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Hotel-Sanierung
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Abreißen statt Einchecken: Hotel-Restaurant Anne-Sophie in Künzelsau wird seit 5. Januar saniert

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Wie man im Künzelsauer Hotel-Restaurant Anne-Sophie eine Kernsanierung bei laufendem Betrieb managt. Ein Besuch auf der Baustelle.

Hoteldirektor Christian Helferich vor dem denkmalgeschützten Hotel-Gebäude am Schlossplatz.
Hoteldirektor Christian Helferich vor dem denkmalgeschützten Hotel-Gebäude am Schlossplatz.  Foto: Tamara Ludwig

Wo sonst Restaurantbesucher und Hotelgäste schlemmen und schwätzen, steht eine einsame, rote Schubkarre. Sie wirkt verloren, vergessen in dem riesigen Raum, der normalerweise geschäftig und voller Leben ist. Sorgt die große Fensterfront eigentlich für ein besonders freundliches Ambiente, leuchtet sie nun den von Baustaub bedeckten Boden aus. Stromkabel kommen aus den Wänden, die zuvor von Kunst geziert waren. Für Hoteldirektor Christian Helferich ein schmerzlicher Anblick, „sein Anne-Sophie“ so zu sehen. Doch er weiß: Wenn alles fertig ist, wird es wieder wie vorher, nur besser. 

Denkmalgeschütztes Hotel-Gebäude in Künzelsau wird seit 5. Januar saniert

Seit dem 5. Januar herrscht im Künzelsauer Hotel-Restaurant Anne-Sophie Ausnahmezustand, das Gebäude am Schlossplatz wird umfassend saniert und modernisiert. Ungefähr zwei Jahre lang habe man die Maßnahme geplant, verrät Helferich. Bereits im Spätherbst des vergangenen Jahres habe man mit ersten „Arbeiten im Untergrund“ begonnen. „Insgesamt hatten wir zwischenzeitlich 40 Löcher in den Wänden“, die unter anderem zur Überprüfung der Bausubstanz und wegen des Verlaufs von Leitungen nötig gewesen seien. „Die waren teilweise auch hinter den Kunstwerken versteckt“, sagt Christian Helferich und lacht.

Wo sonst Leben herrscht, steht nur eine einsame, rote Schubkarre: Derzeit ist der Gastraum des Hotel-Restaurants Anne-Sophie von Baustaub gezeichnet.
Wo sonst Leben herrscht, steht nur eine einsame, rote Schubkarre: Derzeit ist der Gastraum des Hotel-Restaurants Anne-Sophie von Baustaub gezeichnet.  Foto: Tamara Ludwig

Den Normalbetrieb fortzusetzen, während an einer Stelle sozusagen am offenen Herzen operiert wird, das ist eine Herausforderung, wie Hotelchef Helferich bestätigt. Das Hotel, das der Würth-Gruppe gehört, besteht aus fünf Gebäude mit 54 Zimmern, zwei Restaurants, einem Café, einer Bar, sechs Tagungsräumen, einer Vinothek, einer Konditorei und dem Geschäft „Lindele“. Der Restaurantbetrieb des Anne-Sophie läuft derzeit in den Räumen des Gourmet-Restaurants Handicap im Würzburger Bau weiter – mit einer kombinierten Speisekarte. Und mit dem Personal beider Küchen. Wenngleich das Verschmelzen der Teams sehr harmonisch verlaufen sei, habe es organisatorisch einiges abverlangt.

Die Sanierung trotz laufendem Hotel-Betrieb ist eine Herausforderung

Das reiche von Kleinigkeiten bis zu größeren Brocken. So sind in Räumen des Handicap nun 50 statt 25 Tische zu bedienen, das Kassensystem musste angepasst werden. Die größere Zahl an Restaurantgästen führt zudem dazu, dass der Platz zum Anrichten der Teller in der Küche zu gering war. Da mussten kleinere Teller her. „Auch die Kapazitäten zum Kühlen der Getränke reichen seit dem Umbau nicht mehr aus, da mussten wir zusätzliche Fläche anmieten.“ Für das Personal bedeutet das alles, sich an neue Abläufe zu gewöhnen.

Rückblick

Das Fachwerkhaus am Schlossplatz, ein Renaissance-Gebäude mit verschiedensten Besitzern über die Jahrhunderte, diente von 1920 bis 1996 als Polizeiwache. Im Jahr 2000 begann Würth, das denkmalgeschützte Gebäude umfassend zu sanieren, um 2003 das Hotel-Restaurant mit anfangs 16 Zimmern in Betrieb zu nehmen. 2013 wurde das Gebäude um einen Anbau erweitert. Nun läuft die erste größere Modernisierung. „Gleichzeitig“, so heißt es aus der Pressestelle von Würth, „bietet der Umbau die Gelegenheit, interne Abläufe zu optimieren. Mit dem Umbau sollen dann alle Zimmer am Schlossplatz auf das 4-Sterne-Niveau angehoben werden.

Die Maschinen in der Spülküche unterscheiden sich in der Bedienung, die Gerichte, die Weinkarte, die Wege sind anders, die Küche ist nur über eine Treppe erreichbar. „Die Treppe läuft man ein paar Mal, da ist das in Ordnung, aber irgendwann wird es anstrengend“, so Christian Helferich. Das Café Auszeit ist in der Übergangszeit auch Bar – und so täglich bis 23 Uhr geöffnet. „Da mussten wir uns beispielsweise überlegen, wie wir die Eiswürfelmaschine ersetzen, die es dort bisher noch nicht gab.“

Derzeit laufen die Abrissarbeiten im Hotelgebäude

Insgesamt aber laufe alles sehr gut und nach Plan. Während man aktuell noch mit dem Rückbau in dem denkmalgeschützen Gebäude beschäftigt sei, gehe es im zweiten Schritt an die Arbeiten am neuen Grundriss. Zwei Zimmer mehr bekomme man durch eine andere Raumaufteilung. Danach gehe es an die Modernisierung der Technik und schließlich an den Innenausbau und die Möblierung. Im Juni dieses Jahres soll das Restaurant bereits wiedereröffnen, ab Herbst stehen dann auch die frisch renovierten Hotelzimmer zur Verfügung.

Eine Staubwolke weist den Weg: Der Eingang zur Hermann-Lenz-Bar verheißt, dass auch hier die Baumaschinen bereits fleißig zugange sind.
Eine Staubwolke weist den Weg: Der Eingang zur Hermann-Lenz-Bar verheißt, dass auch hier die Baumaschinen bereits fleißig zugange sind.  Foto: Tamara Ludwig

Auf die Mitarbeiter ist Christian Helferich sehr stolz: „Wie die das Ganze meistern, ist großartig.“ Insgesamt rund 120 Beschäftigte hat der Hotel- und Restaurantbetrieb, 27 davon mit Behinderung. Das gehört zu dem besonderen Konzept des Hauses, das Carmen Würth hier 2003 ins Leben gerufen hat. Seit Jahrzehnten setzt sie sich für ein barrierefreies Zusammenleben von Menschen mit und ohne Behinderung ein, ist eine Kämpferin für gelebte Teilhabe. Das Hotel-Restaurant Anne-Sophie spiegelt dieses Engagement wider. Und bald erstrahlt ihr Herzensprojekt in neuem Glanz.

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