Der erste Preis ist mit 32.000 Euro dotiert und geht an das Team von Lehendrei Architektur Stadtplanung, Stuttgart mit Freiraumconcept Sinz–Beerstecher + Böpple Landschaftsarchitekten PartGmbB. Die Verfasser überzeugten die Jury mit ihrer städtebaulichen Leitidee „Ankommen, Verweilen und Verbinden“. Auch wenn ihre Grundidee, die Schillerstraße einspurig befahrbar zu machen nicht realisiert werden kann, überzeugte der Entwurf mit einem harmonischen und ausgewogenen Gesamtbild. Den zweiten Preis (16.000 Euro) erhielt Hähnig | Gemmeke Architekten und Stadtplaner (Tübingen). Der dritte Preis mit 11.000 Euro ging an Thomas Schüler Architekten (Düsseldorf). Eine Anerkennung mit 6000 Euro erhielt Schirmer Architekten + Stadtplaner (Würzburg) mit De Buhr Landschaftsarchitektur und Planetz Architektenpartnergesellschaft mbB.
So will Öhringen das Bahnhofsareal neu denken – Siegerentwurf steht fest
Ein spannendes Zukunftsprojekt nimmt Form an. Wie wird der Öhringer Bahnhof künftig mit der Innenstadt verbunden sein? Wie mit dem Gebiet nördlich der Eisenbahn? Der städtebauliche Wettbewerb ist entschieden.
Wie wird der Öhringer Bahnhof künftig mit der Innenstadt verknüpft? Wie sieht die Anbindung des Gebiets nördlich der Eisenbahnlinie aus? Gibt es einen Skywalk? Und: Wo sollen Kino und Jugendmusikschule Räume finden? Wie wird der Verkehr geregelt?
Städtebaulicher Wettbewerb: Bahnhofsareal in Öhringen wird neu geplant
Viele Fragen, die mit einem städtebaulichen Wettbewerb untersucht wurden. Die nach Ansicht des Preisgerichts beste Lösung hat das Büro Lehendrei aus Stuttgart gefunden. Die Pläne und das Modell des Stuttgarter Büros wie auch der weiteren Teilnehmer sind auf Stellwänden in der Öhringer Kultura zu sehen.

Beim Bürgerempfang drängten sich die Menschen um das Modell von Lehendrei. Die Planer - einer davon mit Wurzeln in Öhringen - erklären das Konzept. Am Abend zuvor waren die Entwürfe bereits den Anwohnern detailliert vorgestellt worden.
Verkehrsbelastung durch Schillerstraße trennt Stadträume
Markus Nominaniuk ist in Öhringen-Ohrnberg aufgewachsen. Seit seinem Architekturstudium lebt er in Stuttgart und arbeitet nun im Büro Lehendrei. Er kennt die Herausforderungen des Areals rund um den Bahnhof gut aus seiner Jugend und formuliert es so: „Schade ist, dass immer ein schief stehender Bus den Blick auf das Bahnhofsgebäude und den Platz versperrt.“
Wie überhaupt der viele Durchgangsverkehr auf der Schillerstraße - die Planer sprechen von rund 25.000 Autos pro Tag - ein Problem sind. Denn: Die Blechlawine, die vor allem an Tagen mit Stau auf der A6 massiv ist, trennt das Bahnhofsareal rein optisch von der schön gestalteten Bahnhofsstraße. Auch der Bereich hinter dem Bahnhof hat wenig Aufenthaltsqualität.

Neues Nutzungskonzept soll Bahnhofsareal lebenswerter gestalten
In den Plänen von Lehendrei wurde eine Lösung gefunden, den Busverkehr von der Bahnhofskreuzung zu nehmen. Auch das schöne alte Postgebäude soll erhalten bleiben und mit dem Bahnhofsgebäude ein Ensemble bilden. Vor allem aber soll Raum für die Menschen entstehen, die mit dem Zug oder dem Bus, dem Rad oder Auto dort ankommen.

Der Grünraum soll als Schwammstadt mit vielen Bäumen und viel Wasser gestaltet werden, zeigt Planer Fabian Schwarz auf ein wesentliches Gestaltungselement. Er betont: Alle Bestandteile des Plans können einzeln in verschiedenen Bauabschnitten umgesetzt werden. Ein wichtiges Element, da sich die Immobilien in unterschiedlichem Eigentum befinden. „Es wird wohl oft auch darauf ankommen, wo und welche Investoren gefunden werden“, sagen die Planer.
Kultur- und Bildungsangebote erhalten neue Räume im Bahnhofsareal
Ein markantes Gebäude soll anstelle des aktuellen Kinos entstehen: Dort bekommt die Jugendmusikschule, die aktuell unter anderem in Containern vor der Kultura untergebracht ist, ihr neues Zuhause. Mit dem auskragenden Obergeschoss erinnert es an ein Opern- oder Theatergebäude. Im Raumprogramm sind großer und kleiner Saal, ein Foyer und diverse Räume vorgesehen.
Für Kino und Kleinkunst haben die Planer das Areal nördlich der Bahn im Fokus. Dort soll neben der BAG auch wieder ein Discounter Einkaufsmöglichkeiten bieten. Im Obergeschoss sehen die Planer Kinosäle, eine Dachterrasse und Möglichkeiten für eine Bar oder Gaststätte.
Steg verbindet künftig beide Stadtseiten barrierefrei
Das große Parkhaus Richtung Römerbadhalle soll Mobilitätsdrehscheibe werden. Zentrales Element der Planung ist der Steg, der die beiden Seiten der Stadt dies- und jenseits der Bahnlinie miteinander verbindet. Als Skywalk war es in der Wettbewerbsbeschreibung formuliert. Im Plan von Lehendrei ist es ein Steg, der in seiner technischen Formensprache an alte Eisenbahnbrücken erinnern, wie sie beispielsweise bei Ohrnberg über den Kocher führen.
Barrierefrei wird der Steg durch Aufzugstürme im Auf- und Abgang. Alternativ zum Aufzug kann man auch in diesen Türmen die Treppe nehmen. Fahrradfahrer können das Rad mit in den Aufzug nehmen oder alternativ dazu die schon bestehende Unterführung nutzen, die mit Rampe ebenfalls barrierefrei wird.
Das viele Grün im Modell wird von den Bürgern beim Empfang gelobt. Auch die bessere Verzahnung von Bahnhofsareal und Innenstadt. Einen Wunsch geben die Bürger dem Architektenteam, zu dem auch Verkehrsplaner Manuel Bühler gehört, mit. Eine Umfahrung der Innenstadt wünschen sich die Menschen und damit weniger Autos, Lärm und Dreck.
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