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Verkaufsoffener Sonntag
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Verkaufsoffener Sonntag bei Öhringer Woche als Anschubhilfe fürs Oster-Geschäft

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Ein verkaufsoffener Sonntag lockt zum Höhepunkt der Öhringer Woche viele Menschen in die Stadt.

Als am Nachmittag endgültig die Sonne herauskommt, strömen Massen über Marktplatz und durch Markt- und Poststraße.
Als am Nachmittag endgültig die Sonne herauskommt, strömen Massen über Marktplatz und durch Markt- und Poststraße.  Foto: Büchele, Torsten

Die Sonne strahlt und kleine Wölkchen sorgen dafür, dass es nicht zu heiß wird: Bestes Einkaufswetter zieht die Menschen zum verkaufsoffenen Sonntag in die Innenstadt und in die Gewerbegebiete Austraße und Steinsfeldle. Er ist der Höhepunkt der Öhringer Woche – und die fällt dieses Jahr zufällig mitten ins Ostergeschäft. Aber vielleicht ist das ganz gut, denn so manchen Händler dürfte der gute Umsatz trotz aller gesamtwirtschaftlichen Sorgen, den der Tag laut Stadtmarketing-Chefin Anna-Maria Dietz den Ladenbesitzern bringt, für ein bislang verhaltenes Ostergeschäft entschädigen.

„Es sind viele Leute da“, fasst auch Karlheinz Bauer zusammen. Doch vor diesem Tag war das Ostergeschäft des Spielwarenhändlers in der Marktstraße „zu wenig“. Dass es Ostern werde, merke der Kunde erst, wenn es warm wird – und bis vor drei Tagen war es noch eher kühl.

Über 100 selten gewordene Gemüsesorten zieht Sandra Erlacher.
Über 100 selten gewordene Gemüsesorten zieht Sandra Erlacher.  Foto: Büchele, Torsten

Ein gutes Beispiel ist Kunde Florian Tröster, der eine Tüte vom Modehaus Frank trägt: „Wir haben Klamotten gekauft. Gestern, als es warm wurde, war plötzlich der Kleiderschrank leer.“ Nun stöbert er bei Bauer durch die Regale. Tochter Marlene (9) liest „ganz viel“ und hat ein Buch gefunden, das „in der Schule gerade alle lesen“, das will sie haben. Für das kleinste Kind der Familie hat der Papa noch eine Babyrassel und ein Bilderbuch gekauft. Mehr Ostergeschenke wird es nicht geben: „Ich schenke lieber Zeit mit der Familie.“

Bei Öhringer Woche: Pflanzenmarkt-Händlerin verrät Garten-Trend in diesem Sommer

Ob gegen die Sorgen des Handels ein Kraut gewachsen ist? Nein, aber bei Nicole Wolf vom Blumenhäuschen aus Güglingen gibt es Dutzende Heil- und Gartenkräuter. Eines verspreche Unsterblichkeit, auch wenn es bitter schmecke. Ihr Stand ist Teil des Pflanzenmarkts auf dem Marktplatz, der bereits seit Freitag im Rahmen der „Öhringer Woche“ dort Wurzeln schlägt und ebenfalls gut besucht ist. Kräuter seien dieses Jahr ein großer Trend im Garten, verrät Wolf. Die Blumenhändlerin hat sogar welche, die nach Grapefruit oder Schoki schmecken, für Cocktails etwa. Und exotische Dinge wie japanische Himbeeren: „Der Granatapfel ist aber schon weg.“

Womit punktet Öhringen bei Gästen? Das ist wichtig für die Stadtplanung.
Womit punktet Öhringen bei Gästen? Das ist wichtig für die Stadtplanung.  Foto: Büchele, Torsten

Zwischen Stauden der BAG und Gestecken der Gärtnerei Huber aus Pfedelbach finden sich auch kleine Kostbarkeiten: Seltene Tomaten-, Paprika- und Peperoni-Sorten als zarte Pflänzchen, aus denen man garantiert fruchtbare Samen zum Weiterverbreiten gewinnen kann. 148 verschiedene Sorten zieht Sandra Erlacher von „Garten-Raritäten“ aus Ludwigsburg, von grün gescheckten bis zu hell-orangen Tomaten – aus Ukraine, Russland, Amerika. „Das trägt zum Sortenerhalt bei“, schildert Erlacher. Durch „Einheits-Gemüse“ im Handel sei ein Großteil alter Sorten verloren gegangen.

Dieses Angebot schätzen Ute und Hermann Simpfendörfer. 100 Tomatensorten haben sie in zwei Gewächshäusern und im Garten zwischen Blumen, von jeder eine Pflanze. „Alle haben unterschiedliche Geschmäcker“, schildert sie. Nun hält die 101. Einzug: eine Cocktailtomate, länglich. Ute Simpfendörfer macht klar, dass nun die Kapazität erschöpft sei, gibt aber zu: „Rausreißen fällt schwerer als einsetzen.“

Mehr Sitzbänke, weniger Döner: Was sich die Menschen für die Öhringer Innenstadt wünschen

Wenige Meter liegen zwischen privater Gartenplanung und großer Stadtplanung: An einem Stand können Bürger aufschreiben, was ihnen an der Öhringer Innenstadt gefällt und was sie im Stadtbild ändern würden. Ein Luftbild der Stadt liegt als Teppich aus, auf diesem kann man Würfel platzieren, um zu zeigen, an welchen Dingen es wo fehlt. Gerhard und Martina Wagner aus Affaltrach kommen gerne mit ihren Enkeln in den Hofgarten, haben in Öhringen auch ihre Ärzte: „Aber eine gescheite Gaststätte wie früher fehlt.“

Frank Stransky gießt dem kleinen Steffen (6) ein Huhn aus Zinn.
Frank Stransky gießt dem kleinen Steffen (6) ein Huhn aus Zinn.  Foto: Büchele, Torsten

Weitere Wünsche anderer Leute lauten: mehr Bänke im Hofgarten, mehr Grün außerhalb des Parks, mehr Stadtbusfahrten, autofreier Marktplatz, mehr Außengastro, ein sonntags geöffnetes Schlosscafé, ein Umsonst-Laden, aber weniger Döner- und Barbershops. Dass Parken an der Alten Turnhalle künftig kostet, gefällt vielen nicht. Peter Weiß kniet auf dem Teppich vor der Büttelbronner Straße: Was man dort für die Naherholung alles bauen könne in der ruhigen Sackgasse. Stattdessen stehe dort eine große Ruine. „Das ganze Areal ist ein Sanierungsfall“, findet er.

Wer weiter auf der Suche nach Ostergeschenken ist, wird an Ständen von Kunsthandwerkern in der Marktstraße oder im Weygang-Museum fündig: Dort findet ein Oster-Zinngießen statt – unter neugierigen Blicken zahlreicher Eltern und Kinder und der neuen Museumsleiterin Eva Seydel, die seit wenigen Tagen im Amt ist. Zinngießer Frank Stransky schmilzt Altmetall und gießt es in Formen zu Figuren von Hasen, Lämmern oder Hühnern. Steffen (6) und Susanne (4) machen große Augen, als aus der Form ein ganz kleines Küken schlüpft, kaum größer als ein Daumennagel.

Am Montag, 14. April, geht die Öhringer Woche zu Ende. Schwerpunkt heute sind thematische Stadtführungen, auch für Kinder und Menschen mit Handicap. Erstmals gibt es die Kostümführung „Öhringen historisch“ zu erleben. Am Abend öffnen einige Geschäfte ihre Türen für Einblicke nach Ladenschluss: bei der „City Dinner Tour“ blicken Interessierte hinter die Kulissen. Eintritt frei für alle Führungen, Anmeldungen auf www.oehringen-lieblingsstadt.de.

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