„Überall geblutet“: Metallteil kracht auf zwei Personen im Zug nach Schwäbisch Hall
Auf der Bahnfahrt nach Schwäbisch Hall sollen zwei Menschen am Kopf verletzt worden sein. Die Betroffenen machen der Bahn schwere Vorwürfe – nun hat sich die Polizei eingeschaltet.
Es ist der 27. Dezember 2025, als Olga Jochim mit dem Zug von Waldenburg nach Schwäbisch Hall unterwegs ist. Jochim kommt gerade vom Weihnachtsbesuch ihrer Eltern in Öhringen zurück, ihr Ziel ist München, wo sie aktuell lebt.
Doch die Fahrt endet für sie gegen 13:45 Uhr abrupt. Ein schweres Metallteil fällt herab und trifft sie am Kopf, wie die Frau gegenüber der Heilbronner Stimme schildert. „Ich habe überall geblutet“, erzählt Olga Jochim heute von dem Vorfall. Das schwere Teil, das sie getroffen hat, kann sie allein kaum bewegen, ein anderer Fahrgast muss ihr helfen. Eine weitere Mitfahrerin habe mit dem Lokführer gesprochen – dieser soll jedoch nur geantwortet haben, dass er während der Fahrt nicht sprechen darf.
Frau wird im Zug nach Schwäbisch Hall durch Metallteil am Kopf verletzt
Jochim steigt in Schwäbisch Hall-Hessental aus, wird von jemandem ins Krankenhaus gefahren. Ihre nach eigenen Angaben zwei Zentimeter große Platzwunde am Kopf muss geklebt werden. „Inzwischen geht es mir besser. Aber ich hatte tagelang mit Kopfschmerzen und Schwindel zu kämpfen“, erzählt sie. „Es hätte viel Schlimmeres passieren können.“
Sie geht am darauffolgenden Montag zum Polizeirevier in München und erstattet Anzeige. Die Beamten leiten den Fall an die zuständige Bundespolizei in Stuttgart weiter.
Diese bestätigt den Vorfall auf Stimme-Anfrage – und hat Ermittlungen gegen Unbekannt eingeleitet. Der Verdacht: fahrlässige Körperverletzung. „Im Rahmen der Ermittlungen wurden unter anderem die Videoaufzeichnungen aus dem Zug gesichert“, so ein Sprecher der Bundespolizei.
Im Zug verletzte Frau erhebt Vorwürfe gegen Deutsche Bahn
Der Deutschen Bahn macht Olga Jochim schwere Vorwürfe. Als sie den Vorfall meldet, wird sie lediglich gefragt, ob es Zeugen ihres Unfalls gab. Sie hat das Gefühl, man glaube ihr nicht so recht. Dem Lokführer wirft sie unterlassene Hilfeleistung vor. „Er hätte den Zug anhalten müssen oder an der nächsten Station vorbeikommen müssen“, fordert Jochim.
In den darauffolgenden Tagen macht sich Olga Jochim auf die Suche nach Zeugen, denn es seien viele Menschen im Zug unterwegs gewesen. Dabei findet sie den Kontakt zu Hannes Weindorf: Dessen Sohn war am selben Tag mit dem selben Zug unterwegs. Bevor er um 18 Uhr in Schwäbisch Hall ankommt, wird er von dem Metallteil am Kopf getroffen.

„Er hatte eine Platzwunde am Kopf, musste ins Krankenhaus und genäht werden“, berichtet Vater Hannes Weindorf unserer Redaktion. Mittlerweile gehe es seinem Sohn wieder gut, er habe aber eine Gehirnerschütterung erlitten sowie Kopfschmerzen, Übelkeit und Erbrechen. „Nun muss man abwarten, ob eine Narbe zurückbleibt.“
Rollstuhlrampe trifft zwei Bahn-Fahrgäste: War der Gegenstand korrekt verstaut?
Es ergibt sich ein ähnliches Bild: Hannes Weindorfs Sohn saß wie Olga Jochim in der Nähe der Toilette und einem Schrank, in dem das schwere Metallteil verstaut war. Auf einem Foto des Sohnes ist zu sehen, dass es sich dabei um eine Rampe für Rollstuhlfahrer handelt. Sie kann aufgeklappt werden und wird genutzt, um den Spalt zwischen Zug und Bahnsteigkante zu überbrücken. „Der Schrank war wohl nicht richtig abgeschlossen“, sagt Weindorf.
Auch er kritisiert das Zugpersonal der Westfrankenbahn. Zwar habe ein Zugbegleiter mit seinem Sohn am Bahnsteig auf den Krankenwagen gewartet. Es habe jedoch niemand seinen Sohn nach Personalien gefragt.
„Nicht nachvollziehbar“: Kritik an Schadensabwicklung der Bahn
Der Pfedelbacher erstattet keine Anzeige, sondern versucht sich an die Westfrankenbahn zu wenden. Diese betreibt die Züge auf der Strecke zwischen Heilbronn und Crailsheim und ist eine Tochtergesellschaft der DB RegioNetz. Weindorf bekommt „relativ zügig“ eine Rückmeldung, dass der Fall untersucht werde. „Darüber war ich erbost, weil keinerlei Rückfragen kamen.“ Er schickt daraufhin seine Beobachtungen, die Arztbriefe und Forderungen an das Unternehmen – und wartet aktuell noch auf Rückmeldung.
Weindorf ist selbst in der Versicherungsbranche tätig und mit Schadensabwicklung betraut, wie er erzählt. „Ich finde es mehr als fahrlässig, wenn so etwas zwei Personen am gleichen Tag passiert. Das ist für mich nicht nachvollziehbar.“ Bei einem Mal könne man von einem Fehler sprechen, bei zwei Vorfällen dieser Art nicht.
Deutsche Bahn äußert sich wegen Ermittlungen nicht zu dem Vorfall
Unsere Redaktion hat die Westfrankenbahn und die Deutsche Bahn mit den Vorwürfen konfrontiert und um Stellungnahme gebeten. "Wir bedauern den Vorfall", erklärt ein Sprecher der Deutschen Bahn daraufhin. Allerdings bitte er um Verständnis, dass man sich aufgrund der laufenden Ermittlungen nicht weiter zu dem Vorfall äußern könne. "Unabhängig davon sensibilisieren wir unsere Mitarbeitenden und schulen auch regelmäßig, wie man sich in welchen Situationen verhält und welche Meldewege hierbei zu beachten sind."
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