kurstadt, die für eine Kommune dieser Größe eine gute Infrastruktur aufweist – zumindest in der Kernstadt.
„Wir nehmen die existenziellen Sorgen der Menschen ernst“, versichert der OB, der aber auch darauf verweist, dass weder er noch die Verwaltung einen direkten gesetzlichen Auftrag haben, Ärzte zu suchen. Dafür ist die Kassenärztliche Vereinigung zuständig. „Aber es betrifft unsere Gemeinschaft. Deshalb nehme ich mich der Aufgabe an.“
Willkommenskultur für Ärzte muss geschaffen werden
Weil nicht jedes Jahr ein Ärztehaus gebaut werden kann, um die entsprechende und moderne Infrastruktur zu schaffen, können Kommunen beispielsweise Bauplätze bereithalten und weitere Anreize bieten. Oder, wie es Sebastian Frei ausdrückt: „Wir können Faktoren als Willkommenskultur für Ärzte schaffen.“ Auch wenn es in vielen Orten nicht gut aussieht. Anreize alleine lösen den Ärztemangel auf dem Land allerdings nicht, meint unsere Autorin.
Der Bad Rappenauer OB kann auf mehrere erfolgreiche Nachbesetzungen verweisen. So habe Dr. Vera Thomas eine Nachfolgerin für ihre Praxis im Kurgebiet gefunden, sagt er. Genauso wie Dr. Jochen Späth. Außerdem sei die Stadt in positiven Verhandlungen mit einer Medizinerin, die sich gerne in Bad Rappenau niederlassen möchte, verrät er.
Ärztehaus in der Kernstadt von Bad Rappenau geplant
Dann wäre da noch das geplante Ärztehaus in der Raiffeisenstraße gegenüber des Busbahnhofes. Auf dem Areal sollten ursprünglich Doppelhaushälften entstehen. Lange hing ein entsprechendes Plakat am Bauzaun. Vor einem Jahr hat die Stadt das benachbarte, früher als Parkplatz genutzte Grundstück verkauft. „In der Hoffnung“, so der OB, „dass ein Hausarzt kommt.“
Seitdem hat sich zwar optisch nicht viel getan, aber das alte Plakat wurde durch ein neues ersetzt. Dort und im Internet wird mit „barrierefreiem Wohnen im Ärztehaus“ geworben. Bezugstermin: 2027. „Momentan gibt es noch Klärungsbedarf beim Bau“, sagt Sebastian Frei. Er blickt jetzt erstmal auf ein anderes Ärztehaus: Im Juli soll die Praxis von Mark Glasauer in Fürfeld eingeweiht werden.
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