Niedernhaller Säuturm wird zum Wohnturm
Architekt Arnold Pugliese aus Stuttgart verwandelt das markante Gebäude an der Niedernhaller Stadtmauer nach jahrelangem Leerstand in eine Wohnung. Im Sommer soll der Turm bezugsfertig sein.

Ein großes Baugerüst umgibt den sogenannten Säuturm an der Niedernhaller Stadtmauer. Dem Dach fehlen die Ziegel, dafür gibt es zwei Gauben, die dort früher nicht waren. Am Fuß des Turms sind Handwerker gerade dabei, weiterer Sprossenfenster ins Gebäude zu tragen und einzubauen. Es geht voran - endlich, möchte man sagen.
Viele Pläne zerschlugen sich
Seit Jahren gab es Pläne, das Gebäude zu sanieren und sinnvoll zu nutzen. So wollte die Stadt es zu einer Radlerherberge umbauen und über einen Pächter betreiben. Das scheiterte an einem selbst auferlegten Kostenlimit bereits 2016. Schließlich interessierte sich mit der Firma Casa Viva ein Investor für das Projekt. Immerhin liegt der Turm touristisch günstig am Kocher-Jagst-Radweg. In Kombination mit dem benachbarten sogenannten Kindermutterhaus wollte Casa Viva die Radlerherberge umsetzen. Doch auch dieses Vorhaben zerschlug sich wieder. Die Gründe: Brandschutz, Arbeitsschutz, Gewerbeaufsicht, Denkmalschutz.
Letztlich hat dieses Projekt trotzdem dazu geführt, dass der Turm nicht länger leersteht. Denn Casa Viva hatte den freien Architekten Arnold Pugliese mit der Planung beauftragt. Und als die Radlerherberge nicht zustande kam, hat dieser sich entschieden, den Säuturm selbst umzubauen. "Ich finde es reizvoll, in einem Turm zu wohnen", sagt Pugliese, der sich vorstellen kann, ihn als Wochenendhaus zu nutzen, oder zu vermieten.
Bewahren alter Dinge

Die Herausforderungen, die ein solches Gebäude auch in Sachen Denkmalschutz mit sich bringt, sieht der Stuttgarter gelassen. Auch sind die Auflagen geringer als bei einer gewerblichen Nutzung als Herberge. "Das Bewahren von alten Dingen macht für mich meinen Job aus", sagt er. Gleichzeitig werde Wohnraum geschaffen, wo schon Bebauung vorhanden ist. Denn während Pugliese schon unzählige alte Gebäude zu neuem Leben verholfen hat, hat er in seiner "ganzen Karriere nur einen Neubau" geplant. "Das ist nachhaltiger als immer mehr Fläche auf der grünen Wiese zu verbauen", sagt er.
Brandschutz macht sichtbare Veränderungen nötig

2021 hat der Architekt schließlich mit den Bauarbeiten an dem fast 19 Meter hohen Säuturm begonnen. Für das Konzept, wie der Raum im Turm genutzt werden soll und welche Einteilung sinnvoll ist, hat der 57-Jährige etwa eine Woche gebraucht. Weit aufwendiger waren da die zahlreichen Genehmigungen. So ist beispielsweise ein zweiter Fluchtweg - zusätzlich zum Treppenhaus - aus Brandschutzgründen nötig. Deshalb bekommt der Turm nun auch die beiden Gauben und größere Fenster im Fachwerk Richtung Altstadt. Das tut den kleinen Räumen gut, die dadurch etwas mehr Tageslicht bekommen. Weil aus Denkmalschutzgründen außen keine Dämmung möglich ist - "und die Mauern sind eh sehr dick" - bekommt der Turm teilweise eine Innendämmung mit integrierter Wandheizung.
Im Sommer soll der Bau abgeschlossen sein
Künftig wird dann neben dem Eingangsbereich das Badezimmer sein, direkt darüber kommt die Küche. "Das hat sich wegen der Wasserleitungen so ergeben", erklärt der Architekt. Dann folgt das Wohnzimmer und darauf ein Gäste- oder Kinderzimmer. Ganz oben ist das Schlafzimmer geplant, wo es sich über den Dächern der Altstadt sicher schön träumen lässt. Spätestens bis zum Sommer soll der Säuturm bezugsfertig sein.
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