Forchtenberger Imbiss-Bus soll eigentlich am Bahnhof stehen, doch es gibt Probleme
Wir haben uns den Imbiss von Frank Schmelzer angeschaut und erklären, warum es "Theos Bus am Fluss" einfach nicht zu seinem Standort am Forchtenberger Bahnhof schafft.

Rot leuchtet der schmucke Oldtimer-Bus in der Sommersonne und zieht die Blicke auf sich. "Theos Bus am Fluss" ist darauf zu lesen.
Wer sich dem Gefährt nähert, dem weht ein mundwässernder Duft entgegen. Denn im Inneren des Doppeldecker-Busses brutzelt Frank Schmelzer alias Theo in der winzigen mobilen Küche und richtet Speisen an.
So mancher Aldi-Kunde gönnt sich hier neben dem Parkplatz in Forchtenberg noch einen Happen, bevor es nach Hause geht. Immerhin. Doch optimal ist der Standort für den Gastronomen keineswegs.
Zustimmung im Gemeinderat
Eigentlich sollte der Bus, Baujahr 1963, längst an seinem Bestimmungsort, dem Forchtenberger Busbahnhof, stehen. Neben dem Stellplatz sind ein Toilettenhäuschen für die Gäste geplant, Fahrradständer und eventuell sogar Schließfächer für die Radtouristen. Im städtischen Gemeinderat hat das Projekt durchweg Zustimmung erfahren. Und wie Schmelzer berichtet, habe er auch von Veterinäramt, Lebensmittelüberwachung und Kreisbrandmeister positive Signale erhalten. Doch es hapert seit Monaten an der Baugenehmigung. Der Antrag liegt beim Landratsamt.
Die Behörde erklärt auf Nachfrage der Hohenloher Zeitung: "Eine Bauvoranfrage aus dem Jahr 2021 wurde positiv beschieden. Diese bezog sich jedoch ausschließlich darauf, ob der Bus am geplanten Standort aufgestellt werden darf." Aber: "Da der Bus dauerhaft am selben Platz stehen soll, ist er - im Gegensatz zu den sogenannten Foodtrucks, die mobil eingesetzt werden - als bauliche Anlage zu behandeln", meint Sascha Sprenger, Sprecher des Landratsamts Hohenlohekreis. Soll heißen: Der Bus muss wie ein feststehendes Gebäude behandelt werden, obwohl er de facto ein bewegliches Fahrzeug bleibt.
Hürden des Baurechts

Daraus ergeben sich für die Baubehörde einerseits "aufwendige Prüfungen", die eine in diesem außergewöhnlichen Fall "über das übliche Maß hinausgehende Bearbeitungszeit" erfordern. Andererseitshat Schmelzer mit Hürden zu kämpfen, die ein mobiler Imbiss nicht bewältigen müsste. So gelten strengere Bestimmungen etwa bei Brandschutz, Arbeitsschutz, Rettungswegen und anderem. Denn Schmelzer will natürlich auch die Hauptattraktion seines Busses, die obere Etage mit ihren Sitzplätzen, zur Bewirtung der Gäste nutzen.
Das könnte dazu führen, dass er eine Außentreppe an den Bus montieren muss, um einen zweiten Fluchtweg sicherzustellen. Die schmale und steile Treppe im Bus führt nämlich direkt an der Imbissküche vorbei. Bei einem Feuer wäre das kein sicherer Weg, um die obere Etage zu verlassen. Wie er eine solche Außentreppe anbringen soll, dafür fehlt Schmelzer derzeit noch die Fantasie. Er möchte den historischen Bus ja auch erhalten. Es bleibe abzuwarten, was letztlich genau gefordert werde. Dann werde er "Gespräche führen, wie eine Lösung aussehen könnte".
Stimmiges Konzept mit Liebe zu Details
In seinen Traum vom besonderen Food-Bus hat der gelernte Papiermacher viel Zeit und Geld investiert. Inzwischen ist der 53-Jährige frustriert, dabei wollte er mit seiner Idee "etwas Besonderes für die Stadt machen". So hat er Bäcker und Metzger aus der Region im Boot, will sein Essen auf Porzellangeschirr ausgeben, das dem typischen Imbiss-Papptellern zum Verwechseln ähnlich sieht. Viele Details und viel Liebe stecken in dem Projekt. Theos Kasse ist in einer Säule im Stil einer britischen Telefonzelle versteckt. Bildschirme oben wie auch in einem Fenster des Busses unten informieren über den Imbiss, geben Tipps für Touristen, was sie in Forchtenberg erleben und sehen können. Bisher fahren die Touristen aber größtenteils am Bus vorbei, weil er zu abseits steht.
"Ich schätze, oben am Busbahnhof könnte ich den dreifachen Umsatz machen", rechnet Schmelzer vor, der den Betrieb im Februar aufgenommen hat. Immerhin konnte er einige zusätzliche Veranstaltungen bewirten, unter anderem bei der Nacht der Keller und dem Frühlingsfest in Forchtenberg. Schließlich ist der Bus mobil.
Ungewisse Zukunft
Wie es weitergeht, auch finanziell, weiß der Gastronom nicht. Neben der Baugenehmigung wartet er auch noch auf Nachricht vom Regierungspräsidium Stuttgart. Denn es müssen die Belange des Hochwasserschutzes gewahrt bleiben. Der geplante Standort befindet sich im Überschwemmungsgebiet, was einen sogenannten Retentionsausgleich nötig macht. Die Stadt habe bereits signalisiert, an einer Lösung mitzuhelfen. Immerhin. Wie lange die Hängepartie noch dauert, darauf möchte sich derzeit keiner der Befragten festlegen. Derweil steigen die Baukosten für das geplante Toilettenhäuschen immer weiter an und bereiten Schmelzer zusätzlich Bauchschmerzen.
Öffnungszeiten am jetzigen Standort:
Dienstag bis Samstag, 11.30 bis 14.30 Uhr
Freitag, 11.30 bis 17 Uhr
Bezug zu Forchtenberg
Den Bus hat Frank Schmelzer vergangenes Jahr im Juli in München erworben. Dort war er 30 Jahre lang als Messebus im Einsatz. Eine ungeahnte Beziehung zu Forchtenberg bestand aber bereits, bevor Schmelzer sich für den Bus interessierte: "Anlässlich des 75. Geburtstags von Sophie Scholl ist der Bus ein Jahr lang mit Bildern der Weißen-Rose-Ikone beklebt gewesen und in München herumgefahren", erzählt Schmelzer. Das habe auch er erst im nachhinein erfahren. Nun ist der Bus ausgerechnet in der Geburtsstadt Sophie Scholls gelandet.
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