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Keine Nachfrage: Was tun mit all den Bauplätzen?

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108 Bauplätze stehen perspektivisch in Schöntal zum Verkauft. Aber die Nachfrage ist bei „0,0“. Warum die Gemeinde trotzdem die geplanten Baugebiete fertig entwickeln will.

In Oberkessach steht ein Baugebiet mit 44 Grundstücken bereit. Wann ziehen hier die ersten Menschen hin?
In Oberkessach steht ein Baugebiet mit 44 Grundstücken bereit. Wann ziehen hier die ersten Menschen hin?  Foto: Archiv/Ludwig

Neun Bauplätze, fertig erschlossen in vier Wohngebieten. Das gibt es in Schöntal. Sie warten darauf, dass jemand etwas auf ihnen bauen will. Allein: „Wir verkaufen null Bauplätze“, sagt Bürgermeister Joachim Scholz in der vergangenen Gemeinderatssitzung.

Doch nicht nur das. Weitere 76 Bauplätze in drei Ortschaften sind in Bebauungsplänen vorgesehen, die bereits Satzungsreife haben. Ein Aschhäuser Wohngebiet mit sieben Grundstücke soll in diesem Jahr noch beschlossen werden. Und ein Baugebiet mit 16 Plätzen in Winzenhofen wird derzeit noch geplant.

Grundstückskosten höher als bei direkten Nachbarn

Preislich liegen die bereits erschlossenen Bauplätze zwischen 100 und 145 Euro pro Quadratmeter – das ist nach Recherchen der Gemeinde Schöntal gehobeneres Mittelfeld im Vergleich mit umliegenden Kommunen, allerdings teuer im Vergleich mit den Nachbargemeinden im Jagsttal. Die neuen Baugebiete würden nach Gemeinde-Rechnung bei 108 bis 240 Euro pro Quadratmeter liegen.

Erwartungen sind nicht eingetroffen – im Gegenteil

Woran liegt dieser offenbar unerwartete Nachfrageschwund – etwa an Schöntal selbst? Diesen Eindruck will Scholz weitgehend vermeiden. Er führt anfänglich aus Sicht unterschiedlicher Akteure in das Thema ein. Die Quintessenz: Es liegt an der Wirtschaft, gestiegenen Bau-Preisen, teuren Krediten, an langsamen Genehmigungsverfahren – und vielleicht eben doch ein bisschen auch an Schöntal. Denn als er die Sicht von Investoren einnimmt, erklärt er: „Die Bauträger gehen auch raus in den ländlichen Raum, wenn es ein attraktives Umfeld gibt“, sprich Einkaufsmöglichkeiten, Kinderbetreuung, auch weiterführende Schulen, Ärzte und ein guter ÖPNV. Und an manchem davon mangelt es der Gemeinde mit der größten Fläche im Hohenlohekreis.

Die Schöntaler Gemeinderäte hatten im Jahr 2023 den Beschluss gefasst, alle Bauplätze zu erschließen und innerhalb von fünf Jahren zu verkaufen, berichtet Hauptamtsleiter Kim Bareiß in seiner Präsentation. Jetzt stehen knapp drei Jahre später perspektivisch 108 Bauplätze zum Verkauf – bei derzeit „0,0 Nachfrage“, wie Scholz später in der Sitzung noch einmal betont. Die Erschließung sei ein hoher Aufwand und damit teuer. Also wie weitermachen? 

Oberkessacher Baugebiet soll in besseren Zeiten als erstes erschlossen werden

Vor allem will die Gemeinde vom Plan abrücken, alle Bauplätze bald zu erschließen. Das ist dann der Beschluss, den die Räte fällen. Und die Quadratmeterpreise? Am liebsten wäre der Verwaltung und einigen Räten, wenn alle gleich viel kosten würden. Das gehe allerdings nur, wenn alle Plätze innerhalb kurzer Zeit erschlossen werden. Bis zum erhofften Nachfrage-Anstieg ist das nicht vorherzusehen. Die Räte wollen deswegen über die Preisgestaltung erst entscheiden, wenn es soweit ist.

Scholz findet: Die etwa 100 Bauplätze zeugen dafür, dass die Gemeinde Schöntal „strategisch gut aufgestellt“ sei. Die bereits erschlossenen Plätze sollen verkauft und die übrigen Pläne zur Satzungsreife geführt werden. Wenn sich die Zeiten ändern, solle als erstes das Baugebiet Hofäcker II in Oberkessach erschlossen werden, so der Plan des Rathauses. Mit 44 hat es die meisten Bauplätze und liegt nahe der Autobahn. „Eine Erschließung wäre binnen eines Jahres möglich“, verspricht die Verwaltung.

Innenverdichtung

Einigen Räten geht es um Flächen und leerstehende Gebäude in den Ortsmitten. Westernhausens Ortsvorsteher Joachim Specht sieht zum Beispiel Potenzial bei den Kleingärten im Ort – hier müsse eine schnelle Erschließung möglich sein. Den Punkt sieht Bürgermeister Joachim Scholz ein, kommentiert aber nur: Die „Erschließungskosten bleiben an den Anliegern hängen“. Außerdem geht es darum, dass immer mehr Häuser in den Ortschaften leer stehen werden. Einerseits seien auch diese entweder teuer, sagt Scholz. Andererseits „fallen die für die Käufer weg“, wie der Weltersberger Rat Wolfgang Kilb sagt. „In Bieringen gibt es Straßenzüge mit Häusern, die in den 80ern gebaut wurden“. Scholz stimmt zu und umschreibt diese Zustände als „einiges an Entwicklungsperspektiven“. Zumindest ein Fall werde kurzfristig angegangen.

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