Von Landrat Neth zu Landrat Schölzel: Feierliche Übergabe im Hohenlohekreis
Der scheidende Landrat Matthias Neth übergibt vor 400 Gästen in der Öhringer Kultura an Ian Schölzel. Ein emotionaler Abschied. Und eine knackige Neueinsetzung.

Es ist ein Tag voller Emotionen. Und wie immer ist der zu diesem Zeitpunkt noch amtierende Landrat Matthias Neth nicht ganz unschuldig daran. Mit bewegenden Worten überreicht er seinem Nachfolger drei Geschenke, die er persönlich ausgesucht hat.
Einen Aufkleber für die Feuerwehrjacke, der stehe für die Verantwortung, die das neue Amt für Ian Schölzel mit sich bringe. Dann das neue, rote Kreisgrenzschild. Das habe er selbst bestellt und bereits bezahlt, versichert Neth, und es stehe für die landrätliche Gestaltungsmöglichkeit. Und ein Büchlein mit Gedichten, von denen eines heißt: "Grundlos vergnügt." Neth: "Ich hoffe, dass das Hohenloher Land Dich so einnimmt, dass Du Dich jeden Tag grundlos freust."
Dankesrede vom scheidenden Landrat Neth
Überhaupt war Neths Handschrift das gesamte Programm über spürbar: Statt langer Reden dankte er in viereinhalb Minuten mit sehr persönlichen Worten all den Menschen, die ihn und seine Familie in den elf Jahren im Hohenlohekreis unterstützt haben, seinem Fahrer, der mehr Vertrauter war, seinem Büro, das den "täglichen Witz ertragen und sogar noch lachen musste", seinen Assistentinnen und all den 1000 Mitarbeitenden und dem Kreistag und allen Wegbegleitern. Und seiner Frau Jutta, der er aber dafür keine Blumen geben dürfe.

Elf Jahre in elf Bildern und elf Minuten. Dass das geht, zeigte Hohenloher-Zeitung-Redaktionsleiter Ralf Reichert, als er mit Neth auf prägende Momente in dessen Amtszeit zurückblickte. Gelb blinkend zeigt die Kreistagsampel an, wenn die Redezeit fast verstrichen ist, rot, wenn sie vorüber ist. "Im Kreistag klappt das nicht immer", warnt Neth seinen Nachfolger vor.
Er selbst wird nur zweimal ausgebremst – und als es um den immer noch nicht realisierten Ausbau der A6 geht, ist ihm das gar nicht unrecht. Die Bilder zeigen Neths Wahl 2013 und die Wahl zum Sparkassen-Präsidenten im Februar 2023. Was die emotionalere Wahl war? "Die erste Wahl", bekennt Neth. "Dass die Hohenloher so verrückt waren, mich mit 33 Jahren zum damals jüngsten Landrat zu wählen", das habe er so nicht erwarten können.
Schöne und harte Erinnerungen an Zeit als Landrat im Hohenlohekreis
Aber auch harte Momente werden deutlich mit Bildern zu den Protesten vor der Schließung des Krankenhaus-Standorts Künzelsau oder dem Jagstunglück 2015 und der Sturzflut im Mai 2016. Das eine habe Wunden geschlagen, verrät Neth. Bei den Unglücken geholfen hätten "zwei grandiose Kreisbrandmeister".
"Da kannst Du gut Landrat sein, wenn Du zwei solche Typen hast", zollt er Günter Uhlmann und Torsten Rönisch Respekt. Und dann kommen zwei Bilder, über die alle im Saal grinsen: Neth, flankiert von den Bürgermeistern Christoph Spieles und Torsten Kunkel bei ihrer Mission impossible zu Beginn der Corona-Krise.
Und ein Berg Gelber Säcke. Alle wissen nun: Den trägt Matthias Neth vor die Tür. Am liebsten in Boxershorts. Und in Öhringen ist zum Abfuhrtag immer Sturm. Überhaupt soll nicht die Tristesse des Abschieds überhandnehmen. Dafür sorgt die Musik von In Blue, der Band, die auch schon bei Neths Wiedervereidigung 2021 gespielt hat. Und Festredner Professor Armin Nassehi. Der Soziologe spricht über Veränderungen, die Windräder, die alle befürworten, die aber keiner in seinem Garten haben will.
Charismatischer Festredner Armin Nassehi
Der charismatische Redner erkennt "die Wertschätzung für Neth" und beschreibt eine anarchische Situation, in der sich der Hohenlohekreis befindet: Regierungspräsidentin Susanne Bay hat Neth mit anerkennenden Worten und Urkunde aus dem Amt entlassen. Und erst später Ian Schölzel mit Gelöbnis und Handschlag ins Amt eingesetzt.
Ein ganz besonderer Moment in der Geschichte des Hohenlohekreises. Geprägt bei den Festgästen von ein bisschen Wehmut, ganz viel Dankbarkeit und der Bereitschaft, den "Schwaben Schölzel zu integrieren", wie Susanne Bay ihm wünscht.


Stimme.de
Kommentare