Kostenexplosion bei Kindergarten-Neubau in Mulfingen
Die Gemeinde Mulfingen sieht sich mit steigenden Baupreisen konfrontiert, der Kindergarten wird wesentlich teurer als gedacht. Dabei kämpft die Gemeinde bereits mit finanziellen Problemen.

Hätten wir nicht schon angefangen, würde ich sagen, wir warten noch ein Jahr." So die Worte von Architektin Margit Munz, als sie dem Mulfinger Gemeinderat die enorme Kostensteigerung beim Bau des Kindergartens erklärt. Teures Baumaterial, Lieferengpässe, zum Teil gar keine Angebote für einzelne Gewerke, vieles kommt derzeit zusammen. Statt der ursprünglich geplanten fünf Millionen Euro liegt der Kindergarten, "nach derzeitigem Stand bei 6,5 Millionen", so die Architektin. Darin noch nicht enthalten sind die ebenfalls gestiegenen Kosten für die Außenanlage, die Architekt Markus Gundelfinger an diesem Tag ebenfalls vorstellt.
Klage würde Zeit kosten
"Das ist noch nicht das Ende der Fahnenstange, es macht derzeit gar keinen Spaß", zieht Margit Munz in der jüngsten Sitzung ein Fazit. Dem stimmt Dieter Göller vom Technischen Amt zu. "Das ist mein erster Bau, bei dem es solche Probleme gibt", erklärt er. "Wir haben bei der letzten Sitzung Gewerke verteilt, jetzt kommen die Handwerker, die die Preise nicht mehr halten können. Was machen wir dann? Eine Klage würde nur Zeit kosten, also suchen wir nach Lösungswegen. Wir müssen jetzt kreativ werden, um die Kuh vom Eis zu holen."
Nicht nur beim Bau des Gebäudes, auch bei den Außenanlagen steigen die Kosten um ein Vielfaches. 250.000 Euro waren dafür eingeplant. "Die Kosten können wir definitiv nicht einhalten", stellt Markus Gundelfinger, als Architekt für die Außenanlagen zuständig, klar. 600.000 Euro seien es nach derzeitigem Stand.
Für diese bekommt der Kindergarten dann Fahrradabstellmöglichkeiten vor dem Haus und Stellplätze - "ausschließlich für Erzieherinnen gedacht, nicht für Publikumsverkehr" - hinter dem Haus. Im Gartenbereich wird es einen Spielbereich für Kinder über drei Jahre geben, "die haben den kürzesten Weg zum Spielbereich." Hier findet sich ein Sandkasten mit Sonneschirm, eine Schaukel und eine kleine, 60 Zentimeter Hügelrutsche. Ein Stück weiter kommt der Ü3-Spielbereich, "hier gibt"s klassisch eine Schaukel, eine Kriechröhre und ein Hochtrampolin", erklärt der Architekt. Danach folgt eine freie Fläche. "Hier können Feste gefeiert, Fußball gespielt oder getobt werden", so Gundelfinger.
Sickermulde als Highlight im Kindergarten
Im Anschluss daran folgt das Highlight des neuen Kindergartens: Die Sickermulde. "Wir müssen Wasser vom Bach Zwischenpuffern und zwar eine ganz bestimmte Menge", erklärte der Architekt. "Wir haben versucht, aus der Not eine Tugend zu machen." Und so wird die Sickermulde integriert in einen "Spielbereich Wildnis", mit einem Hügel in der Mitte, Bäume und Weidegebüsch "und viel Naturmaterial, mit dem Kinder spielen können." Der maximale Wasserstand beträgt 20 Zentimeter. "Die Mulde kann im Sommer als Wasserrutsche mit Plane genutzt werden", beschreibt der Architekt das Areal. Zudem wird es einen "Spielbereich Verkehr" geben, "da können alle mit einem Bobbycar entlangfahren".
"Der Plan sieht für mich als Laie zweckmäßig aus", sagt Martin Landwehr am Ende des Vortrags. "Ich sehe hier keinen unnötigen Schnickschnack, aber die Kostensteigerung auf 600.000 Euro ist eine Ansage", so das Ratsmitglied. "Die 250.000 Euro stammen aus der Anfangszeit, als es noch keinerlei konkretere Überlegungen gab", versucht Dieter Göller sich an einer Erklärung.
Problematische Haushaltssituation
Trotz der enorm gestiegenen Kosten beschließt der Rat einstimmig, die Außenanlagen umzusetzen. Auch, weil Bürgermeister Robert Böhnel auf den Zuschussantrag für Außenanlagen verweist, der ebenfalls in dieser Sitzung beschlossen wurde. Dieser ist wichtig, denn die Gemeinde steckt bereits in finanziellen Schwierigkeiten aufgrund hoher Umlagenzahlung und zurückgehender Gewerbesteuereinnahmen (wir berichteten). Wie problematisch die Situation ist, wird sich in der kommenden Woche zeigen, wenn der Rat seinen Haushalt verabschiedet.
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