Trauerspiel Online-Zulassung: Wozu der ganze Aufwand?
Die digitale Kfz-Zulassung ist ein Musterbeispiel staatlichen Missmanagements, meint unser Autor.

Bald zehn Jahre ist es her, dass die Kfz-Zulassung erstmals digitales Terrain betreten hat: mit der Möglichkeit, sein Fahrzeug online abzumelden. Seitdem jagt eine Unzulänglichkeit die nächste. Das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur hat dieses Vorhaben von vorne bis hinten falsch angepackt. Es wurde schlecht strukturiert und kommuniziert. Und es wurde allzu lange nicht vom Nutzer her konzipiert.
Bis heute nicht in den Köpfen angekommen
„Internetbasierte Kfz-Zulassung“: Allein dieser ellenlange Markenname spricht Bände. Doch auch die Kurzform „i-Kfz“ ist bis heute nicht in den Köpfen der Bürger angekommen. Dabei sollte seit 1. September 2023 alles viel besser laufen. Schneller, leichter und vor allem günstiger: Dieses verlockende Angebot ist weitgehend ungehört verhallt, die vierte Stufe erweist sich bis dato ebenso als Fehlzündung wie die drei anderen zuvor. Dabei sind jetzt wirklich alle rechtlichen Hürden genommen und das gesamte Portfolio steht nun aus einem digitalen Guss bereit: mit einfacheren Klicks und dem Versprechen, nach geglückter Online-Zulassung auch gleich losfahren zu können. In der Theorie haben sich das die Macher schön ausgedacht. In der Praxis funktioniert es freilich immer noch nicht.
Zig Millionen Steuergelder in den Sand gesetzt?
Wurden also zig Millionen Steuergelder in den Sand gesetzt? Es scheint so. Ob „i-Kfz“ irgendwann noch die Kurve kriegt, ist fraglicher denn je. Die mittelalte und ältere Generation bevorzugt weiterhin den analogen Gang zum Amt. Ihnen fehlt oft das Wissen und noch viel häufiger der Wille, sich auf dieses digitale Spiel einzulassen. Der Datenschutz ist ihnen heilig, sich online auszuweisen, fällt ihnen weiterhin schwer. Und die jüngere Generation? Würde bestimmt gerne mitmachen, weiß aber oft gar nicht, dass es diese Möglichkeit gibt. Dem Hohenloher Landratsamt wiederum ist es herzlich egal, ob es die Kfz-Zulassung online oder analog erledigt. So oder so benötigt es dazu gleich viel Personal. Da fragt man sich unweigerlich: Wozu der ganze Aufwand?
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Kommentare
Holger Ritter am 04.09.2024 06:47 Uhr
Wozu der Aufwand? Hier muss man das Ganze mal aus der Sicht des Kunden betrachten, denn nicht jeder hat die Möglichkeit während der Geschäftszeiten der Zulassungsstelle diese auch zu besuchen ohne dass man einen Tag frei nimmt. Hier wären Kundenorientiertere Öffnungszeiten wünschenswert. Ich persönlich habe den Service Anfang des Jahres in Anspruch genommen und ein KFZ online abgemeldet, hat problemlos geklappt (wenn man die Onlinefähigen Kennzeichen-Plaketten und einen digitalen Ausweiß hat). Zulassung habe ich noch nicht in Anspruch genommen, werde dies aber zeitnah nutzen. Leider ist es schon normal, dass ein solches Verfahren in Deutschland nicht von heute auf morgen läuft, da stehen sich die Behörden mit ihrers Gesetzeswut meist selbst im Weg, und da man es besonders kompliziert machen muss, dauert es auch viel länger, bis das alles funktioniert. Was z.b. sinnbefreit ist, ist das Wechselkennzeichen, hier sollte man mal dringend nachbessern und dem ehem. Bundesfinanzminister Schäuble seine Unzulänglichkeit/ Geldgeilheit geradebügeln.