Simple Frage nach Impfdosen deckt Widersprüche auf
Läuft im Zentralen Impfzentrum in Rot am See alles rund? Bei dieser Frage kommen Zweifel auf. Nicht nur, weil sich die Aussagen von Sozialministerium und Landratsamt teilweise widersprechen.

Das Zentrale Impfzentrum (ZIZ) des Landes in Rot am See ist seit drei Wochen in Betrieb. Glaubt man der Pressemitteilung vom 14. Januar, läuft alles "routiniert" und "eingespielt" ab. Wegen des "Impfstoffmangels" sei derzeit "nur eine geringere Anzahl an Terminen verfügbar". Die ursprünglich anvisierte "Kapazitätsgrenze von täglich 1500 Impfungen" könne deshalb "nicht erreicht werden".
Landratsamt hier, Sozialministerium da
So weit die offizielle Verlautbarung des Landratsamts Schwäbisch Hall. Wer sich nicht mit solchen gestanzten Mitteilungen abspeisen lassen möchte, sondern aktiv zu ergründen versucht, wie das ZIZ in Rot am See seiner Aufgabe nachkommt, braucht bisweilen einen langen Atem. Und gute Nerven.
Einfachste Fragen werden oft so spät und unzureichend beantwortet, dass immer wieder nachgehakt werden muss. Ganz abenteuerlich wird es, wenn Fragen gar nicht bearbeitet werden mit dem Hinweis, dazu doch bitte die Pressestelle des Sozialministeriums zu kontaktieren. Und jene Abteilung zwar brav die angeforderten Fakten und Zahlen nennt, aber gar nicht verstehen kann, warum die Kollegen im Landratsamt nicht imstande sind, diese zu liefern.
Wer das Spiel auf die Spitze treiben will, konfrontiert die eine Stelle mit den Antworten der anderen. Und stößt dabei auf manche Widersprüche.
Fragen über Fragen
Wer hat beim ZIZ den Hut auf? Was ist Sache des Kreises, was managt das Sozialministerium? Ist es womöglich so, dass ein ZIZ im kleinen Rot am See am Ende doch eine Nummer zu groß ist für so ein Landratsamt? Man wird jedenfalls das Gefühl nicht los, dass die einen zuweilen unverschuldet überfordert sind, weil die anderen ihnen recht blauäugig ein solches Impfzentrum ins Nest gelegt haben.
Fragen wir beim Landratsamt also mal ganz simpel nach, wie viele Impfdosen das ZIZ in Rot am See vom 27. Dezember bis 12. Januar erhalten hat. Das müsste doch locker zu ermitteln sein. Glaubt man. Tatsächlich verweist die Sprecherin auf besagtes Sozialministerium. Ein ZIZ, das selbst nicht weiß, wie viele Impfdosen es hat? Seltsam.
Also Nachfrage beim Ministerium. Antwort: "Das ZIZ Rot am See hat 5070 Ampullen erhalten. Bei einer Annahme von fünf Impfdosen pro Ampulle wären dies insgesamt 25.350 Impfdosen." Vom 27. Dezember bis 10. Januar sind davon laut Landratsamt aber nur 6392 Personen geimpft worden. Wobei dem ZIZ täglich rund 600 Dosen zur Verfügung stünden. Die Hälfte der gelieferten Dosen müssen für die Zweitimpfung reserviert werden: in diesem Fall 12.675. Bleiben immer noch 6283 Dosen, die nicht verimpft wurden.
Wie kann das sein, wo der Impfstoff und Termine so knapp sind? Antwort Landratsamt: "Das ZIZ plant für seine Gesamtbetriebsdauer. Diese ist nach derzeitigem Stand bis Mitte April geplant. Auch die Impfstofflogistik richten wir auf diese Betriebsdauer aus. Höchste Priorität hat die Vermeidung von Terminabsagen."
Sozialministerium korrigiert
Mit dieser Aussage konfrontiert, korrigiert das Sozialministerium: "Grundsätzlich sollten die Impfdosen selbstverständlich nicht für die Gesamtbetriebsdauer des ZIZ zurückgelegt werden." Sondern nur 50 Prozent für die Zweitimpfung. "Darüber hinaus sind sie jedoch angehalten, den verfügbaren Impfstoff bis zur nächsten Lieferung komplett zu verimpfen." Und weiter: "Wir gehen davon aus, dass das auch in Rot am See so gehandhabt wird. Durch regionale Unterschiede, Terminabsagen und ähnliche Umstände kann es zwischen den Impfzentren freilich zu Unterschieden in der Auslastung kommen."
Von Mitte bis Ende Januar werde Rot am See laut Ministerium mit wöchentlich 1560 Ampullen à 7800 Impfdosen beliefert. Für Nachschub ist also gesorgt, zur Hortung besteht kein Grund. Und wie windet sich das Landratsamt aus der Sache? "Das Sozialministerium hat seine Strategie aufgrund des knappen Impfstoffes umgeändert. Deshalb fährt das ZIZ seine Kapazität nun deutlich hoch und stellt auch wieder neue Termine ein." Kapiert?
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Kommentare
Ute Nitsche am 19.01.2021 17:45 Uhr
Es ist unglaublich, wie hier im Land laviert wird. Von Handeln kann man nicht sprechen, höchstens von Unterlassen. In der Stuttgarter Zeitung gab es hierzu gestern ebenfalls widersprüchliche Aussagen: für die Pflegeheime reichts nicht, das medizinische Personal möchte in vielen Teilen nicht, aber geimpft wird auch nicht. Ba-Wü hängt sehr deutlich hinterher. Warum eigentlich? Die Impfstoffe sind doch im Verhältnis zur Einwohnerzahl gleich verteilt worden.
Deutschland krempelt die Ärmel hoch - wirklich?