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Hohenlohe

Keine weiteren Fälle von Geflügelpest

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Tierhalter schweben zwischen Hoffen und Bangen. Geflügelschau muss abgesagt werden. Kaninchen dürfen auf Öhringer Pferdemarkt gezeigt werden.

Der Ehrenvorsitzende des Öhringer Kleintierzuchtvereins Z 368, Siegfried Basmer, mit einer Taube auf dem Arm. Auf Geflügel müssen die Tierfreunde bei der diesjährigen Ausstellung im Rahmen des Pferdemarkts verzichten.
Foto: Archiv/Büchele
Der Ehrenvorsitzende des Öhringer Kleintierzuchtvereins Z 368, Siegfried Basmer, mit einer Taube auf dem Arm. Auf Geflügel müssen die Tierfreunde bei der diesjährigen Ausstellung im Rahmen des Pferdemarkts verzichten. Foto: Archiv/Büchele  Foto: Büchele

Der Ausbruch der Geflügelpest mit dem hochansteckenden Influenza A Virus H5N8 in einem Stall in Bretzfeld-Scheppach hat nicht nur die zahlreichen Geflügelzüchter in der Region aufgeschreckt.

Der Fall beschäftigt auch die Kleintierzüchter an Kocher und Jagst. Die Viruserkrankung verläuft für Geflügel meist tödlich, Menschen sind davon nicht betroffen. Der rund 30 Tiere umfassende Bestand in Bretzfeld wurde getötet und entsorgt.

Keine Panik

"Wir sind natürlich sensibilisiert, aber es macht auch keinen Sinn in Panik zu verfallen", sagt Maik Noz vom Brunnenhof im Künzelsauer Ortsteil Mäusdorf. Der Demeter-Geflügelhof ist für seine Puten- und Geflügel-Spezialitäten in ganz Süddeutschland bekannt. Die jeweils rund 2000 Puten und Hähnchen, die in Mäusdorf aufgezogen werden, genießen seit Jahren die Freihaltung mit großzügigem Auslauf. Das wird auch bis auf Weiteres so bleiben, denn der Brunnenhof liegt außerhalb des Sperrbezirks und des Beobachtungsgebietes, das der Hohenlohekreis mit einer Allgemeinverfügung im Umkreis von drei beziehungsweise zehn Kilometern bestimmt hat (siehe Karte).

Strenge Auflagen

Für die 70 privaten und gewerblichen Geflügelhalter im Sperrbezirk und die 200 im Beobachtungsgebiet, sieht das ganz anders aus. Die Tiere müssen in geschlossenen Ställen gehalten werden. Zudem müssen die Halter die Anzahl ihrer Tiere dem Veterinäramt melden und jede Veränderung anzeigen, sowie besondere Desinfizierungsmaßnahmen sicherstellen.

"Bisher sind glücklicherweise keine weiteren Fälle der Krankheit aufgetreten", betont ein Sprecher des Landratsamtes gegenüber der HZ. Nach wie vor geht das Veterinäramt des Kreises davon aus, dass Wildenten die Krankheit übertragen haben. Die Dauer der Schutzmaßnahmen hänge von der weiteren Entwicklung der Situation ab, so der Sprecher. Da die Geflügelpest an die EU gemeldet werden muss, entscheidet auch die Brüsseler Behörde über den Zeitpunkt der Aufhebung der Verfügung.

 

 

Stark eingeschränkt

Diese betrifft auch die Vereine. So darf der Öhringer Kleintierzüchterverein Z 368 seine Lokalschau, die im Rahmen des Pferdemarktes stattfindet, nur sehr eingeschränkt durchführen. Da kein Federvieh ausgestellt werden darf, bleiben den Tierzüchtern nur Kaninchen. "Wir haben heute abend eine Vorstandssitzung und entscheiden dann, was wir am Wochenende tun", betont der Ehrenvorsitzende des Vereins Siegfried Basmer.

"Ein Großteil der Vorarbeiten, die wir am vergangenen Wochenende gemacht haben, war aber auf jeden Fall umsonst", so der 64-Jährige, der selbst Tauben und Zwerghühner züchtet. Er hofft, dass die Stallpflicht bald wieder aufgehoben werden kann. "Wir wollen unsere Tiere ja so naturnah wie möglich halten", unterstreicht der Züchter.

Aufstallungspflicht erweitern

Georg Heitlinger, Großgeflügelhalter in Eppingen, geht die angeordnete Aufstallungspflicht im Umkreis von zehn Kilometern rings um den Nachweisort dagegen nicht weit genug.

Die Maßnahme müsste seiner Meinung nach für ganz Baden-Württemberg gelten: "Die infizierten Wildvögel machen doch an dem Sperrkreis nicht Halt." Er lässt bis auf Weiteres alle 36 000 Legehennen im Stall. Bis zu sechzehn Wochen lang dürfen die Eier als Freilandeier deklariert werden. "Bis jetzt ist bei uns alles gesund, ich will auch, dass das so bleibt."

Der Landwirt hält sich nach eigenen Angaben ganzjährig an die vorgeschriebenen Maßnahmen zur Biosicherheit. Dennoch habe er nach Bekanntwerden des jüngsten falls die Hygienemaßnahmen nochmals verstärkt. So werden die Hygienematten am Stalleingang noch häufiger mit Desinfektionsflüssigkeit befüllt.

Drei Geflügelhalter im Landkreis Heilbronn betroffen

Im Landkreis Heilbronn liegt nur ein kleiner Bereich in der Sperrzone: Wieslensdorf, Ortsteil der Gemeinde Obersulm. Diesen Mittwoch werden die Schilder „Sperrbezirk“ an den Ortseingängen angebracht. In der Kreisverwaltung Heilbronn war bereits am 7. Februar, unmittelbar nach Bekannt werden des Geflügelpest-Falls in der Gemeinde Bretzfeld ein kleiner Krisenstab gebildet worden. „Das Auftreten der Tierseuche ist vor allem für die Veterinärämter eine enorme Zusatzbelastung“, so der Heilbronner Kreissprecher Manfred Körner. 

Innerhalb des Sperrbezirks mit seinem drei Kilometer großen Radius befinden sich auf hohenlohischer Seite 70, auf Heilbronner Seite drei Geflügelhalter. Innerhalb des Beobachtungskreises, der einen Radius von zehn Kilometern umfasst, befinden sich auf der Seite des Hohenlohekreises 200 Halter, auf der Seite des Heilbronner Landkreises 233 Halter. Auch Halter im den nordwestlichen Ausläufern des Kreises Schwäbisch Hall sind betroffen.


Infos zum Virus

Die Geflügelpest wird auch als aviäre Influenza, als Vogelgrippe und seit 1981 überwiegend als hochpathogene Influenza-Virus-Infektion bezeichnet. Sie ist eine durch Viren hervorgerufene anzeigepflichtige Tierseuche, von der Hühner, Puten, Gänse, Enten, wildlebende Wasservögel und andere Vögel betroffen sein können. Bei einer Infektion mit den aggressiveren Virusstämmen, wie dem in Bretzfeld aufgetretenen A Virus H5N8, führt sie meist zum Tod der Vögel.

Einige Geflügelpest-Viren, insbesondere die Variante A H5N1, sind in Einzelfällen auf Menschen, Zootiere wie Leoparden sowie auf Hauskatzen übertragen worden. Vermutlich nach Kontakt mit infiziertem Geflügel kam es im Februar 2013 erstmals zu Infektionen von Menschen durch die Vogelgrippe Influenza A-Virus H7N9 und auch zu Todesfällen in der Volksrepublik China. 

 
 
 
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