Netzbooster in Kupferzell wächst: Einblicke in Technik, Bau und Schutzmaßnahmen
Der Netzbooster in Kupferzell nimmt Formen an. Ein Gang über die Baustelle mit dem Gesamtprojektleiter Severin Mosek und Sprecher David Schiek.
Silvan Mosek steht zwischen den großen hellgrauen Schränken, vier Stück nebeneinander, daneben ein etwas höher stehender, blaugrauer Schrank. „Im Nachhinein hat sich herausgestellt, die Entscheidung für Lithium-Eisenphosphat-Batterien war die richtige. Die Batterien, die woanders gebrannt haben, waren immer andere Typen.“ Mosek ist der Gesamtprojektleiter des Netzboosters, den TransnetBW in Kupferzell baut. Mit dem Hinweis auf den dort verbauten Batterietypen reagiert er auf die Sorgen der rund 6400 Kupferzeller.
TransnetBW über Netzbooster: Größerer Schaden durch möglichen Brand ausgeschlossen
Bei den verwendeten, von einem Container eingehausten Batterien, könnte nur eine Zelle in Brand geraten. Ein Übergreifen des Feuers bei einem Schadensfall sei unmöglich. Ähnlich wie Projektsprecher David Schiek betont er immer wieder: Das Unternehmen legt viel Wert auf die Sicherheit. „Wir sind da bei 120 Prozent – nein, bei 150!“, betont Mosek bei einem Gang über die Baustelle.

Die Technologie an sich sei nicht neu und werde in kleinerer Form oft verbaut. Deswegen spricht Schiek die Bezeichnung „Pilotprojekt“ für den Netzbooster nur zögernd aus. „Nur mit Blick auf die Größe ist es unsere erste Anlage.“ Beim Netzbooster stehen die Geräte in Gruppen in sogenannten Subnestern auf Fundamenten: Vier Reihen mit je drei oder vier Batterieschränken, pro Reihe ein Wechselrichter und pro Subnest zwei Trafos.
Jedes Subnest ist leicht geneigt, damit das Regenwasser oder im Brandfall kontaminiertes Wasser in einen Kanal laufen kann. Das wird unterirdisch gesammelt. Behauptungen eines Hinweisgebers, diese Behälter seien undicht, kommentiert Mosek mit „Blödsinn“. Nach der Fertigstellung werde alles durch ein unabhängiges Prüf-Unternehmen geflutet, „das Vorgehen ist vollkommen normal“.
Netzbooster in Kupferzell: Nebel soll im Brandfall gefährliche Gase abbinden
Über den Batterieschränken laufen Wasserrohre: eine Hochdruckwassernebelanlage. Sie wird aktiviert, wenn ein Brand ausbrechen sollte. „So etwas gibt es sonst an keiner Anlage in Deutschland“, betont Mosek. Das Wasser binde gasförmige Fluor-Wasserstoff-Verbindungen, die austreten würden. „Und im Havariefall kühlt der Nebel die Anlage“, ergänzt er. So könne die Feuerwehr besser arbeiten.

Auf vielen Subnestern stehen bereits Batterieschränke, Wechselrichter und Trafos. Andere sind noch leer. In welcher Reihenfolge sie fertig gestellt werden „hängt auch von den Standorten der Kränen ab, damit die sich nicht im Weg stehen“. Bislang ist nur das östlichste der Subnester fertig aufgestellt. „So konnten wir testen, wie sich die logistischen Abläufe am besten machen lassen“, erklärt Schiek.
Blitzableiter sorgen für Sicherheit für die Batterien in Kupferzell
Dort ist auch der einzige Wechselrichter, der schon seine Einhausung hat – blaugrau. Die Farben für die Einhausungen habe man mit der Gemeinde abgestimmt. Diese Hüllen dienen auch dem Lärmschutz. Etwa 420 Batterieschränke werden dort unter freiem Himmel stehen. Dazwischen ragen metallene Türme hoch. „Die sichern die Batterien vor einem Blitzeinschlag“, sagt Schiek.

Für Sichtschutz ist das Gelände abgesenkt. Die Böschungen wurden abgeflacht, das erleichtert das Mähen. Ein Hügel wurde angehäuft, um den Blick vom Wohngebiet abzuhalten. Darauf stehen eine Bank und ein Schild mit „Monte Christine“ – „das ist der Name der Ingenieurin, die sich um das ganze Bodenthema gekümmert hat“, sagt Mosek lachend. Neben dem Hügel ist das Regenrückhaltebecken. In das wird das Regenwasser gepumpt, das „wie von der Gemeinde gewünscht“ langsam in das kommunale Becken geleitet wird, erklärt Schiek.
Trafo am Umspannwerk steht bereit, muss aber noch verkabelt werden
Der im vergangenen Dezember spektakulär mit einem vielbeachteten Schwertransport angelieferte Trafo steht bereits beim Umspannwerk bereit. Sobald alle Subnester bestückt sind, werden die Kabel gelegt. Dafür sind rund um die Flächen mannshohe Kabelkanäle im Erdreich versenkt. Vom Betriebsgebäude aus werden die Kabel zum Trafo gelegt – unterhalb des Weges, „von dem aus jeder den Fortschritt der Baustelle beobachten kann“, erklärt Schiek.
Außerdem müssen Mitarbeiter geschult werden. Die künftige Betriebsleitung ist derzeit schon vor Ort und macht Qualitätskontrollen. Der Netzbooster als „neues Betriebsmittel“ muss noch in das System des Unternehmens TransnetBW integriert werden, erklärt Schiek. Deshalb spricht er jetzt doch von „Pilotprojekt“.
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