Stimme+
Rot am See
Zur Merkliste Lesezeichen setzen

Hohenloher Kult-Veranstaltung Muswiese ist zurück - mit "fulminantem Start"

   | 
Lesezeit  2 Min
Erfolgreich kopiert!

Seit Samstag läuft die Muswiese, Hohenlohes großer Jahrmarkt, wieder. Zuletzt musste sie wegen der Corona-Pandemie pausieren. Die Wirte haben neue Herausforderungen - der Jahrmarkt hat sich verändert.

Von Götz Greiner
Brigitte Hertle ist Kellnerin der Muswiesenwirtschaft Uhl: In der geräumten Maschinenhalle genießen 350 Menschen ihr Essen − und das ein oder andere Schwätzchen.
Brigitte Hertle ist Kellnerin der Muswiesenwirtschaft Uhl: In der geräumten Maschinenhalle genießen 350 Menschen ihr Essen − und das ein oder andere Schwätzchen.  Foto: Götz Greiner

Der Arbeitstag von Brigitte Hertle zählt hunderte Teller - und tausende Schritte. Denn: Schlachtplatte, Rinderbraten und Schnitzel mit Salat fliegen den Gästen in der Muswiesenwirtschaft Uhl schließlich nicht von selbst in den Mund.

Hertle nimmt sich die Teller aus der Durchreiche der Küche, greift vier in Servietten gehüllte Bestecke, legt sie dazu - und los geht es: zum Biertisch mit der Nummer 47. An schäumenden Bierkrügen, Colaflaschen mit "Röhrle" und dem Schanktisch entlang geht es zu den Tischen. Sie liefert das Essen ab. Zu dem Tisch, der am weitesten entfernt ist, braucht sie knapp 40 Schritte.


Mehr zum Thema

Musdorf wird endlich wieder zum Menschen-Magneten. Vom Riesenrad aus hat man den besten Überblick.
Foto: Archiv/Ufuk Arslan
Stimme+
Rot am See
Hinzugefügt. Zur Merkliste Lesezeichen setzen

Muswiese sorgt bei Hohenlohern für Frühlingsgefühle im Herbst


Da kommen am Tag allerhand zusammen: Von Samstag bis Donnerstag läuft sie diesen Weg, bringt hungrigen Muswiesenbesuchern ihre Speisen, fährt nach Feierabend heim - und fällt ins Bett.

Bauernwirtschaft Uhl besteht seit 1922

48 Biertischgarnituren stehen in besagter Halle. Die bieten Platz für etwa 350 Menschen, sagt Gerhard Uhl, Chef des Betriebs. "Ich rechne mit sieben Leuten pro Tisch", so der 65-Jährige. Eigentlich haben dort sogar acht Menschen Platz, aber "da sitzt mal keiner oder der Einkauf liegt auf der Bank daneben".

Vor 100 Jahren hat sein Großvater zum ersten Mal die Muswiesenbesucher unter dem Namen bewirtet. Früher wurde noch in den alten Bauernhäusern getafelt, die Wohnräume leergeräumt und mit Tischen vollgestellt, erzählt Uhl. Dieses Gefühl von einst ist vor Ort noch im Gasthaus Zum Ochsen der Familie Pressler oder in der Weinstube Pietz erlebbar.

Wirt muss mit Problemen kämpfen

Vieles ist gleich geblieben auf der Muswiese, einiges hat sich in den letzten Jahren aber verändert. Zum Beispiel das Personal in der Muswiesenhalle Uhl. Menschen, die dreißig Jahre lang gekellnert haben, fehlen mittlerweile: "Es gibt nicht mehr so viele Leute, die bereit sind, das zu machen. Einige haben auch kurzfristig abgesagt", weiß der Muswiesenwirt zu berichten.

Ein Familienbetrieb, der den Namen verdient: Bei den Uhls helfen zahlreiche fleißige Hände mit − so etwa auch Helmut, Bruder des Chefs (links).
Ein Familienbetrieb, der den Namen verdient: Bei den Uhls helfen zahlreiche fleißige Hände mit − so etwa auch Helmut, Bruder des Chefs (links).  Foto: Götz Greiner

Wer sich dann in den Strom der Menschen begibt, die an diesem Nachmittag bereits den Krämermarkt bevölkern, bemerkt auch dort Unterschiede: "Einige Händler haben altershalber aufgehört. Während Corona haben sich manche auch umorientiert", berichtet Beate Meinikheim von der Gemeinde Rot am See - bei ihr laufen die Fäden der Organisation des größten Jahrmarkt in Hohenlohe zusammen.

Weniger, aber größere Stände

Das Jahr 2022 und damit die Wiederkehr der Jahrhunderte währenden Tradition markiert einen kleinen Neustart der Muswiese: Die Zahl der Stände wurde reduziert, von 280 auf 260. Einige Verkaufsstellen wurden vergrößert, andere sind umgezogen. Und: Neue Händler sind dazugekommen. "Ich gehe auf viele Märkte im Jahr und suche nach Produkten, die wir noch nicht haben", so Organisatorin Meinikheim, die auch eine lange Warteliste an Bewerbern für den Krämermarkt hat.


Mehr zum Thema

Ob in Tracht oder Alltagskleidung: Im großen Festzelt auf den Künzelsauer Wertwiesen soll ab heute vier Tage lang gefeiert werden. Die Maß Bier darf dabei nicht fehlen.
Foto: Olivier Schniepp
Künzelsau
Hinzugefügt. Zur Merkliste Lesezeichen setzen

Wert-Wiesn bringt Volksfest-Gaudi nach Künzelsau


In der Gewerbeausstellung ist die Zahl der Aussteller von 140 auf 120 gesunken. Und an anderen Stellen taten sich regelrechte Probleme auf: Die Musdorfer Familie Ziegler hatte sich schon im Frühjahr entschieden, dieses Jahr nicht zu bewirten - zu groß war für sie das finanzielle Risiko, wenn die Muswiese ausgefallen wäre.

Ordentlich was los: Am Dienstagmittag tummeln sich die Menschen in den Gassen Musdorfs. Am Wochenende zuvor waren ganze 120 000 Menschen dort.
Ordentlich was los: Am Dienstagmittag tummeln sich die Menschen in den Gassen Musdorfs. Am Wochenende zuvor waren ganze 120 000 Menschen dort.  Foto: Götz Greiner

Auch bei den Muswiesenbussen sah es anfangs düster aus, wegen des Personalmangels: "Zuerst dachten wir, es würden gar keine fahren. Unser Busunternehmer konnte dann noch die Hälfte des eigentlichen Pensums schaffen." So fahren in diesem Jahr Busse auf fünf Strecken. Im Jahr 2018 waren es noch sieben gewesen.

120.000 Besucher am Eröffnungswochenende

Die Auswirkung wurde am Sonntag deutlich: Am frühen Abend brauchten viele im Auto angereiste Muswiesenbesucher Geduld, es gab einen langen Stau an einer der Parkplatz-Ausfahrten. "Das war ein fulminanter Start am Wochenende, mit richtig gutem Wetter", sagt Meinikheim. Die Polizei schätzt die Besucherzahl für beide Tage auf insgesamt 120.000. Das hat auch der Wirt Gerhard Uhl gespürt: "Am Sonntagabend sind uns die Bratwürste ausgegangen."

Am Donnerstag (13. Oktober) endet die Muswiese. Auf dem Programm stehen die Mittelstandskundgebung um 16 Uhr in der Festhalle Hahn - mit dem parlamentarischen Staatssekretär a. D. Rezzo Schlauch - und das große Feuerwerk um 20 Uhr.

 
Kommentare öffnen
Nach oben  Nach oben