Gault Millau 2025 erschienen: Le Cerf liegt vorn – Küchenchef Boris Rommel will mehr
In der 2025er-Ausgabe des Restaurantführers Gault Millau liegt Le Cerf im Wald und Schlosshotel Friedrichsruhe an der Spitze der Heilbronner und Hohenloher Lokale. Küchenchef Boris Rommel hat noch mehr vor.
"Da geht noch was!" Boris Rommel führt mit dem Gourmetrestaurant Le Cerf (Hirsch) im Wald und Schlosshotel Friedrichsruhe in den aktuellen Gourmetguides das Ranking der regionalen Restaurants klar an. So ganz zufrieden ist er weder mit seinen drei roten Hauben im druckfrischen Gault Millau 2025, noch mit den acht Pfannen im Gusto oder den zwei Sternen im Michelin 2024, die stabil auf Vorjahresniveau bleiben.
Wo die Reise hingehen soll, hat Rolf E. Brönnimann, seit Juni neuer Hotelchef in Friedrichsruhe, schon bald nach Dienstantritt klar formuliert: Rommel soll den dritten Stern nach Friedrichsruhe holen. Pläne, wie das erreicht werden soll, sind bereits in der Mache. "Der Gedanke ist auch bei mir da und ich hab' richtig Lust drauf", freut sich Boris Rommel, weiß aber auch, dass das "nicht so einfach zu haben ist".
Restaurants im Gault Millau 2025 bewertet – drei rote Hauben für Le Cerf im Wald- und Schlosshotel Friedrichsruhe
Nach Gusto 2025 und Michelin 2024, die im September beziehungsweise März 2024 erschienen sind, liegen nun mit dem am 20. Januar zuerst online veröffentlichten Gault Millau 2025 die Wertungen der bundesweit wichtigsten Gourmet-Guides vor. Der zunächst für November angekündigte Gault Millau war wegen eines Rechtsstreits zwischen dem deutschen Lizenznehmer Henris Edition und dem Lizenzgeber 2024 nicht erschienen.

"Es ist ein kulinarisches Juwel inmitten der Hohenloher Natur", heißt es darin über Le Cerf im Wald- und Schlosshotel Friedrichsruhe.
Wenig professionelle Restaurantkritik im Gault Millau 2025 – Lokale Hohenlohe ausgezeichnet
Vor Jahren noch gefürchtet wegen seiner kritischen, oft bissigen Kommentare, kommen die zwischen Januar und April 2024 datierten, damit wenig aktuellen Wertungen im 25er-Gault Millau eher wohlmeinend, weichgespült, zuweilen oberflächlich, trivial und floskelhaft daher. Da ist etwa von "gekonnten Kombinationen", "blitzsauberer Kochkunst" oder "Geschmacksknospen" die Rede, "die bei jedem Bissen in ungeahnte Richtungen entführt werden". Professionelle Restaurantkritik? Eher weniger.
Der Guide bewertet 183 Restaurants in Baden-Württemberg, darunter zehn aus der Region. Freuen können sich der Landgasthof Adler in Rosenberg ("bestes Handwerk, Süffigkeit, aber auch gekonnte Feinabstimmung"), der von zwei roten auf drei schwarze Hauben aufsteigt, aber auch Rebers Pflug in Schwäbisch Hall, der an seine zwei roten Hauben aus der vorletzten Ausgabe anknüpfen und mit der Haller Eisenbahn ("Gerichte so präzise wie ein gut geöltes Uhrwerk") gleichziehen kann. Warum Adler und Pflug aufgewertet werden, geht aus den Texten nicht hervor.
Boris Rommel liegt mit Le Cerf an der Spitze der regionalen Restaurants im Gault Millau 2025
Mit drei roten Hauben markieren Boris Rommel ("großartige Leistung") und sein Hirsch ("kulinarisches Juwel") die regionale Spitze, gefolgt auf Rang zwei (drei Hauben) von Jagstmühle ("Feinheiten im Detail und im Geschmack") und Adler (beide noch ohne Stern), auf Rang drei von Eisenbahn und Rebers Pflug (beide mit Stern). Nicht mehr bewertet wurden die bisher mit einer Haube dekorierten Restaurants Bachmaier (Heilbronn) und Rebgut Lauda.

Kein einfaches Jahr liegt hinter Steffen Mezger von der Jagstmühle. Ein Mix aus Personalproblemen, Baumaßnahmen und Differenzen über das kulinarische Profil führten dazu, dass er zwischen Ostern und Weihnachten keinerlei Gourmetmenüs auf der Karte hatte. Seit Januar bietet er wieder ein Menü an. "Mehr lassen die Bedingungen nicht zu und aktuell brauchen wir über einen Stern gar nicht erst nachdenken", so der Ex-Zwei-Sterne-Koch.
Restaurantführer wie Gault Millau blicken auf Lokale in Heilbronn und Hohenlohe
Unterm Strich halten sich in den Guides je zwei Auf-, Ab- und Aussteiger aus der Region Heilbronn-Hohenlohe die Waage. Neue Restaurants werden nicht gelistet. Insgesamt haben die Tester in der Region zwölf Restaurants bewertet − zwei weniger als im Vorjahr − und dabei fünf Sterne entflammt sowie 21 Hauben, 77 Pfannen und drei Bibs Gourmands locker gemacht.
Der Osten der Region wird mit allen fünf Sternen, allen drei Bibs, 65 von 77 Pfannen und 20 von 21 Hauben einmal mehr seinem Ruf als Genießerregion gerecht. Im Westen halten nach Meinung der Guides lediglich die Heilbronner Restaurants Rebstock La petite Provence und Bachmaier die Fine-Dining-Fahnen hoch, wobei Ottobert Bachmaier seine Haube im Gault Millau verloren hat.
"Zufrieden" mit seinen Wertungen zeigt sich Dominique Champroux vom Rebstock la petite Provence, aber auch "stolz, dass die Guides damit unsere Leistung als Betrieb mit mir in der Küche und meiner Frau im Service anerkennen". Was er als Küchen-Einzelkämpfer an aufwendig-kleinteiligen Kreationen auf die Teller bringt, ist auch nach Meinung der Tester mehr als beachtlich. "Um mehr zu erreichen bräuchten wir weiteres Personal", sagt er. Doch das sei wirtschaftlich nicht drin.
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