Vergärungsanlage für Bio-Abfälle bei Öhringen: Was die Firma Reterra plant
Aus Hauke-Erden wurde Reterra. Und aus der Grüngut-Kompostierung soll eine Vergärungsanlage für Bio-Abfälle werden. Die Pläne dazu stellte Geschäftsführer Jan Endriß dem Gemeinderat Öhringen vor.
Gestank und geschreddertes Plastik auf den Äckern bei Schwöllbronn – das haben die Menschen in Erinnerung, wenn sie den Firmennamen Hauke-Erden hören. Aus Hauke-Erden wurde 2018 Reterra. Der Betrieb gehört zur Remondis-Gruppe.
Und statt Bio-Abfällen wird dort nun Grüngut kompostiert. Die Geruchsbelästigung geht seither stetig nach unten, die Beanstandungen seitens der Bevölkerung und der Behörden ebenfalls.
Umbaupläne bei Reterra in Schwöllbronn: Vom Problemstandort zur modernen Vergärungsanlage
Nun soll der Standort von der Grüngut-Kompostierung umgebaut und zur Vergärungsanlage für Bioabfälle werden. Das Genehmigungsverfahren läuft. Der Antrag werde aktuell vom Regierungspräsidium geprüft.

Vergärungsanlage ermöglicht weniger Belästigung
Geschäftsführer Jan Endriß stellt die geplante Anlage dem Öhringer Gemeinderat vor. Dabei wird deutlich: Die Stadträte begrüßen den Umbau zur Vergärungsanlage, sind aber aufgrund der Vorgeschichte mit dem Vorgängerbetriebe sensibilisiert und fragen mehrfach nach, was in Sachen Geruchsbelästigung, Lärm, Verkehr und belasteter Abwässer zu erwarten ist. Jan Endriß versichert: Die Immissionen werden weiter nach unten gehen. Die gesamte Anlage wird eingehaust. Der Verkehr werde kaum zunehmen, da die „Mehr-Tonnage“ kompakter geladen werden könne als das Grüngut seither.
Endriß versichert zudem auf Nachfrage der Ortschaftsräte von Baumerlenbach und Schwöllbronn, Thomas Franke und Katharina Heinrich, die Planungen in den Ortschaftsräten auch für die Bürger vorzustellen. Die Pläne seien zudem öffentlich einsehbar. Und es gebe jederzeit die Möglichkeit, eine Führung über das Betriebsgelände zu machen.
Vergärungsanlage statt Kompostierung
Endriß erklärt den Räten: Generell gebe es zwei Möglichkeiten, Bioabfall zu verwerten – die Kompostierung und die Vergärung. „Mit dem Unterschied: bei der Kompostierung sind wir Energieverbraucher, bei der Vergärung Energieerzeuger.“ Die 15,26 Tonnen Bioabfall deutschlandweit hätten das Potential für 10 Milliarden Kilowattstunden Energie. In Hohenlohe werden Bioabfälle vor allem kompostiert.
Das Biogas, das in der Vergärungsanlage entsteht, wird zu Biomethan aufbereitet und ist dann ein erdgasgleiches Produkt, das in die Erdgasleistung eingespeist werden kann und speicherbar ist. Neben der Energie entstehen Nährstoffe: gülleähnliche Flüssigkeit und mineralischer Dünger. Die Anlage in Singen, die ebenfalls zu Reterra gehöre, habe mit 600 Tonnen Mineraldünger den regionalen Landwirten zu Beginn des Ukraine-Krieges Dünger zu konstanten Preisen geliefert.
Vergärungsanlage mit moderner Technik
Mit Luftbildern zeigt Endriß, wie die Anlage bei Öhringen seit 2024 umgebaut wurde. Genehmigt ist eine Menge von 90.000 Tonnen. Verarbeitet werden sollen künftig 83.000 Tonnen. Aktuell sind es rund 50.000 Tonnen pro Jahr. Künftig werde die Menge konstant über das Jahr verteilt angeliefert. Derzeit kommt Grüngut vor allem im Herbst geballt auf das Gelände. Die Dichte der Bio-Abfälle sei größer. Deshalb sei nicht zwingend mit mehr Fahrten zu rechnen, versichert Endriß Ortschaftsrat Thomas Franke. Jonas Aberle (SPD) bittet darum, die Berechnungen wie auch die Antworten auf die Fragen im Nachgang der Sitzung zugänglich zu machen. Otto Weidmann (FWV) erinnert: „Wir haben viel Negatives erlebt.“ Deshalb müsse der Schutz vor Geruchsbelästigung gewährleistet sein. An die Vorgeschichte erinnert auch Katharina Heinrich (Grüne/UNS). Und dass neben dem Geruch auch das Oberflächenmanagement den Schwöllbronnern ein Anliegen sei.
Anwohner der geplanten Vergärungsanlage wachsam
Markus Hassler (LBÖ) fragt nach dem Fremdstoffanteil: Der dürfe nur noch drei Prozent betragen. Man habe bei höherer Verschmutzung ein Rückweiserecht. Das angelieferte Material werde grob zerkleinert und dann gesiebt. Eine später nicht mehr notwendige Halle, so Endriß, wird zudem als Restabfallumschlagstelle für den Hohenlohekreis genutzt.
Anton Baron (AfD) erkennt im geplanten Verfahren viele Verbesserungen. Die neue Anlage sei aber nicht billig. Was, wenn Reterra bei der europaweiten Ausschreibung nicht den Zuschlag erhalte? Endriß: „Wir würden eine solche Anlage nicht planen, wenn wir nicht damit rechnen würden, die Ausschreibung gewinnen zu können.“ Und: „Wir sehen es als Technik der Zukunft.“ OB Patrick Wegener gibt allen Beteiligten mit auf den Weg: „Nehmen Sie den Austausch gerne an. Wenn man sich in der Nachbarschaft grün ist, geht alles besser.“
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