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Öhringen sieht sich bei Großprojekten auf Kurs

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"Schaffen statt schwätzen" könnte das Motto beim Neujahrsempfang in Öhringen gewesen sein. OB Thilo Michler stellt in nur einer halben Stunde sämtliche Projekte vor - und das sind einige.

Glas halten, Kurs halten, Vortrag halten: Thilo Michler meistert seine Aufgaben tadellos. In zügigem Tempo stellt der Oberbürgermeister die Zukunftsprojekte der Stadt vor, von denen man viele bereits aus dem Vorjahr kennt.
Fotos: Büchele
Glas halten, Kurs halten, Vortrag halten: Thilo Michler meistert seine Aufgaben tadellos. In zügigem Tempo stellt der Oberbürgermeister die Zukunftsprojekte der Stadt vor, von denen man viele bereits aus dem Vorjahr kennt. Fotos: Büchele  Foto: Büchele, Torsten

Fanfaren für den Verwaltungschef: Jagdhornbläser begrüßen die Bürger und ihren OB Thilo Michler feierlich beim Neujahrsempfang in der Kultura. Was folgt, ist eher ein Kontrast dazu: Nach euphorischer Aufbruchstimmung, die er 2023 entfachen wollte, kommen dieses Mal nüchternere Töne vom Redner - die aber nicht weniger Inhalt transportieren. Nach Jahren der Planung verschiedenster Großbauprojekte kommen nun Jahre der Umsetzung - in Zeiten wachsender Herausforderungen.

Krankenhaus, Gymnasium, Feuerwehr und Grundschule Limespark heißen die Großbaustellen

Um letztere herum entstehen gerade Hauptstraßen, die die neuen Baugebiete des Stadtteils erschließen. Das Krankenhaus macht von außen den Eindruck, es sei fast fertig - tatsächlich dauert der Innenausbau bis Sommer 2025. Die Erweiterung der Feuerwache soll im September 2024 fertig sein; der HGÖ-Neubau in den Osterferien dieses Jahres, danach beginnt die Sanierung des C-Baus. Die Realschule, die 60 Jahre alt ist, wird noch zwei Jahre lang saniert. Fast alle Baustellen befinden sich im Zeitplan, abgesehen vom Gymnasium, wo die Trockenbaufirma ausgetauscht wurde. Aber auch da gehe es nun voran.

Weitere Projekte sind Erweiterungen diverser Kindergärten und Grundschulen. Wegen steigender Geburtenzahlen brauche es immer mehr Kitas, und auch wenn sich der OB über immer mehr Kinder freut, sei es vor diesem Hintergrund nicht schlecht, dass der private Wohnbau und damit das Bevölkerungswachstum mit steigenden Zinsen eine Verschnaufpause einlegten.

Das Bahnhofsareal soll komplett überplant werden

Die Sanierung des Freibads in Michelbach soll 2024 angegangen werden. Ab Ende 2026 soll das Bahnhofsareal beiderseits der Gleise um Kino, Netto und Parkplätze überplant werden - "die spannendste Fläche" in der Stadt, findet der OB. Womöglich könne ein neues Haus für Vereine entstehen. 2024 starte ein städtebaulicher Wettbewerb.

Beim Glasfaserausbau gebe es "leider noch genügend Baustellen". In jeder Straße sollen Kabel für schnelles Internet verlegt werden, damit jedem Haushalt ein Anschluss ermöglicht werden kann - das macht wohl aber nicht überall Giganetz, sodass die Stadt am Ende Lücken schließen müsse. Hier werde man "in zwei Jahren top ausgestattet" sein.

Bei Nahwärme will die Stadt zum Vorbild werden

Daneben baut die Stadt gerade in mehreren Vierteln ein Nahwärmenetz auf, das mit Hackschnitzeln aus Hohenlohe beliefert wird. Auch Schulen und das Krankenhaus werden angeschlossen. Für Michler ist diese künftige Form des Heizens Öhringens großer Beitrag zur Energiewende - und wie die Stadtwerke das umsetzten, habe Vorbildcharakter.

Das Stadtbild verändert sich also weiter in rasanter Geschwindigkeit. 2024 wird ein Jahr des Schaffens: Die Baustellen müssen fertiggestellt werden, bevor Neues geplant werden kann. Auch vor dem Hintergrund, dass 2024 Kommunalwahlen sind und 2025 die zweite Amtszeit des Oberbürgermeisters endet, der bekundet, dass ihm die Arbeit immer noch "viel Freude" bereite.

Wo kommen die Millionen für die Großprojekte her?

Bis dahin heißt es: Kurs halten und die Ziele erreichen. Wenn das gelingt, so Michlers Fazit, "bin ich optimistisch, dass die nächsten Jahre gut werden". Die Finanzierung der Millionenprojekte ist gesichert und bei der Rede des OB kein großes Thema: Der Großteil stammt aus Rücklagen, ein Teil aus einem Kredit mit Negativzinsen: Die Stadt verdient sogar an ihren Schulden.

Von Geldsorgen wie beim Landkreis kann keine Rede sein - allenfalls von Fachkräftemangel, denn bei der Stadt gehen mehr Beschäftigte in den Ruhestand, als nachrücken. Immerhin kann die ausgedünnte Führungsriege der Verwaltung um mehrere neue Amtsleiter ergänzt werden. So ist der OB mit seiner Rede nach einer halben Stunde am Ende und zeigt damit, worauf es nun ankommt: Nicht viel reden, sondern schaffen.

Wir beurteilen Stadträte die Leistung der Verwaltung?

In diesem Punkt scheinen viele Stadträte mit ihm einig zu sein, wie Gespräche an Stehtischen zeigen. "Was jetzt passiert, ist das Ergebnis der Arbeit vieler Jahre", analysiert Roland Weissert (CDU), und bringe Öhringen "einen deutlichen Schritt nach vorn". Es sei "wahnsinnig viel gelaufen", und zwar so geräuschlos, weil Steuereinnahmen noch immer besser flössen als gedacht. Dass OB und Gemeinderat bei Bildungsprojekten und der Zusammenarbeit mit den Händlern in der Innenstadt gute Arbeit leisteten, findet auch Norbert Groß (Liberale Bürger), der sagt: "Stetiges Einwohnerwachstum und der Ausbau der Infrastruktur halten die Balance." Doch gerade weil es bislang so gut gelaufen sei, müsse man "in Zukunft aufpassen, wie man weitermacht".

Die Grünen haben ein paar Verbesserungsvorschläge

Katharina Krehl von den Grünen hat ein paar Ideen. Sie wünscht sich Tempo 30 auch auf manchen Hauptverkehrsachsen und will - über den Limespark hinaus - keine weiteren Neubaugebiete. Gut finde sie, wie der Ausbau von Photovoltaik Fahrt aufnehme. Man müsse mehr Bürger von den Vorteilen der Nahwärme überzeugen. Das "Bewusstsein der Bevölkerung" für den Klimaschutz in Öhringen könne noch wachsen.

 
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