Von Cannabis-Kräuterfahne bis Feuerschale: Der 35. Sindringer Töpfermarkt hat geöffnet
57 Keramiker verkaufen in den Gassen von Sindringen ihre Waren und zeigen ihre Handwerkskunst. Am Sonntag können auch Kinder sich am Töpfern versuchen.

Ungewohnt viele Menschen sind auf dem Sindringer Töpfermarkt, für den Auftakt am Samstagvormittag – das beobachten sowohl Forchtenbergs Bürgermeister Michael Foss, als auch Hartmut Allmendinger, der im sogenannten Töpferausschuss ist, der die Organisatoren des Markts unterstützt. Das Publikum schlendert trotz der Menge entspannt durch die Gassen zwischen den Produkten aller Arten, von Tassen bis Feuerschalen, von quietschbunt bis gedeckt und einfarbig.
Der Markt ist in diesem Jahr kleiner als üblicherweise: Eigentlich verkaufen in Sindringen etwa 70 Keramiker ihre Waren, dieses Jahr sind es 58. "Wir haben weniger Standplätze dieses Jahr", sagt Ortsvorsteher Thomas Hartmann: Durch zwei Baustellen sind einige Flächen nicht zu belegen. Andererseits gab es in diesem Jahr auch weniger Bewerbungen als üblich. Das liege daran, dass einige Verkäufer auf einen größeren Töpfermarkt am Ammersee sind, der gleichzeitig ist, schätzt Hartmann.
Cannabis-Schilder auf dem Sindringer Töpfermarkt – Das bieten die Keramiker an ihren Ständen
Angela Wieffen aus Rheda-Wiedenbrück in Nordrhein-Westfalen hat ihren Stand am Milchhäusle. Sie verkauft bunte Keramik – unter anderem Kräuterfahnen. Eine solche mit der Aufschrift „Cannabis“ hat sie schon länger im Sortiment, denn „das Schild war ja nicht verboten“ – im Gegensatz zur Pflanze, die vor kurzem legalisiert wurde. "Die Verkaufszahlen sind nicht gestiegen, seit der Konsum erlaubt ist", bemerkt sie.

Trotzdem gehöre das Cannabis-Schild zu den ersten Waren, die sie am Samstagvormittag verkauft hat. Wieffen kommt schon seit mehreren Jahren nach Sindringen - ihre Anfahrt dauere 4,5 bis fünf Stunden, berichtet sie. "Man wird hier sehr liebevoll umsorgt."
Feuerschalen aus geheimem Material: Das wird auf dem Töpfermarkt in Sindringen angeboten
Seit 2003 stellt Rudi Hammer seine Feuerschalen aus Keramik her. Die Zusammensetzung des Materials hat er selbst entwickelt, dafür hat er etwa zwei Jahre herumprobiert. "Ich hatte diese Idee und wollte sie unbedingt umsetzen", sagt der Oberpfälzer, der seit Mitte der 80er Jahre des vergangenen Jahrhunderts Keramiker ist.
Die Zusammensetzung will er nicht preisgeben. Nur so viel: "Das Material muss sehr temperaturwechselbeständig sein." Um die richtige Mischung herauszufinden, hat er extra ein teures Gerät angeschafft, das die Ausdehnung bei Erwärmung messen kann.
Sindringer Töpfermarkt mit Bewerbungsbedingungen: Keramiker müssen Qualität und Können unter Beweis stellen

Meike Zieglers Stand hinter der Kirche, fällt dadurch auf, dass ihre Keramik vor allem in zwei Farben gehalten ist: Blau und Braun. "Mir gefällt Braun sehr gut – aber die Kundschaft kauft eher die Sachen in Blau." Die Böden in den Schalen – die sogenannten Spiegel – verziert sie mit Textilien, wie zum Beispiel Spitzendeckchen, die sie in das Material eindrückt. Erst während der Herstellung entscheide sie, wie sie die Schale dekoriert, erzählt die Keramikerin aus dem Bayerischen Wald.
Der Töpfermarkt in Sindringen habe einen guten Ruf bei den Keramikern, sagt Töpfer-Ausschuss-Mitglied Hartmut Allmendinger, der seinen Stand am oberen Ende der Pfarrgasse hat. Das Gremium hilft bei der Auswahl der Bewerber: Die Keramiker müssen Fotos ihrer Arbeiten mitschicken, „danach bewerten wir die handwerkliche Qualität und das künstlerische Können“. Allerdings, bedauert Allmendinger, gebe es immer weniger Keramiker, das merke man auch am stetigen Rückgang der Zahl der Bewerbungen.
Ein Zwerg vom Töfpermarkt – In Sindringen gibt es alles aus Keramik
Es ist der letzte Töpfermarkt, bei dem Thomas Hartmann Sindringer das Amt des Ortsvorsteher innehat. "Alles hat seine Zeit", sagt er - irgendwann müsse jemand Jüngeres übernehmen.
Sein Lieblingsgegenstand, den er beim Töpfermarkt gekauft hat? "Das dürfte wohl ein Zwerg sein. Wenn ich ein Tief habe und den anschaue, geht's mir direkt immer besser." Solche Zwerge verschenke seine Familie auch zu Hochzeiten. Seine Frau hat dazu ein Gedicht geschrieben. Das habe sie dem Keramiker überlassen, der es mit den Zwergen mitgebe.
Töpfermarkt in Sindringen geht am Sonntag weiter
Der Sindringer Töpfermarkt ist normalerweise am dritten Mai-Wochenende. Wenn allerdings Pfingsten ist, findet der Markt eine Woche früher statt - so wie in diesem Jahr.
Am Sonntag gibt es ein Töpfern für Kinder ab 14 Uhr am Töpferbrunnen in der Schlossstraße, die Tanzgruppen Dynamic und Remix führen um 14 Uhr auf.
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