Stimme+
Krautheim

Privatprojekt in Krautheim will Lücken in der Familienhilfe schließen

   | 
Lesezeit  3 Min
Erfolgreich kopiert!

Am Rande der Stadt Krautheim planen zwei Schwestern unter dem namen "Lacrima" ein Zentrum, das Kinder und Erwachsene in schweren Lebensphasen unterstützen soll. Doch der Weg dorthin ist lang.

Mona Bauer (links) und Myrna Riedlinger wollen auf einem Grundstück in Krautheim ein Projekt mit therapeutischen, familienbezogenen Angeboten starten.
Foto: Draskovits
Mona Bauer (links) und Myrna Riedlinger wollen auf einem Grundstück in Krautheim ein Projekt mit therapeutischen, familienbezogenen Angeboten starten. Foto: Draskovits  Foto: Draskovits, Katrin

Ein Haus zu bauen, während man sich um die Kinder kümmert, ist für die meisten Familien eine Herausforderung. Nebenher noch ein Business auf die Beine zu stellen, das mit einem 2,5 Millionen Euro teuren Bau einher geht, ist für viele wohl kaum vorstellbar. Doch genau dieser Herausforderung stellen sich gerade Myrna Riedlinger und Mona Bauer. Denn am Rande von Krautheim wollen die beiden Schwestern ein Familienzentrum errichten, in dem sie Familien, Kinder und Jugendliche pädagogisch und therapeutisch begleiten. Mit "Lacrima" wollen sie eine Lücke im Versorgungsnetz der Region schließen. Doch der Weg dort hin ist lang.

Hürden bei der Umsetzung

Einige Hürden bei der Umsetzung haben die beiden Schwestern schon gemeistert. Das Grundstück ist gekauft und auch bei der jüngsten Gemeinderatssitzung konnten sie einen Erfolg verbuchen: Der Rat stimmte dem Vorhaben zu - unter der Bedingung, dass die Situation der Zufahrtsstraße geklärt wird. Denn das Grundstück befindet sich bei den Leusersäckern, gegenüber vom Ferienhof Hettinger.

Die Zufahrt von Süden her ist eng und viel Verkehr ist hier nicht möglich. Somit muss die Zufahrt von Norden her über die Äcker erfolgen. Hierzu müsste jedoch die Straße ausgebaut werden. Für die Schwestern heißt das: Mit den Grundstückseigentümern verhandeln. Diese sollen einen kleinen Streifen ihres Grundstückes an die Stadt verkaufen.

Abgeschiedene Lage

Die abgeschiedene Lage am Rande von Krautheim finden die beiden Schwestern optimal. "Das Ziel ist es ja, dass die Familien raus kommen aus ihrem Alltag", so Riedlinger. Ein weiterer Vorteil der Lage: "Die Anschlüsse also Wasser, Strom und so weiter gehen sowieso bereits bis kurz vor das Gelände", erklärt Myrna Riedlinger.

Doch was genau haben die Schwestern auf ihrem 7000 Quadratmeter Grundstück vor? Dazu haben sie genaue Vorstellungen. Die 32-jährige Mona Bauer ist Fachärztin für Frauenheilkunde und Geburtshilfe mit Zusatzqualifikation Psychotherapie und sagt: "Es gibt wirklich viele Frauen, die bei Problemen, also etwa Schwangerschaftsabbrüchen aber auch Fehlgeburten oder Kinderwunsch alleine gelassen werden." Hier möchte Bauer helfen, am besten in ihrer eigenen Praxis auf dem neuen Gelände.


Mehr zum Thema

Laura Rumig ist die neue Abteilungsleiterin der Schwangerenberatung der Diakonie Heilbronn. Die Angebote rund um Themen vor, während und nach der Schwangerschaft sind vielfältig.
Foto: Mario Berger
Stimme+
Heilbronn
Hinzugefügt. Zur Merkliste Lesezeichen setzen

Wie die Heilbronner Schwangerenberatung Familien unterstützt


Kaum Plätze für Hilfsbedürftige

Ihre Schwester hingegen ist staatliche anerkannte Erzieherin, derzeit arbeitet sie in der St. Josefspflege in Mulfingen. "Ich bekomme ja täglich mit, mit welchen Problemen die Familien kämpfen", erklärt sie. "Es gibt kaum Programme und Plätze für Kinder und wenn, dann hat man eine ewige Wartezeit", berichtet Riedlinger. Den Bedarf sehen sie also eindeutig.

In pädagogischen Angeboten, Workshops und Vorträgen soll es zum einen gezielte Informationen und Hilfestellungen für den Familienalltag geben. "Viel wird klassische Prävention sein", so Riedlinger. Aber in den vier Wohnungen und auf dem Zeltplatz, der auf dem Gelände entstehen soll, ist auch eine stationäre Hilfestellung möglich. Wichtig ist beiden zu betonen, dass das ganze unter einem christlichen Aspekt stattfindet. "Das Angebot ist natürlich nicht nur für Christen, es geht eher um die Werte, die wir vertreten", so Riedlinger.

Familienzentrum ist erweiterbar

Bis es so weit ist, dauert es jedoch. "Mein Traum wäre 2028, realistisch ist wohl eher 2030", so Riedlinger. Sollte genügend Nachfrage bestehen, wäre das Familienzentrum auch noch erweiterbar. Denn über dem Grundstück, das die Schwestern bebauen wollen, ist ein weiteres, etwa drei Hektar großes Gelände, in Familienbesitz.

Die bisherigen Kosten haben die beiden aus eigener Tasche gezahlt. "Bevor das Land nicht erschlossen ist, nehmen wir keinen Kredit auf, es kann so viel passieren", sagt Riedlinger. Am Ende wird das Projekt wohl 2,5 Millionen Euro kosten. "Aber das ist nur der aktuelle Stand, je nach dem wie die Preise sich entwickeln, wird sich das noch ändern", weiß Bauer.

Was bedeutet Lacrima?

Am Ende bleibt noch die Frage nach dem Namen "Lacrima". Das lateinische Wort bedeutet Träne. Ungewöhnlich für ein Projekt, das helfen will. Das findet die 26-jährige Myrna Riedlinger nicht. "Tränen sind nicht negativ. Sie sind ein Zeichen, dass sich Menschen innerlich bewegen und sie bedeuten das Gegenteil von Bitterkeit und Stillstand", erklärt sie. "Wo keine Tränen mehr fließt", so Riedlinger, "und sich das Herz nicht mehr bewegen lässt, kann keine Veränderung geschehen."

Was ist das Ziel von Lacrima?

"Lacrima" soll aus mehreren Teilen bestehen: Zum einen soll es niederschwellige und kostenlose Angebote geben, um zu informieren. "Ich werde etwa Gruppen eröffnen und mit Schulen kooperieren", so Riedlinger. Die Erzieherin kann sich Themen wie Frustrationstolereanz, Sexualprävention oder "wie gehe ich mit meinem Körper um" vorstellen. Mona Bauer spezialisiert sich auf die Erwachsenen. "Brustkrebs oder Schwangerschaftsabbruch, all das hat enorme psychische Auswirkungen", so die Ärztin.

Gemeinsam sind sie für die Familien als Ganzes da. "In Krisensituationen können Familien hier einen ,Urlaub" machen, in dem wir gemeinsam an den Problemen arbeiten", erklärt Riedlinger. Um Platz für ambulante aber auch stationäre Hilfe zu bieten, soll neben dem Familienzentrum, das aus vier Wohnungen für stationäre Aufnahmen sowie Praxis-und Seminarräumen besteht, auch ein Grillplatz sowie ein Zeltplatz auf dem Gelände entstehen. Auch zwei Häuser, in denen die Schwestern mit ihren Familien leben, sollen dazu kommen.

Kommentare öffnen
Nach oben  Nach oben