Flüchtlingsunterbringung in Hohenlohe: Versprechen sorgt für Unruhe
In Pfedelbach sollen nur Familien und Paare unterkommen, die nun aus Kupferzell dorthin umquartiert werden. Doch es kommt noch ein Problem hinzu.

Die massiven Proteste in Pfedelbach gegen die Flüchtlingsunterkunft im Löwengarten führten dazu, dass der Hohenlohekreis versprach, dort nur Familien, Ehepaare und Personen unterzubringen, die in ihrer Mobilität eingeschränkt sind. Das Landratsamt möchte dieses Versprechen einhalten, Anfang November sind die ersten 47 Flüchtlinge in familiären Verbünden in das umgebaute Seniorenheim eingezogen, das Platz für 100 Personen bietet.
Doch diese Regelung sorgt prompt für Unruhe in Kupferzell, weil in der dortigen Containeranlage zuletzt ebenfalls nur Familien und Ehepaare untergebracht sind. Auch in dieser Gemeinde regte sich einst Unmut, weil der Standort direkt neben der Schule liegt. Der Widerstand war in der öffentlichen Wahrnehmung und Schärfe aber nicht mit dem in Pfedelbach zu vergleichen. Doch auch hier wohnten zuletzt keine alleinreisenden Männer. 37 Flüchtlinge aus Kupferzell wurden nun nach Pfedelbach umquartiert, wie die zuständige Amtsleiterin Heike Schaal, bestätigt.
Alle 80 Flüchtlinge aus Kupferzell sollen nach und nach in Pfedelbach unterkommen
Dem Kreis werden fast nur noch alleinreisende Männer zugewiesen und kaum noch Familien. Also hätte die Pfedelbacher Unterkunft länger leerstehen müssen, weil sie nicht mit einzelnen Männern belegt werden soll. Deshalb mussten etliche Familien den Standort wechseln. Mittelfristig sollen laut Schaal alle 80 Flüchtlinge, die jetzt noch in Kupferzell wohnen, nach Pfedelbach umgesiedelt werden. Dies sei möglich, weil aus Pfedelbach immer wieder Flüchtlingsfamilien in die Anschlussunterbringung der Kommunen wechseln und so Plätze frei werden. Wenn aber kaum noch neue Familien dazukommen und die alten sukzessive ausziehen, wird man auch für Pfedelbach irgendwann umdenken müssen.
Kupferzeller Kreisrat schimpft und fordert "Gleichbehandlung"
In den Kupferzeller Containern werden bald zwangsläufig nur noch Männer sein. In der jüngsten Kreistagssitzung schimpfte Kreisrat Peter Lemke (Freie Wähler): "Werden die Proteste jetzt dahingehend belohnt, dass Pfedelbach ein angenehmeres Flüchtlingsklientel zugewiesen wird? Das geht gar nicht." Er forderte eine "Gleichbehandlung" für Sammelunterkünften - und die Verwaltung auf, an allen Standorten im Landkreis "für eine gleichmäßige Durchmischung zu sorgen".
Landrat Matthias Neth konterte, eine solche "Durchmischung" gebe es in keiner Unterkunft. Pfedelbach habe man nach den heftigen Protesten die Belegung mit Familien und Paaren zugesagt. "Und die müssen wir nun woanders herausnehmen, sonst ist es nicht möglich, die Plätze dort zu belegen." Neth hadert: "Wenn man in einer Gemeinde eine Zusage macht, holt sie einen in der anderen ein." Deshalb werde es in Zukunft solche Versprechen nicht mehr geben.
Dem Kreis würden faktisch nur noch alleinreisende Männer zugewiesen und dauerhaft keine Familien mehr. Kritische Bürger zeigten "keinerlei Akzeptanz". Das sei "bei allen Unterkünften so und wird auch in Schwabbach so sein, wo wahrscheinlich ebenfalls nur Männer sein werden." Bis Frühjahr 2024 sollen dort Container mit 100 Plätzen belegt werden - direkt neben einer umgebaute Gewerbehalle, wo gerade 68 von 73 Plätzen belegt sind: mit Männern.

Keine Entlastung bei der Zuweisung 2024 in Sicht
Ab Dezember neu bezogen werden die Container im Öhringer "Sichert" mit 48 Plätzen. In Neuenstein verhandelt der Kreis über den Kauf eines Gebäudes mit 40 Plätzen, das bis auf 70 Plätze erweitert werden kann. Seit Herbst werden dem Kreis doppelt so viele Flüchtlinge zugewiesen, wie es die Quote verlangt: Im September waren es 70 Asylbewerber und 50 Ukrainer, im Oktober 68 und 61, im November 70 und 11, im Dezember sollen es 70 und 20 sein. Die normale Asylbewerber-Quote ist 35 pro Monat und wird auf 45 erhöht. Bei den Ukrainern sind es 20 pro Monat. Für 2024 ist keine Entlastung zu erwarten.
Bilanz der ersten Tage in Pfedelbach
Laut Anwohnern verliefen die ersten Tage rund um das neue Flüchtlingsheim ruhig. Anfang November waren in das umgebaute Seniorenheim in Pfedelbach die ersten 47 Flüchtlinge eingezogen. Dennoch blicken viele Bürger kritisch darauf. Zehn neue Matratzen seien entsorgt worden, heißt es. Und das Müllaufkommen sei hoch. Das Landratsamt erklärt: Die Matratzen seien wegen einer Krankheit befallen gewesen und hätten ausgetauscht werden müssen. Für den Müll seien anfangs zu wenig Container aufgestellt worden. Offen ist, ob es eine weitere Bürgerversammlung gibt. Die Zulässigkeit wird geprüft, so das Rathaus. Ergebnisse gibt es in der Gemeinderatssitzung am 19. Dezember.

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