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Öhringen plant Tempo 30: Welche Straßen betroffen sein könnten

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Lärm macht krank. Um das zu vermeiden, untersucht die Stadt Öhringen, wo Anwohner stark belastet sind. Tempo 30 soll an stark frequentierten Straßen Abhilfe schaffen. 


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Es soll kein Flickenteppich werden. Darin sind sich die Öhringer Gemeinderäte mit Blick auf kommende Tempo 30-Zonen bei drei Gegenstimmen und einer Enthaltung einig. Was sie zudem nicht wollen: einen unübersichtlichen Schilderwald mit sich oft ändernden Höchstgeschwindigkeiten. Das wurde deutlich, als das Büro BS-Ingenieure den Lärmaktionsplan und die daraus resultierenden Maßnahmen für Öhringen und die Teilorte vorstellte. Das Planwerk liegt nun öffentlich aus. Im Herbst sollen nach Abwägung der eingegangenen Anregungen die einzelnen Punkte beschlossen werden.

Oberbürgermeister Thilo Michler erklärt: „Wir sind ganz am Anfang.“ Frank Schäfer vom beauftragten Ingenieurbüro BS (Ludwigsburg) konkretisiert: „Wir sind in der vierten Stufe, bei der Straßen mit über 8200 Fahrzeugen in 24 Stunden betrachtet werden.“ Stufe eins zu Beginn des Verfahrens waren Straßen mit einer Belastung von über 16.400 Fahrzeugen.

Kommende Tempo-30-Zonen in Öhringen: teils nur nachts

 Auf Basis der Lärmkarten und der errechneten Betroffenheit der Anwohner werden Minderungsmaßnahmen vorgeschlagen, führen die Ingenieure aus. Gemessen werde nicht, es werde gerechnet, wird auf Nachfrage bestätigt. Zäune oder Hecken werden damit nicht mindernd wahrgenommen, gegenüberliegende Wände aber auch nicht verstärkend. Es gelten unterschiedliche Richtwerte für Zeiten am Tag und in der Nacht.

Tempo 30 wurde in der Vergangenheit schon realisiert in der Ortsdurchfahrt Unterohrn, in der Hindenburgstraße und dem Nussbaumweg. Nun wird Tempo 30 auch für die Ortsdurchfahrt von Cappel vorgeschlagen.

Schon jetzt gilt Tempo 30 in der Ortsdurchfahrt von Cappel. Das soll auch nach dem Ausbau bleiben. Dann aber, um den Verkehrslärm zu reduzieren.
Schon jetzt gilt Tempo 30 in der Ortsdurchfahrt von Cappel. Das soll auch nach dem Ausbau bleiben. Dann aber, um den Verkehrslärm zu reduzieren.  Foto: Tscherwitschke, Yvonne

Tempo 30 in Öhringen: Welche Straßen betroffen sein könnten

Logischerweise ist auch die Hauptverbindung durch Öhringen stark belastet, es wird daher Tempo 30 für das Zentrum, Hunnenstraße, Herrenwiesenstraße, aber auch Pfaffenmühlweg, die Friedrichsruher Straße, die Pfedelbacher Straße und die Platanenallee vorgeschlagen.

Nachts könnte es Einschränkungen geben in Büttelbronn, Eckartsweiler und Möglingen. Die Autobahn ist in Weinsbach, Untermaßholderbach und Möhrig hauptursächlich für den Lärm, mit ein Grund dafür ist der hohe Lastwagenanteil.

Vom Ingenieurbüro wird empfohlen, die Temporeduzierungen zu überwachen, möglichst mit flexiblen Systemen, da starre Blitzanlagen schnell ihre Wirksamkeit verlieren. Nach dem Entwurfsbeschluss durch den Gemeinderat haben Träger öffentlicher Belange und die Einwohner drei Monate Gelegenheit, ihre Stellungnahmen zu formulieren. Der Gemeinderat beschließt dann Maßnahmen, die dann bei der Straßenverkehrsbehörde beantragt werden müssen. Innerorts liegt die Entscheidung bei der Stadt selbst.

Tempo 30-Zonen statt einzelner Straßenzüge

Stefan Buchholz versichert seitens der CDU „grundsätzliche Unterstützung“. Achim Hiller (LBÖ) will wissen: „Machen die kleinen Inseln Sinn? Sollte man nicht auch für alle kleinen Straßen in der Stadt Tempo 30 machen?“ „Ein Flickenteppich ist nicht das Ziel“, versichert Frank Schäfer. Markus Hassler (LBÖ) findet auch, dass man „da sehr gut mitgehen kann“. Er könnte sich eine stationäre Blitzanlage für Cappel gut vorstellen. Zu viele unterschiedliche Geschwindigkeiten – drei allein zwischen Öhringen und Cappel – findet Hassler schwierig. Er hätte sich zudem gut vorstellen können, die Aufenthaltsqualität in der Cappelaue zu berücksichtigen.

Doch die Lärmwirkung auf die Fußgänger werde nicht ermittelt, erklären die Ingenieure. Die, so lautet die Argumentation, können dem Lärm ausweichen, Anwohner nicht. Jens Moll (AfD) nimmt den Esel im Tiergehege lauter wahr als die Autos. Der Esel sei schon lange verstorben, beruhigt OB Michler. Patrick Wegener (SPD) erinnert sich, bei der letzten Vorstellung des Lärmaktionsplans die gleiche Diskussion geführt zu haben. Er wirbt für aktive Öffentlichkeitsarbeit.

Tempo 30 gleicht Geschwindigkeiten an

Otto Weidmann (FWV) bedauert, dass man einmal mehr höre, dass die Autobahn vor allem den Lärm verursache. „Aber da passiert nichts.“ „Warum adressieren wir das nicht an den Bund und fordern, dass hier etwas gemacht werden muss?“ Punktuell könne man Anträge beim Straßenverkehrsträger stellen, versichert Schäfer. Weidmann sagt: „Vielleicht können wir damit den Ausbau beschleunigen?“

Einen anderen Ausbau regt Katharina Krehl (UNS/Grüne) an: Sie würde das Ortsschild auf der Friedrichsruher Straße so versetzen, dass es der aktuellen Bebauung entspreche. Und den Kritikern von Tempo 30 nimmt Dieter Volkert (UNS/Grüne) den Wind aus den Segeln: „Der Hauptvorteil von Tempo 30 ist, dass es die Geschwindigkeit aller Verkehrsteilnehmer angleicht. Die Radfahrer bremsen den Verkehr nicht mehr so sehr ab und die Straßen haben eine höhere Kapazität.“

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