Stimme+
Künzelsau

In Schloß Stetten soll ein energieautarkes Vorzeigeprojekt entstehen

   | 
Lesezeit  2 Min
Erfolgreich kopiert!

Im Schloss Stetten soll ein neues Quartier für bis zu 180 Menschen entstehen. Der Künzelsauer Gemeinderat stimmt dem Aufstellungsbeschluss zwar zu, aber es gibt auch Kritik - und einen Verstoß gegen die Gemeindeordnung.

Von Rainer Lang
Im ersten Bauabschnitt sind gegenüber des Gesundheitscampus sechs Mehrfamilienhäuser vorgesehen.
Im ersten Bauabschnitt sind gegenüber des Gesundheitscampus sechs Mehrfamilienhäuser vorgesehen.  Foto: Animation: Barockschloß Stetten GmbH

Schon im Vorfeld der jüngsten Sitzung des Künzelsauer Gemeinderats hat der CDU-Bundestagsabgeordnete und Stadtrat Christian von Stetten für ein neues Wohnquartier im Stadtteil Schloß Stetten geworben.

Es soll im Sinne der Klimaneutralität ein energieautarkes Vorzeigeprojekt werden. Trotz kritischer Stimmen gibt es eine Mehrheit von zwölf Stimmen bei einer Gegenstimme und sechs Enthaltungen für den sogenannten Aufstellungsbeschluss, mit dem die Information der Öffentlichkeit beginnen kann. Von Stetten hat auch Bürgermeister Stefan Neumann hinter sich, der die Schaffung neuen Wohnraums begrüßt. Doch es gibt auch Bedenken.

Im Ortsteil Schloß Stetten ist geplant, neuen Wohnraum in Verbindung mit dem dortigen Gesundheitscampus zu schaffen. Christiane Schäfer vom Stuttgarter Architekturbüro Baldauf macht deutlich, dass dies das erste CO2-neutrale Baugebiet in Künzelsau wäre. Gespeist wird der Energiebedarf durch eine bestehende Holzhackschnitzelanlage, eine Photovoltaik-Freiflächenanlage sowie die aufgrund der Solarpflicht bei Neubauten vorgeschriebenen Anlagen auf den Dächern. Insgesamt sind elf Gebäude mit 120 Wohneinheiten für etwa 180 Personen vorgesehen. Für die Genehmigung ist ein beschleunigtes Verfahren möglich.

Klimaneutrales "Green Village"

In einem ersten Schritt sollen sechs Mehrfamilienhäuser in zwei Reihen am Hang realisiert werden samt einer Tiefgarage mit 139 Stellplätzen. Weitere Gebäude können später folgen. Christian von Stetten nennt dafür eine Zeitperspektive von 35 Jahren. Im Zusammenhang mit dem Gesundheitscampus auf der gegenüberliegenden Straßenseite der Burgallee soll ein klimaneutrales Wohnquartier entstehen, welches als "Green Village" insbesondere für Herz- und Kreislaufpatienten oder Dauer-Reha-Patienten gedacht ist, die eine Nähe zur ärztlichen Versorgung wünschen. Doch das Quartier ist offen für alle. Nach Angaben der Barockschloß Stetten GmbH sind die künftigen Bewohner verpflichtet, Mitglieder einer Energiegenossenschaft zu werden.

Robert Volpp (CDU) begrüßt die Verpflichtung zur Klimaneutralität. Für Rainer Süßmann (Die Freien) passt eine Trabantenstadt mit vielen Wohneinheiten nicht zu Schloss Stetten. Lisa Möhler (SPD/Grüne) lobt die Energiegenossenschaft, befürchtet jedoch durch die Abkehr von der Ausrichtung auf die Seniorenresidenz negative Folgen für die Infrastruktur.

Sorgen gibt es einige

Sorgen wegen einer notwendig werdenden Ausweitung des Nahverkehrs sowie wegen der Konkurrenz zur Innenstadt im Blick auf die ärztliche Versorgung macht sich Boris d'Angelo (UBK). Auch Andrea Faust (Die Freien) zeigt sich skeptisch gegenüber einer Gesundheitsversorgung auf der grünen Wiese anstatt in der Innenstadt. Mit Unverständnis reagiert Frank Egner, Ortsvorsteher von Kocherstetten, auf die Kritik am Vorhaben. Der Ortschaftsrat habe einstimmig dafür gestimmt. Herbert Schneider (FfK) hält das Projekt für eine gute Sache.

Zum Investitionsvolumen kann Christian von Stetten noch keine Angaben machen. Der Aufstellungsbeschluss sei noch kein Bauantrag, zunächst werde untersucht, ob gebaut werden könne. Es sollen in sechs Jahren sechs Häuser für jeweils etwa 15 Personen gebaut werden, aber nur als "Green Village". Außerdem verfüge Schloß Stetten jetzt schon über eine gute Infrastruktur mit Einkaufsladen, Hallenbad, Bibliothek, Busanbindung, vier aktiven Vereinen mit insgesamt über 1000 Mitgliedern, Konzertveranstaltungen, Ärzten oder Physiotherapie.

Verstoß gegen die Gemeindeordnung

Nachdem der Stadtrat Christian von Stetten (CDU) sich in der Debatte um die Erweiterungspläne für Schloß Stetten in der jüngsten Sitzung für befangen erklärt hatte, hat er andererseits dem Gremium selbst einige Aspekte des Vorhabens erläutert. Dies verstößt nach Angaben des Gemeindetags Baden-Württemberg jedoch gegen die Gemeindeordnung. Danach "darf der ehrenamtlich tätige Bürger weder beratend noch entscheidend mitwirken, wenn die Entscheidung einer Angelegenheit ihm selbst oder folgenden Personen einen unmittelbaren Vorteil oder Nachteil bringen kann. Der Ausschluss gilt für die Beratung und die Beschlussfassung. Die Befangenheit schließt den ehrenamtlich Tätigen von jeglicher Mitwirkung aus. Er darf sein Auskunftsrecht und sein Antragsrecht nicht ausüben."

Kommentare öffnen
Nach oben  Nach oben