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Gesundheitscampus auf Schloß Stetten öffnet erstmals Tore für breites Publikum

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Rundum-Versorgung direkt vor der Haustür: Das Gesundheitszentrum im Seniorendorf soll dem schmerzlich spürbaren Ärztemangel im ländlichen Raum entgegenwirken. Das Interesse beim Tag der offenen Tür war riesengroß.

von Angela Groß
Den ganze Tag herrschte großer Andrang im Gesundheitscampus, das bereits 2021 öffnete, aber wegen Corona damals nicht eingeweiht werden könnte.
Den ganze Tag herrschte großer Andrang im Gesundheitscampus, das bereits 2021 öffnete, aber wegen Corona damals nicht eingeweiht werden könnte.  Foto: Lang, Rainer

Als die Parkplätze vor dem Gesundheitscampus in Schloß Stetten überquellen, stellt sich Hausherr Christian von Stetten selbst auf die Straße und lotst die ankommenden Autos auf die gemähte Wiese. Der Unternehmer und CDU-Bundestagsabgeordnete schätzt, dass am Samstag rund 1000 Besucher der Einladung zum Tag der offenen Tür in der Residenz Schloß Stetten gefolgt sind. Genauso wie seine Schwester Franziska von Stetten, die seit zwölf Jahren das Seniorendorf managt, ist er überrascht von der großen Resonanz. Dazu beigetragen hat nicht zuletzt das ideale Wetter mit Sonnenschein und angenehmen Temperaturen.


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Breites medizinisches und therapeutisches Angebot

Im Fokus des Interesses stand das 2021 eröffnete Gesundheitszentrum, für das es wegen Corona keine richtige Einweihung gegeben hatte und das jetzt erstmals seine Türen für ein breites Publikum öffnete. Christian von Stetten verfolgt mit der Einrichtung das Ziel, dem in Künzelsau schmerzlich spürbaren Ärztemangel im ländlichen Raum entgegenzuwirken. Mit Fragen bestürmt wurde Geschäftsführerin Anke Rauchbach. Schließlich gibt es schon ein breites medizinisches und therapeutisches Angebot. Dazu zählen Allgemeinmedizin, Kardiologie, Schmerztherapie, Orthopädie, Physio- und Psychotherapie. Zwei OP-Säle mit Intensivbereich stehen zur Verfügung.

"Immunsystem für zehn Tage aufgeladen"

Monika Chef aus Künzelsau schätzt das Angebot. Einmal in der Woche besucht sie den Yoga-Kurs. Beim Tag der offenen Tür probiert sie mit ihrer Yoga-Lehrerin das Waldbaden aus. "Anderthalb Stunden im Wald, dann sind die Zellen und das Immunsystem für zehn Tage aufgeladen", weiß Kursleiterin Kathleen Müller-Kempf.

Eine Besucherin aus Wertheim will sich ebenfalls anschließen. Die 68-Jährige, die schon eine Weile mit einem Platz im betreuten Wohnen in der Residenz liebäugelt, ist beeindruckt vom Gesundheitscampus. Sie weiß, wie beschwerlich der Gang zum Arzt sein kann.

Kurze Wege kommen gut an

Als "absolute Ergänzung" zum Seniorendorf empfindet Bianca Ost den Gesundheitscampus. "Der kurze Weg ist hervorragend", erklärt die Leiterin der Pflegestation mit rund 50 Plätzen in der Residenz. Ihre Kollegin Tamara Crocamo, stellvertretende Leiterin der ambulanten Pflege für die rund 200 Personen im betreuten Wohnen, findet es gut, dass sie in dringenden Fällen schnell mit Patienten vorbeikommen kann.

Weiterer Anziehungspunkt

Mit Fragen bestürmt wurde Geschäftsführerin Anke Rauchbach. In der sehr modern ausgestatteten Physiotherapie-Praxis sieht sie große Chancen für die Prävention.
Mit Fragen bestürmt wurde Geschäftsführerin Anke Rauchbach. In der sehr modern ausgestatteten Physiotherapie-Praxis sieht sie große Chancen für die Prävention.  Foto: Lang, Rainer

Gaby Winter, die seit fünf Jahren in der Residenz lebt, ist überzeugt, dass der Gesundheitscampus "ein weiterer Anziehungspunkt in Schloß Stetten ist". Sie ist eine von vielen Bewohnern, die den Tag der offenen Tür mitgestalten und auch für die Unterhaltung der Mitbewohner etwas tun. Während sie dies den Gästen erzählt, singt ihr Mann im Shanty-Chor. Beide schätzen die familiäre Atmosphäre im Seniorendorf und die persönliche Beziehung zur Betreiberfamilie.

Dritter Bau ist schon in Planung und soll 2024 kommen

Im kommenden Jahr soll im Gesundheitscampus ein dritter Bau mit 1200 Quadratmetern Fläche für weitere Ärzte entstehen. Laut Rauchbach haben Zahnärzte schon Interesse signalisiert. Mit sehr viel Leidenschaft treibt sie das Projekt voran, vor allem auch die Prävention, damit die Menschen gesund alt werden. Patienten und Angehörige können auch übernachten. Mit dem Vitara-Wohnprojekt, bei dem gegenüber dem Gesundheitscampus 66 Wohnungen in fünf Häusern bis 2025 entstehen, spricht sie von einem Rundum-Angebot direkt vor der Haustür.

Das steckt hinter dem Service-Wohnen

Im Gegensatz zu dem von Wolfgang Freiherr von Stetten und seiner Frau Silvia vor 40 Jahren aufgebauten betreuten Wohnen geht es hier um Service-Wohnen. Den Bewohnern steht in der Vitara-Lounge Concierge-Personal als ständiger Ansprechpartner zur Verfügung, um beispielsweise Arzttermine zu vereinbaren oder Handwerker zu bestellen. Und im Fall eines Sturzes oder eines Schlaganfalls ist sofort Hilfe da, wie Bauherr Christian von Stetten erläutert. "Wir werden mit diesem Konzept unter den ersten im ländlichen Raum sein", ist Anke Rauchbach überzeugt.

Kosten

Ein Investitionsvolumen von 50 Millionen Euro veranschlagt Bauherr Christian von Stetten für den Gesundheitscampus sowie das Vitara-Wohnprojekt. Eine gerade fertig gestellte Hackschnitzel-Anlage sorgt mit Freiflächen-Photovoltaik für klimaneutrale Energie. "Die Bauleidenschaft hat er von mir geerbt", meint sein Vater. Auch er hat mit dem Aufbau der Residenz Weitblick bewiesen - etwa als er sich schon vor gesetzlichen Vorgaben für Einzelzimmer in der Pflege entschieden hat.

 
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