Klimastreik in Öhringen: Verkehrswende soll Politik werden
Fridays for Future und andere Organisationen protestieren auf dem Marktplatz. Rund 100 Menschen demonstrieren friedlich.

Bessere Mobilität ist das Thema beim globalen Klimastreik, zu dem Fridays for Future aufgerufen hat. Etwa 100 Menschen sind auf den Öhringer Marktplatz gekommen, wohin der regionale Ableger der Organisation Hohenlohe for Future am Freitagnachmittag, 3. März, um 16 Uhr zu einer der beiden Klima-Demos im Kreis aufgerufen hat - neben der am Alten Rathaus in Künzelsau.
"Auch Öhringen muss mehr machen", sagt Gudrun Krebs-Bothner, eine der beiden Organisatorinnen, am Rand der Demo. Sie ist Teil von Parents for Future (PfF) und Öhringen Klimaneutral und sagt: "Lippenbekenntnisse gibt es viele in der Stadt. Aber Fahrradfahrer leben hier gefährlich." Sie sei konsequent mit dem Rad in der Stadt unterwegs. Es sei eine Autostadt, "aber ein Verkehrskonzept ist in Arbeit, ich hoffe, dass sich da viel ändert."
Polizei verlässt Demo früh
Die andere Organisatorin Brigitte Roloff von Öhringen Klimaneutral und PfF moderiert das Programm. Ihr anfänglich geäußerter Wunsch nach einer friedlichen Demonstration wird wahr. Das wird dadurch deutlich, dass ein Polizist nach etwa 20 Minuten nicht mehr zu sehen ist.
Für Hohenlohe for Future spricht Lotta Birkert aus Bretzfeld, die eine Öhringer Schule besucht. Die Demonstrierenden spenden ihr Applaus bei dem Satz: "Wir sind die, die dafür kämpfen können, dass Öhringen klimaneutral wird, bevor es zu spät ist." Doch das gehe nicht ohne Veränderungen, die für manche neu und fremd seien: "Dort, wo einmal Äcker waren, stehen dann Windräder."
Hans-Martin Sauter ist der Sprecher des Vorstands des Verkehrsclubs Deutschland in der Region. Er spricht zu dem eigentlichen Hauptthema des globalen Klimastreiks. Dabei kritisiert er den Verkehrswegeplan, den die FDP, die er "Porschepartei" nennt, so durchsetzen wolle, wie er "zum Teil noch im vergangenen Jahrhundert aufgestellt wurde", und der den Ausbau der Fernverkehrsstraßen verstärkt vorsehe. Das setzt Sauter in Kontrast zu Aussagen des Bundesumweltministeriums: Statt wie vorgesehen etwa 42 Prozent der Mittel für die Förderung der Schiene einzusetzen, sollten es 60 Prozent sein, heiße es dort, so Sauter. Ein Tempolimit helfe mehr als Autobahnausbau.
Planungen stoppen, wie in Österreich
Er verweist dabei und beim Thema A6-Ausbau auf das Beispiel Österreich, wo alle Straßenbau-Planungen gestoppt und überdacht worden seien. Das Ergebnis sei gewesen, dass "elf Projekte gestrichen worden sind und eines abgewandelt, weil an der Stelle Schienenbau nur schwer möglich gewesen wäre."
Die gestockte Entwicklung bei der Hohenlohebahn spricht Sauter ebenso an. Er selbst habe bei der Deutschen Bundesbahn gelernt. In Gesprächen früher sei es ein Sakrileg gewesen, die Westfrankenbahn zu kritisieren. Sie sei ein "Vorzeigeunternehmen" gewesen. Jetzt fehlen Lokführer und es gebe viele Ausfälle. "Die Elektrifizierung ist ohne große Probleme und Kosten möglich", das habe eine wissenschaftliche Arbeit gezeigt.
Klimaprojekte in der eigenen Gemeinde voranbringen
Als letzter Redner spricht Fabian Fluhrer vom Klimateam Schöntal, das vor Ort Klimaschutz vorantreiben will. "Denn unser Einflussbereich ist nicht Stuttgart, Berlin oder Brüssel, sondern die eigene Gemeinde." Der Verein habe schon eine Firma gegründet, die Klimaschutz-Projekte mit Bürgerbeteiligung in Schöntal verwirklichen soll.
Nach etwa einer dreiviertel Stunde geht die Demonstration zu Ende. Brigitte Roloff ruft die Teilnehmenden zu Zuversicht auf und grenzt diese Einstellung von Pessimismus und Optimismus ab: Die Leute sollen sich nicht dem Schicksal ergeben und auch nicht auf eine wundersame Rettung durch technischen Fortschritt hoffen - sondern aktiv Klimaschutz vorantreiben.
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