Hohenlohekreis plant großen Ruck beim Ausbau von Radwegen
Nur fünf Prozent der Wege werden im Hohenlohekreis mit dem Rad zurückgelegt, bis 2030 sollen es 20 Prozent oder mehr sein: Ist dieses hehre Ziel überhaupt zu schaffen?
Das Land und der Hohenlohekreis hinken ihren Zielen seit Jahren hinterher. 2013 hieß es, der Anteil der mit dem Rad zurückgelegten Wege in Baden-Württemberg soll bis 2020 verdoppelt werden: von damals acht auf 16 Prozent. 2023 liest sich die Bilanz ernüchternd: Erst zehn Prozent sind geschafft. Im Hohenlohekreis lag man zuletzt bei nur fünf Prozent.
Theorie und Praxis
Vor zehn Jahren hat das Verkehrsministerium seine Förder-Offensive gestartet und immer weiter verfeinert. Zumindest auf dem Papier. In der Praxis stellte sich heraus, dass die immer üppigeren Fördermittel mitunter nur spärlich in Anspruch genommen werden, weil die Kommunen eine Co-Finanzierung scheuen, Grundstückseigentümer sich partout querstellen oder der Natur- und Denkmalschutz häufig dazwischen funkt.
Nur elf von 33 Strecken wurden umgesetzt
Im Hohenlohekreis führte dies dazu, dass von den 33 Strecken, die im Ausbauprogramm des Landratsamts zwischen 2013 bis 2023 gelistet waren, nur elf voll umgesetzt wurden. In zwei Fällen wurden Details verbessert, sechs Projekte wurden ganz aufgegeben. Nun will der Kreis einen neuen Anlauf nehmen. In den meisten Fällen ist er dabei auf die 16 Städte und Gemeinden angewiesen, die hier den Hut aufhaben. Das Landratsamt fungiert als Kümmerer und Koordinator, Motivator und Organisator. Und immer wieder auch als Förderer.
Neue Radkoordinatorin soll Tempo machen
Das neue Radwegekonzept soll 2024 beschlossen werden. Und mit der seit einem Jahr amtierenden Radkoordinatorin Gertrud Härer soll jetzt auch mehr Tempo in den Ausbau kommen. Sie soll mithelfen, dass vor allem die Hauptachsen des landesweiten Rad-Netzes gestärkt und Lücken geschlossen werden, die seit vielen Jahren im allgemeinen Wegeplan klaffen. Dazu will sie noch mehr Kommunen überzeugen, tatkräftig mitzumachen und bisherige Zweifel hintan zu stellen.
Die Ziele bis 2030 sind ambitioniert
Das Verkehrsministerium hat sein Ziel angepasst: Nun sollen 20 Prozent aller Wege bis 2030 mit dem Fahrrad zurückgelegt werden. Erneut hat das Land also eine Verdoppelung im Blick. Doch die ambitionierten Pläne gehen noch weiter. Laut der Arbeitsgemeinschaft Fahrrad- und Fußgängerfreundlicher Kommunen in Baden-Württemberg (AGFK-BW) sollen bis 2030 in den Städten und Gemeinden, die zu diesem Verbund gehören, mindestens die Hälfte aller Wege zu Fuß oder mit dem Rad zurückgelegt werden. Sprich: Nur noch die Hälfte aller Fortbewegungsmittel entfielen dann auf das Auto, die Bahn oder Busse. Und jeder zweite Weg würde mit dem Rad oder zu Fuß bewältigt. Der Hohenlohekreis ist seit 2023 AGFK-Mitglied.
Kann der Hohenlohekreis die strengen Kriterien erfüllen?
Kann der Hohenlohekreis als ländliche Region, die nach wie vor stark auf den Individualverkehr ausgerichtet und angewiesen ist, die äußerst strengen Kriterien und Ziele gemäß dieser "Vision 2030" überhaupt erfüllen? Die Antwort des Landratsamts klingt eher schwammig: "Bei den Visionen 2023 handelt es sich um visionäre Zielvorstellungen, die einen wichtigen Beitrag in diesem Transformationsprozess leisten können. Der Hohenlohekreis wird sich dafür einsetzen, diese Ziele anzugehen."
Im Klartext ließe sich das am besten so übersetzen: Man wird sich nach Kräften bemühen und einen festen Willen zeigen. Wenn es dann doch nicht reicht, haben wir es zumindest versucht. Kontrollen oder Sanktionen hat man ja nicht zu befürchten, um bei der AGFK Vereinsmitglied zu bleiben, auch wenn der Prozess weiter lahmen sollte. Es sei denn, man will tatsächlich das Prädikat "Fahrradfreundliche Kommunen" erhalten, wie es das Ziel ist. Dies käme freilich einer Belohnung gleich, wobei die Kriterien aus heutiger Sicht schier unerfüllbar klingen.
So breit ist das aktuelle Wegenetz
Derzeit wird untersucht, wie hoch der Anteil von Auto und Lkw, Bahn und Bus, Rad und Fuß am Verkehr ist. Der letzte Stand war, dass im Hohenlohekreis nur fünf Prozent aller Strecken mit dem Rad zurückgelegt werden. Es gibt 256 eigenständige Fuß- und Radwege auf 39,8 Kilometern und 370 Strecken mit 43,7 Kilometern entlang von Straßen. Dazu kommen 2246 Wirtschaftswege mit 420,2 Kilometern, auf denen ebenfalls Radler oder Fußgänger verkehren. "Wie viele Kilometer bis 2030 hinzukommen sollen, steht noch nicht fest, da dies ein Ergebnis des neuen Radkonzepts sein kann", erklärt das Landratsamt. Das soll erneut zehn Jahre halten, würde dann also bis 2034 reichen.
Diese Ausbauprojekte im Hohenlohekreis fördert das Land
Das Land hat im März grünes Licht für zwei Förderpakete im Hohenlohekreis gegeben. Das eine betrifft den Ausbau von Radwegen entlang von Bundes- und Landesstraßen, den das Verkehrsministerium in eigener Regie managt. Dazu hat es einen neuen Bedarfsplan für ganz Baden-Württemberg gestrickt. Im Hohenlohekreis wurden folgende Abschnitte in den vordringlichen Bedarf eingestuft, dessen Umsetzung bis 2030 vorgesehen ist: Der Radweg zwischen Krautheim, Horrenbach und Assamstadt entlang der L513, die Strecke zwischen Waldenburg und Hohebuch an der L1046, der Lückenschluss kurz vor Kocherstetten bei der L1045 und der Radweg zwischen Öhringen und Bitzfeld entlang der L1036. Im weiteren Bedarf gelistet ist die Strecke von Heuberg nach Pfedelbach, Projekte dieser Kategorie werden erst zwischen 2030 bis 2040 angegangen.
Bei Projekten, deren Planung und Bau in der Regie der Kommunen liegen, greift ein anderer Topf. Hier fördert das Land den Neubau von Radwegen zwischen Laibach und Klepsau, Kupferzell und Gaisbach, Marlach und Kreisgrenze und entlang des Kutschenwegs in Niedernhall, zudem den Neubau eines Zweirichtungsradwegs parallel zur A6 auf Gemarkung Kupferzell und den Neubau von Abstellplätzen am Öhringer Bahnhof.
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