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Beim Landeskinderturnfest in Künzelsau ist alles in Bewegung

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Die flirrende Stimmung beim Landeskinderturnfest erzeugt einen kollektiven Energieschub, den man lange vermisst hat. Dieses Wochenende werden die über 4000 Teilnehmer nicht so schnell vergessen.

Abgehoben: Die Showgruppe Avanti des TSV Hüttlingen bildet den akrobatischen Höhepunkt der Turni-Gala im Carmen-Würth-Forum. Wie sie das Thema Vielfalt in Szene setzt, ist atemberaubend.
Abgehoben: Die Showgruppe Avanti des TSV Hüttlingen bildet den akrobatischen Höhepunkt der Turni-Gala im Carmen-Würth-Forum. Wie sie das Thema Vielfalt in Szene setzt, ist atemberaubend.  Foto: Reichert, Ralf

Dese Energie sucht ihresgleichen. In den Hallen, in den Gassen, auf den Wertwiesen. Alles ist in Bewegung. Ein ganzes Wochenende lang. Das Landeskinderturnfest in Künzelsau ist ein kollektives Erlebnis, wie es der Turngau Hohenlohe noch nie gesehen hat. Und wie es junge Menschen, die Spiel und Sport lieben, so lange vermisst haben. Die Luft flirrt und vibriert. Und es liegt nicht an der Hitze. Es ist ein Event, der die Körper und die Sinne mobilisiert. Es inspiriert, motiviert, fasziniert. Diese Ausgelassenheit und Freude, diese Vitalität und Kraft: Sie ist überall mit Händen zu greifen. Und sie überträgt sich von den Teilnehmern auf die Besucher. Die Stimme hat diese besondere Atmosphäre am Samstag erspürt. Für vier Stunden, von 17 bis 21 Uhr. Wir wollten die volle Ladung Landeskinderturnfest. Und haben sie bekommen. Eine Geschichte in drei Kapiteln.

Die Turni-Gala im Carmen-Würth-Forum

Turni, das blaue Maskottchen, gibt den Vortänzer. Und mehr als 1000 junge Menschen tanzen um 18.15 Uhr mit. Auf den Rängen. Auf dem Parkett. Sie drehen sich im Kreis. Klatschen in die Hände. Hüpfen in die Luft. Singen aus vollen Kehlen. Es ist der Abschluss der Turni-Gala im Carmen-Würth-Forum. Und ein Kaleidoskop dessen, was Turnen so anregend und aufregend macht. Diese Vielfalt, diese Buntheit, diese Botschaften. Dem eigenen Körper geschult Ausdruck zu verleihen und in der Gruppe so aufzugehen, dass der kollektive Funke nicht nur athletisch überspringt, sondern auch erzählerisch: Diese Kunst gelingt aufs Vortrefflichste. Etwa der Showgruppe Avanti des TSV Hüttlingen, die das mega-aktuelle Thema „Vielfalt“ in eine fulminante Aufführung packt. Für Freiheit und Toleranz, Friede und Wertschätzung. Gegen Krieg und Hass und Gewalt. Beeindruckend. Aber auch die Lokalmatadoren vom TSV Künzelsau legen eine mitreißende Western-Nummer hin, in der die Möglichkeiten des Seilspringens ganz neu definiert werden. 

Tanzend in den Sonnenuntergang: Die Turni-Party auf den Wertwiesen wird von vielen heiß herbeigesehnt. Entsprechend ausgelassen ist die Stimmung.
Tanzend in den Sonnenuntergang: Die Turni-Party auf den Wertwiesen wird von vielen heiß herbeigesehnt. Entsprechend ausgelassen ist die Stimmung.  Foto: Reichert, Ralf

Die Mitmachangebote in der Tennishalle

Noah Hartmann aus Nellingen hat ambitionierte Ziele: „Ich möchte Volleyballprofi werden und im Turnen zu einer Deutschen Meisterschaft kommen.“ Das ist aber noch nicht alles. „In der Leichtathletik möchte ich mich im 800-Meter-Lauf für den Bundeskader qualifizieren.“ Da kann es nicht schaden, an der Ausführung eines Rückwärtssalto zu feilen. Genau das tut der Zwölfjährige um 19 Uhr in der Tennishalle. Sein Kumpel Simon Schupp aus Esslingen-Zell (10) will „Parkour-Profi werden und Kinder trainieren“. Bei Serhat Saglan (21) aus Stuttgart sind sie an diesem Abend in besten Händen. Der Parkour-Läufer gibt Tipps und zeigt Tricks, um sich zu überwinden oder die Balance zu halten, um von Block zu Block zu springen, von Stange zu Stange zu schwingen – oder eben mal einen Rückwärtsalto einzubauen. Wer mit Parkour noch nichts anfangen kann: „Das ist eine sehr junge Sportart, die erst seit drei Jahren lizenziert ist“, so Saglan. Wie ist sein Eindruck von Künzelsau? „Es ist eine schöne Stadt. Klein, aber fein. Ruhig und entspannt.“ Noah gefällt, „dass es so viel Wasser gibt“. Die Brunnen, das Bächle, der Fluss. Genau das Richtige bei dieser Hitze. 


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Ein paar Meter weiter demonstriert Jasmin Buresch (39) vom TSV Heiningen, wie Turnen im Dunkeln funktioniert. „Es geht darum, den Sehsinn komplett auszuschließen und sich einmal ganz auf das Tastgefühl und den Gleichgewichtssinn zu verlassen.“ Ein Partner führt den anderen, dessen Augen verschlossen sind. Diesen Balanceakt meistern nicht nur junge Turner. „Heute Nachmittag waren auch viele Künzelsauer Familien hier, die damit nichts am Hut haben. Und da führten dann auch Omas ihre Enkel durch den Parcours.“ Der Effekt war immer der gleiche: davor Skepsis, danach Begeisterung.

Die Festivalatmosphäre auf den Wertwiesen

So ein Turnfest macht hungrig. Zwei lange Schlangen führen zu den Essens-Theken im Versorgungs-Zelt. Links gibt es Nudeln, rechts Maultaschen. Und keiner mault, weil es länger dauert. Draußen auf den Wertwiesen geht langsam die Sonne unter. Die einen balancieren und jonglieren. Die andere chillen. Oder tanzen vor der Hauptbühne. „Geht es euch gut?“, ruft DJ Spirit aus Dillingen. „Jaaaaaaa“, schallt es zurück. Die Turni-Party hat begonnen. Gespielt wird House, Techno, Hip-Hop. „Es ist Wahnsinn, wie die Kinder mitgehen“, schwärmt der DJ. Festival-Feeling macht sich breit. Und während die einen vorne nochmal richtig heiß laufen, kühlen sich die anderen im Kocher ab. Sie schwimmen, plantschen oder springen von der Brücke in den Fluss. Bürgermeister Stefan Neumann steht relaxt daneben und strahlt. Eine ganze Stadt in freudiger Bewegung: Genau so hat er sich dieses Turnfest vorgestellt.  

Luftsprünge: Die Lokalmatadoren vom TSV Künzelsau ziehen bei der Turni-Gala eine mitreißende Western-Show im Seilspringen ab. Mehr als 1000 Besucher verfolgen die Vorführungen mit.
Luftsprünge: Die Lokalmatadoren vom TSV Künzelsau ziehen bei der Turni-Gala eine mitreißende Western-Show im Seilspringen ab. Mehr als 1000 Besucher verfolgen die Vorführungen mit.  Foto: Reichert, Ralf
 

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