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Künzelsau

Regionale Firmen lernen in Künzelsau das Einmaleins der Digitalisierung

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Wie die regionale Wirtschaft vom Digital Hub in Künzelsau profitiert. Zwei neue Partner komplettieren die Anlaufstelle für kleine und mittlere Firmen, die heilbronn franken connected (hfcon) aufgebaut hat. Die Förderung des Landes ist bis 2025 gesichert.

Viel Platz, modernes Equipment, kreatives Umfeld: Das schätzen Kristina Crämer, Ahmed Mussa und Claus Wild von der Firma Payyxtron am Digital Hub in Künzelsau.
Viel Platz, modernes Equipment, kreatives Umfeld: Das schätzen Kristina Crämer, Ahmed Mussa und Claus Wild von der Firma Payyxtron am Digital Hub in Künzelsau.  Foto: Reichert, Ralf

Sie schätzen das kreative Umfeld und die familiäre Atmosphäre. Es gibt genügend Platz. Und das technische Equipment ist top. Deshalb bucht sich die Firma Payyxtron immer wieder im Digital Hub in Künzelsau ein. Ein- bis zweimal pro Monat. "Ansonsten sind wir voll digital unterwegs", sagt Claus Wild, Chef des Unternehmens, das 2018 gestartet ist, um "Betriebe bei SAP-Themen zu beraten".

Dabei geht es um den Einsatz der Software beim Zahlungsverkehr. Claus Wild wohnt in Neuenstein, Ahmed Mussa in Nürnberg und Kristina Crämer in Berlin. Gerade sitzen sie in der Green Box, ihrem Lieblings-Raum, und stecken die Köpfe zusammen. Willkommen in der schönen, neuen Arbeitswelt, der viel zitierten "New Work".


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Firmenstandort und Kontaktbörse in einem

Die analogen Treffen bei hfcon, so heißt die Trägergesellschaft des Digital Hub, sind für Payyxtron nicht nur wichtig, um strategische Konzepte auszuarbeiten und den sozialen Austausch zu fördern. Hier kann das Team auch mit anderen Gründern hirnen oder Rat suchen bei den hfcon-Experten vor Ort. Der Digital Hub ist für Payyxtron also Firmenstandort und Kontaktbörse in einem. Und damit ganz nach dem Geschmack von Thorben Heinrichs, dem Geschäftsführer von heilbronn franken connected, wie hfcon mit vollem Namen heißt: "Die Nachfrage ist hoch, die Angebote kommen sehr gut an."

Firmen bei der Digitalisierung zu begleiten, ist die Hauptaufgabe

Thorben Heinrichs führt die Geschäfte von heilbronn franken connected, oder kurz: hfcon. Das ist die Trägergesellschaft des Digital Hubs in Künzelsau, das vor allem kleinere und mittlere Firmen berät.
Fotos: Reichert
Thorben Heinrichs führt die Geschäfte von heilbronn franken connected, oder kurz: hfcon. Das ist die Trägergesellschaft des Digital Hubs in Künzelsau, das vor allem kleinere und mittlere Firmen berät. Fotos: Reichert  Foto: Reichert, Ralf

Kleinen und mittleren Unternehmen bei der Digitalisierung auf die Sprünge zu helfen, durch Beratung und Begleitung, Vermittlung und Vernetzung: Das ist eines der Hauptaufgaben des Digital Hub. Aber nicht nur.

Auch Platzhirsche können ihr Wissen dort preisgeben. Und Studenten selbiges erlangen. Gemeinsame Projektarbeit im realen und virtuellen Raum: Das steckt hinter der Idee des Landeswirtschaftsministeriums. hfcon ist seit Juni 2019 aktiv, das Instituts- und Forschungsgebäude F am Campus der Reinhold-Würth-Hochschule Künzelsau ist dafür der optimale Ort.

Förderung bis 2025 sicher, zwei neue Partner an Bord

Jetzt steht fest: Die Finanzierung ist bis 2025 gesichert. Vom Land kommen rechnerisch 833 000 Euro, für die jetzt drei Partner des Digital Hubs: Die Hochschule Heilbronn und die Firma Future Labs aus Lauda-Königshofen sind neu dabei. In der ersten Förderphase waren es eine Million Euro gewesen – nur für hfcon. Die bislang vier Gesellschafter der hfcon GmbH & Co. KG steuerten zuletzt jeweils 250 000 Euro bei: Würth, Würth Industrie, EBM-Papst, Optima. Gut möglich, dass nun noch mehr Gesellschafter dazukommen. Doch ihr Geldbetrag verringert sich. Schließlich soll sich hfcon mittelfristig selbst finanzieren können. So wie das Digital Hub insgesamt, dessen Konsortialführer hfcon sein wird. Auch die Hochschule Heilbronn und Future Labs müssen ihre Eigenanteile selbst tragen. Der genaue Schlüssel, wie die mindestens 833 000 Euro vom Land verteilt werden, steht noch nicht fest.


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"Corona hat viele Firmen zum Umdenken gezwungen"

Die Pandemie war für hfcon nicht unbedingt ein Bremser. Sie wirkte eher als Beschleuniger. "Corona hat viele Firmen zum Umdenken gezwungen", sagt Heinrichs. Entsprechend groß ist die Nachfrage, um digitale Strukturen und Prozesse neu aufzulegen oder zu optimieren. "Wir hatten in den drei Jahren alle Hände voll zu tun. Über 100 Digitalisierungsprojekte haben wir aktiv angestoßen, rund 15 Firmen begleiten wir selbst ganz intensiv von der Beratung bis zur Umsetzung." Einzelhändler mit fünf bis 15 Mitarbeitern sind sind genauso dabei wie Baufirmen mit 200 und Industriebetriebe mit 700 Beschäftigten.

Geschäft brummt, Team von hfcon wird verstärkt

Weil das Geschäft so brummt, hat hfcon im August einen neuen Mitarbeiter eingestellt. Im Januar kommt eine weitere Kraft dazu. Dann ist das Team von 3,5 auf 5,5 Stellen und von fünf auf sieben Köpfe gewachsen. "Es geht auch darum, in der Breite der Region noch bekannter zu werden", so Heinrichs. "Das ist während Corona etwas zu kurz gekommen, weil wir in der Fläche kaum Veranstaltungen machen konnten." Der Raum Heilbronn und der Main-Tauber-Kreis rücken nun stärker in den Fokus. Bislang nehmen vor allem Betriebe aus den Kreisen Hohenlohe und Schwäbisch Hall die Dienstleistungen in Anspruch. Das Digital Hub ist ausgerichtet auf die gesamte Region Heilbronn-Franken und steht prinzipiell allen Firmen offen, vor allem sollen aber kleine und mittlere Unternehmen angesprochen werden.

Hohenlohe ist in Sachen Digitalisierung gar nicht so schlecht

Wie bewertet Heinrichs den aktuellen Stand der Digitalisierung in Hohenlohe? "Wir stehen besser da als wir uns selber einschätzen." In vielen Firmen gebe zwar noch einiges zu tun, aber die digitalen Grundlagen hätten sich verbessert. "Die Betriebe sind bereit, sich auszuprobieren und ernsthaft an der Digitalisierung zu arbeiten. Das war lange nicht der Fall." Jetzt gelte es, mit vollem Elan dranzubleiben. Der Digital Hub steht dazu als Ratgeber bereit.

Finanzierung

Das Wirtschaftsministerium fördert bis Ende 2025 zwölf Digital Hubs in Baden-Württemberg mit zehn Millionen Euro. Von 2019 bis 2022 wurden zehn Hubs mit demselben Betrag unterstützt. heilbronn franken connected (hfcon) hat in der zweiten Förderphase zwei neue Partner bekommen: die Hochschule Heilbronn (bisher wie IHK, HWK, WHF und Innovationsregion im Beirat vertreten) und die Firma Future Labs aus Lauda-Königshofen. Wie die rechnerisch 833 000 Euro des Landes auf die drei verteilt werden, ist noch unklar. Der Löwenanteil bleibt aber bei der hfcon GmbH & Co. KG. 

 
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