Gesundheitszentrum in Niedernhall eröffnet
Rund 150 Jahre lang war das Haus an der Linde in Niedernhall im Besitz der gleichen Familie. Dann wurde es verkauft und zu einem Gesundheitszentrum umgebaut. Bei dessen Eröffnung waren die ehemaligen Besitzer mit dabei. Und staunten nicht schlecht.

"Das hier war früher unser Schlafzimmer, aber das erkenne ich nur, wenn ich aus dem Fenster schaue, um mich zu orientieren", sagt Edith Kull mit einem erstaunten Lächeln im Gesicht. Denn ihr Niedernhaller Geburtshaus, das sich seit etwa 1880 in Familienbesitz befand, wurde über die vergangenen drei Jahre von der Raiffeisenbank Hohenloher Land gekauft, kernsaniert und beherbergt nun mehrere Wohnungen und Gesundheitsdienstleister. Wie viele andere Niedernhaller ließen es sich auch Kull und ihre Familie nicht nehmen, bei der Eröffnung des "Haus an der Linde" am Mittwoch mit dabei zu sein.
Alte Bestimmung der Linde
Mit dem Umbau findet das traditionsreiche Gebäude zur alten Bestimmung zurück. Denn das ehemalige Gasthaus in Niedernhall wurde ursprünglich von einem Arzt gebaut und nun - fast 200 Jahre später - sind wieder Ärzte und andere Gesundheitsdienstleister eingezogen.

Der Anfang des Hauses an der Linde war "eine Aneinanderreihung an Zufällen", wie Niedernhalls Bürgermeister Achim Beck erklärt. "Der Name ist bezeichnend, es begann wie ein kleines Pflänzchen, aber durch viele Äste entstand daraus ein prächtiger Baum." Einige Niedernhaller, erinnert sich Beck, waren auf ihn zugekommen, weil sie auf der Suche nach Platz für eigene Praxisräume in der Stadt waren. "Aber es fand sich nichts." Als dann klar wurde, dass die Familien Kull und Heinle ihr Familienhaus verkaufen wollen, sah der Bürgermeister eine gute Chance gekommen. Das war im Jahr 2019.
Kosten haben sich vervierfacht
Dank eines Zuschusses der Stadt von 400.000 Euro, "davon tragen wir 160.000 Euro, der Rest ist gefördert", wie Beck erklärt, kaufte die Raiffeisenbank Hohenloher Land schließlich das Gebäude. Auf 1,5 Millionen Euro wurden bei den ersten Planungen der Umbau geschätzt. Dann entschied man sich für einen Anbau. "Die Kosten haben sich am Ende vervierfacht", erklärt Klaus Hügel, Leiter des Unternehmensservice bei der Bank.
Ganz glatt lief der Umbau nicht, erinnert sich Andreas Siebert, Vorstandsvorsitzender der Raiffeisenbank Hohenloher Land. "Die Topografie, vermutete historische Keltenfunde, unvermutete Wasserleitungen, ehemalige Bahnlinien" und vieles andere, wie Preissteigerungen und Corona, seien in der Bauzeit aufgekommen.
Ein Flachdach in Niedernhall
Beck erinnert sich auch lachend an die aufgeregten Anrufe von Bürgern, als sie das flache Dach auf dem Gebäude sahen - eigentlich in Niedernhall so nicht erlaubt. "Es war nur ein Notdach, aber da war im Rathaus die Hölle los." Doch nun steht das Gebäude, das Dach hat die korrekte Neigung und die ersten Gesundheitsdienstleister wie Physiotherapie und Fußpflege praktizieren bereits seit Anfang Januar. "Ein Jungbrunnen für die Stadt", wie Siebert sagt und damit auf den während der Arbeiten aufgedeckten und restaurierten Brunnen vor dem Gebäude hinweist.

Zur Eröffnung des intern "Hadl" genannten Gebäudes dürfen die neuen Räume besichtigt werden. Neben den Wohnungen, von denen zwei bereits vermietet sind, gibt es auch Einblicke in die fertigen Praxisräume. So etwa bei den Physiotherapeutinnen Heike Mettendorfer, Anke Tröbs und Waltraud Salzmann. "Wir arbeiten schon seit 15 Jahren zusammen", erzählen die Drei. Mit ihren neuen Räumen, in denen sie seit Januar arbeiten, sind sie "sehr zufrieden". Auch, wenn es am Anfang "etwas turbulent war" haben sich die Frauen inzwischen eingelebt.
Jeder Raum hat eine Geschichte
In der Physiotherapie-Praxis befinden sich auch die früheren Wohnmräume. Und so läuft Edith Kull gerührt durch das Gebäude und weiß zu jedem Raum eine Geschichte zu erzählen. "Am Anfang war es schwer für meine Mutter", so Anja Heinle, die bis zum Verkauf ebenfalls in der Linde lebte. "Ich habe um mein Geburtshaus getrauert", bestätigt Edith Kull. "Aber es hätte nichts besseres passieren können." Zwar ist ihr der stressige Umzug in die neue Stadtwohnung, bei der aufgrund von Corona-Bestimmungen niemand helfen durfte, noch schmerzhaft in Erinnerung. Doch freut sie sich, dass sie ihr Geburtshaus noch regelmäßig sehen wird. Denn bereits vergangene Woche lag sie wieder in ihrem alten Schlafzimmer - wenn auch nun zur Physiotherapie.
Das Gesundheitszentrum Haus an der Linde
Im neuen Gesundheitszentrum gibt es verschiedene Nutzer. Neben den Wohnungen finden sich in der Linde verschiedene Gesundheitspraxen: Kinderarztpraxis Baumann/Wagner/Hause , das Physio-Team Mettendorfer, Tröbs und Salzmann, Logopädin Jasmin Ziegler, Hebamme Maren Reinhardt, Psychotherapeutin Katharina Bezold sowie Fußpflegerin Antje Hebler. Nur der ursprünglich geplante Allgemeinarzt wird nicht in das Gebäude einziehen.


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