Neue Kupferbrücken kosten sechs Millionen Euro - und vier Landesstraßen werden saniert
Die Landesregierung erklärt sich zum genauen Zeitplan und den Kosten für Abriss und Neubau der maroden Brücken an der B19 zwischen Kupferzell und Gaisbach. Auch vier Landesstraßen im Kreisgebiet werden im laufenden Jahr erneuert.
Die Beseitigung eines lange währenden Nadelöhrs zwischen Gaisbach und Kupferzell wird seit Jahren sehnlichst erwartet: Nachdem die HZ im Januar berichtet hatte, dass die Erneuerung der zwei maroden B19-Brücken – eine führt über die Kupfer, die andere über die K 2371 – in diesem Jahr endlich angegangen wird, äußert sich das Verkehrsministerium nun genauer zum Ablauf der Arbeiten und deren Kosten.
Demnach wird nun in der sogenannten Kupfersenke folgendes umgesetzt: Neben dem Abriss und Neubau der beiden Brücken sollen auch deren „Anschlussbereiche an die B19 sowie der Bereich zwischen den beiden Brücken“ erneuert werden, meldet die Pressestelle des Ministeriums. Erstmals gibt es von dort auch konkrete Angaben zu den anfallenden Kosten: Rund sechs Millionen Euro werden die Arbeiten nach aktuellem Stand insgesamt kosten. Die stark befahrene Bundesstraße 19 muss während der gesamten Bauzeit in beiden Richtungen gesperrt werden.
Ablauf in Schritten
Zum Zeitplan äußert sich das Verkehrsministerium wie folgt: Die Herstellung der „Behelfsumfahrung“ sowie die notwendige Verdolung der Kupfer werden im September beginnen und „voraussichtlich bis Ende 2023 abgeschlossen“ sein. Nach HZ-Informationen sollen die Verkehrsteilnehmer etwa 250 Meter vor der Baustelle von der Bundesstraße herunter geführt und auf einer rund 200 Meter langen Trasse parallel zur gesperrten Strecke vorbeigeleitet werden. 2024 folgen der Abriss der alten Brücken und der Bau der zwei neuen Überführungen, was bis Anfang 2025 erledigt sein soll. Im August 2025 soll dann die komplette Baumaßnahme in der Kupfersenke beendet sein.
Ob bis dahin wohl auch das andere große B19-Nadelöhr wenige hundert Meter weiter südlich angegangen sein wird? Fakt ist: Bevor der Kreuzungsbereich bei Belzhag vierspurig ausgebaut werden kann, müssen noch mehrere Grundstücksbesitzer überzeugt werden, ihre Flurstücke abzutreten. Die Verhandlungen sind äußerst zäh. Mitte Februar hieß es von Seiten des Kreises, beide Baumaßnahmen würden nicht parallel ausgeführt, sondern nacheinander. Allerdings war zuletzt davon ausgegangen worden, dass die Brückenarbeiten 2023 beginnen und nur ein Jahr dauern, sodass ein Baustart bei Belzhag frühestens im Sommer 2024 realistisch war. Dieser könnte sich nun weiter verzögern, wenn die Brückenbaustelle erst im August 2025 vollständig beendet ist. Zuständig für die Planungen bei Belzhag ist nicht das Land, sondern das Straßenbauamt des Kreises – im Auftrag des Regierungspräsidiums Stuttgart.
Sicher ist: Auch Abschnitte von vier Landesstraßen im Hohenlohekreis werden im laufenden Jahr erneuert und modernisiert. Das Verkehrsministerium nennt schlagwortartig drei Vorhaben: die Instandsetzung der Jagstbrücke bei Altkrautheim an der L 515; auf der L 1022 soll zwischen der B19-Abfahrt und Hermuthausen ferner die Fahrbahn erneuert werden; und an der L 1025 bei Berlichingen sollen Böschungen saniert werden. Oliver Bückner, der das Straßenbauamt des Hohenlohekreises leitet, berichtet auf HZ-Nachfrage von einem vierten Projekt, das im Frühsommer umgesetzt wird: „Auf der L1088 zwischen der Kreisgrenze und Unterohrn gibt es auf vier Kilometern Länge eine neue Fahrbahndecke.“
Was genau geplant ist
Bückner kennt überdies auch ein paar Details zu den anstehenden Arbeiten in den anderen drei genannten Landesstraßen-Bereichen: An der Altkrautheimer Jagstbrücke finden Stahlbeton-Arbeiten statt – das Bauwerk muss gegen eindringendes Wasser geschützt werden, um so für die kommenden Jahrzehnte fitgemacht zu werden. Nach HZ-Informationen wird dies rund ein halbes Jahr dauern. Die Landesstraße 515 muss während der Arbeiten dann wahrscheinlich halbseitig für den Verkehr gesperrt werden.
Die L1022 zwischen B19 und dem Hermuthäuser Ortseingang ist, so Bückner, seit Jahren in „sehr schlechtem Zustand“. Ein Teil der Fahrbahn hat sich bereits abgesenkt. Mehrfach schon wurde auch hier die Sanierung verschoben, im Herbst vergangenen Jahres hat man mit „Notmaßnahmen“ noch behelfsweise nachbessern müssen, um die Verkehrssicherheit wenigstens einigermaßen zu erhalten.
Was unter der „Böschungssanierung“ im Bereich der L1025 bei Berlichingen exakt zu verstehen ist, kann der Straßenbauamt-Chef aus dem Stegreif nicht exakt sagen. Klar scheint jedoch zu sein: Die Verkehrsteilnehmer sollen hier entweder vor Steinschlag oder Erdrutsch besser geschützt werden.
Nach Angaben des zuständigen Ministeriums wird die Landesregierung 2023 im Hohenlohekreis „voraussichtlich 3,51 Millionen Euro an Erhaltungsmitteln“ in die hiesigen Landesstraßen investieren. Das ist heuer dann deutlich weniger als noch im Vorjahr.
Die fetten Jahre scheinen vorbei
Investitionssummen kann man erst im Vergleich so richtig einschätzen: Sind 3,51 Millionen Euro für die Modernisierung der Landesstraßen im Kreis nun viel oder wenig? Unsere Redaktion hat beim Land nachgefragt, wie viel Geld im vergangenen Jahrzehnt jeweils pro Jahr für Sanierung und Erhaltung in den Hohenlohekreis geflossen ist.
Es zeigt sich: Betrugen 2013 die entsprechenden Aufwendungen noch lediglich 962 000 Euro, folgten danach mehrere fette Jahre - weil der Kreis und zahlreiche Kommunalpolitiker auf die Barrikaden gegangen waren und beim Land auf Erhöhung gedrungen hatten.
Zwischen 2014 und 2017 kletterten die Mittel zunächst auf jeweils um die drei Millionen Euro jährlich, um dann 2019 mit 9,1 Millionen ein Rekordhoch zu erreichen. 2020 gab es 7,3 Millionen. 2021 wurden dann nur noch 3,3 und 2022 rund 4,9 Millionen Euro in die Landstraßen im Kreis investiert.
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