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Öhringen

Neuer Anlaufpunkt für mittelstarke Corona-Fälle im Hohenlohekreis

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Im Hohenloher Krankenhaus in Öhringen gibt es jetzt eine Corona-Fieberambulanz. Sie wird von den niedergelassenen Ärzte betrieben, die Klinik stellt Räume und Pflegekräfte. Behandelt werden nur Patienten, die vom Hausarzt einen Termin bekommen haben.

Stehen in den Behandlungszimmern unter Vollschutz bereit: die Krankenpflegerinnen Madeleine Schätz aus Niedernhall (l.) und Anna-Lena Ballreich aus Pfedelbach.
Stehen in den Behandlungszimmern unter Vollschutz bereit: die Krankenpflegerinnen Madeleine Schätz aus Niedernhall (l.) und Anna-Lena Ballreich aus Pfedelbach.  Foto: Reichert, Ralf

Die Türen sind verschlossen. Hereingelassen wird nur, wer einen Termin vom Hausarzt hat. Im Hohenloher Krankenhaus (HK) in Öhringen gibt es jetzt eine Corona-Fieberambulanz. Direkt am Haupteingang. An der früheren Empfangstheke werden die Patienten aufgenommen und nehmen im Wartebereich Platz. Dann werden sie in die Behandlungszimmer geführt.

Röntgengerät besonders wichtig

"Wir können dort alles machen, was in einer normalen Notfall-Ambulanz möglich ist: EKG, Ultraschall, Röntgenaufnahmen des Brustbereichs", erklärt Dr. Werner Reinosch, der Ärztliche Direktor. Besonders wichtig ist das mobile Röntgengerät. "Wir haben es für 10.000 Euro gebraucht gekauft", sagt Melanie Junge, die Kaufmännische Direktorin. "Weil der Hohenlohekreis ein Corona-Hotspot ist, haben wir es frühzeitig angeschafft. Lieferprobleme gab es deshalb keine." Auch ein Gerät zur Blutgasanalyse steht bereit.

Für die Patienten mit Verdacht auf Corona gibt es einen extra Ein- und Ausgang: unten. Andere Notfallpatienten kommen separat in der Klinik an: oben. Der Isolierbereich mit den stationären Corona-Patienten ist ebenfalls strikt von der Corona-Ambulanz getrennt. Der Testlauf startete am 27. März. Seit 31. März ist sie offiziell geöffnet. Betrieben wird sie von den niedergelassenen Hausärzten im Kreis mit Unterstützung des Landratsamts und des Krankenhauses.

Bessere Behandlung für mittelstarke Fälle

"Einige Patienten, die in die Corona-Ambulanz kamen, mussten sofort in die Intensivstation und beatmet werden": Ärztlicher Direktor Werner Reinosch.
Fotos: Ralf Reichert
"Einige Patienten, die in die Corona-Ambulanz kamen, mussten sofort in die Intensivstation und beatmet werden": Ärztlicher Direktor Werner Reinosch. Fotos: Ralf Reichert  Foto: Reichert, Ralf

"In der Fieberambulanz sollen Corona-Patienten behandelt werden können, die ein Hausarzt gesehen haben, bei denen jedoch eine weiterführende Diagnostik notwendig ist, die in der Hausarztpraxis nicht durchgeführt werden kann", erklärt Dr. Susanne Bublitz, Vorsitzende der Kreisärzteschaft Öhringen. Dabei gehe es vor allem um Röntgenbilder der Lunge sowie eine zeitnahe Blutgasanalyse. "Wir haben gesehen, dass wir gerade diese mittelstarken Fälle, also die zwischen den Fällen ohne Alarmzeichen sowie den Fällen, die eine stationäre Behandlung benötigen, auf diesem Weg besser behandeln können."

Alle arbeiten unter Vollschutz

Dies erledigen die niedergelassenen Ärzte aus dem Kreis, Pflegekräfte des Krankenhauses unterstützen sie. Alle arbeiten unter Vollschutz. Unabhängig von der Corona-Fieber-ambulanz werden schwere und leichte Coronafälle wie zuvor weiterbehandelt: also entweder stationär oder ambulant.

Wer darf kommen?

Wer in der Corona-Fieberambulanz behandelt wird, entscheidet ausschließlich der Hausarzt. Es gelten folgende Regeln: Die Ambulanz ist nur für Patienten gedacht, die zuvor von ihrem Hausarzt untersucht wurden und von ihm einen Termin und eine Anmeldung erhalten haben. Patienten ohne Termin werden an den Hausarzt zurücküberwiesen. In der Ambulanz wird ferner kein Abstrich genommen. Und es werden keine Krankmeldungen ausgegeben. 

"Mit der Fieberambulanz kann noch besser eingeschätzt werden, wer welche Behandlung benötigt", sagt Landrat Matthias Neth. "Das ist ein weiterer Baustein für eine möglichst optimale Behandlung aller Corona-Patienten im Kreis." Auch die Hohenloher Krankenhaus gGmbH, die die Räume zur Verfügung gestellt hat, unterstützt die Fieberambulanz: "Die gute Zusammenarbeit und der enge Austausch mit den niedergelassenen Ärzten im Kreis ist uns zum Wohle der Patienten sehr wichtig", erklärt Werner Reinosch.

Einige Patienten kamen gleich auf die Intensivstation

Krankenschwester Nicole Bierszcz leitet die Corona-Ambulanz: "Wir arbeiten tagsüber im Zwei-Schicht-Betrieb. Manchmal ist es ziemlich ruhig, manchmal fliegt es uns hier schon um die Ohren. Wir haben es aber ganz gut im Griff." Laut Reinosch mussten bereits einige Patienten direkt von der Fieberambulanz aus stationär versorgt werden - davon einige sofort auf der Intensivstation. Weil sich dies anfangs häufte, habe man schwere Beatmungs-Fälle vorsorglich in die Lungenklinik Löwenstein verlegt. Ende vergangener Woche wurde es ruhiger. Aktuell werden vier Corona-Patienten im HK beatmet, zwölf Intensivbetten stehen dafür bereit. Alle wissen: Dieser Puffer kann schnell aufgebraucht sein.

In den Isolierstationen ist noch genügend Platz

In den Isolierstationen finden 144 Corona-Patienten Platz: 30 im Erdgeschoss und jeweils 57 im ersten und zweiten Stock. Am Montag waren 40 Plätze belegt. Der Normalbetrieb wurde auf das Nötigste heruntergefahren, alle planbaren Operationen sind verschoben. Für Notfälle ist man aber weiterhin gerüstet. "Rund 80 Betten sind noch normal belegt, die meisten in der Geburtshilfe im dritten Stock", sagt Junge.

 

 

 

 

 
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