Glasfaser-Ausbau in Krautheim und Dörzbach verzögert sich
Eigentlich könnten Dörzbach und Krautheim bereits schnelleres Internet empfangen, doch es gibt Probleme. Zwar steht die Infrastruktur an sich, der Netzbetreiber Netcom und die Kommunen sind sich jedoch nicht einig, wer für die Restarbeiten aufkommen soll.

"Rein technisch wäre das schon lange lösbar, aber es geht hier nicht um Technik, sondern um Verträge und Befindlichkeiten", so Peter Wölfle, Leiter des Technischen Amtes in Dörzbach. Was er damit meint: Eigentlich könnten die Jagsttalgemeinden Dörzbach und Krautheim bereits schnelleres Internet empfangen, doch es gibt Probleme - und zwar wortwörtlich auf den letzten Metern. Denn die Infrastruktur an sich steht, der Netzbetreiber Netcom und die Kommunen sind sich jedoch nicht einig, wer für die Restarbeiten aufkommen soll.
Viele Probleme auf dem Weg zum schnellen Internet
Bereits 2006 begannen in Krautheim die ersten Schritte für schnelleres Internet, erinnert sich Bürgermeister Andreas Köhler zurück. Doch es gab viele Schwierigkeiten auf dem Weg. So zog sich etwa die Telekom in Krautheim aus dem Geschäft zurück, nachdem erst einige Teilorte wie Ober- und Unterginsbach, Klepsau und Teile von Krautheim Berg angeschlossen waren.
2018 traten Krautheim und Dörzbach dann dem von den Gemeinden Schöntal und Mulfingen gegründeten Zweckverband Breitbandausbau Mittleres Jagsttal bei. "Durch die interkommunale Herangehensweise gab es höhere Zuschüsse", erklärt Köhler. Doch die lange ausbleibenden Förderbescheide (wir berichteten) waren ein weiterer Stolperstein für die Kommunen.
Erst 2020 war es so weit und die Arbeiten zur ersten Ausbaustufe konnten beginnen. Heißt: Die Kommunen legten Glasfaserkabel bis zu den modernen Kabelverzweigern, Multifunktionsgehäuse (MFG) genannt. Von diesen aus zweigen - vorerst - weiterhin Kupferkabel in die einzelnen Haushalte ab. Damit kann jedoch vor allem für die Teilorte mit "ganz miesen Datenraten", wie Köhler sagt, besseres Internet kommen. "In Gommersdorf, Oberndorf oder Neunstetten kommen zum Teil nur zwei bis drei Mbit an, das ist unterirdisch", so der Bürgermeister. Mit dem Glasfaseranschluss bis zum MFG verspricht er sich Übertragungsraten von bis zu 50 Mbit.
Uneinigkeit zwischen Netcom und Kommunen
Nun steht zwar die Infrastruktur an sich, was jedoch noch fehlt, ist die Verbindung zwischen Kabel und Verteiler. Doch genau hier liegt derzeit das Problem, denn Netcom und die Kommunen sind sich nicht einig, wer dafür aufkommen soll. Am vergangenen Donnerstag gab es ein Gespräch zwischen beiden Seiten - mit erstaunlichen Ergebnissen: Denn während der Pressesprecher der Netcom, Hannes Müller, im Nachgang mitteilt, dass es eine Übereinkunft gab und "das eigentliche Thema aus der Welt" geschafft sei, sehen das die Beteiligten von Seiten der Kommunen anders.
"Im Moment ist es technisch noch nicht möglich, das Netz in Betrieb zu nehmen, da fehlen noch Komponenten", sagt Wölfl. "Es muss geklärt werden, wer bezahlt, darüber wird jetzt verhandelt." Und auch Köhler sagt: "Wir werden ein externes Angebot einholen und die Netcom wird ein Angebot machen, was das kostet, und dann werden wir verhandeln, wer die Kosten trägt. Entweder die Netcom, was ich erwarte, oder wir Kommunen selber." Dabei, so Köhler, komme es darauf an, wie die Pachtverträge ausgelegt werden. Er wird als nächstes ein Rechtsanwaltsbüro zurate ziehen. "Ich sehe das nach wie vor so, dass die Netcom das machen muss."
Eine Lösung muss her
Hannes Müller hingegen sagt: "Die Kosten werden von den Gemeinden getragen, denn es ist vertraglich festgehalten, dass die Kommunen für die passive Technik zuständig sind." Dass es damals in Mulfingen und Schöntal anders lief, liegt laut Netcom daran, dass es andere Voraussetzungen gab. "Dort stand die Technik schon, denn sie wurde von unserer Vorgängergesellschaft betrieben, es gab auch eine andere Förderthematik."
Klar ist: Es muss eine Lösung her, damit es weitergeht. "Ich hoffe, dass wir das in den nächsten zwei Wochen klären können, damit der Ausbau schnellstmöglich voran geht", sagt Köhler. Denn sobald es für das Problem eine Lösung gibt, könnte es recht schnell gehen: Zwei bis drei Monate, vermutet Köhler. Wölfl ist etwas vorsichtiger in seiner Schätzung: "Es könnte im schlimmsten Fall bis zu sechs Monate dauern."
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