Bürgerstüble "Zum Flad" in Friedrichsruhe schließt: Gasthaus voller Traditionen
Das Bürgerstüble "Zum Flad" war Treffpunkt für Stammtische, Schnitzelfans und Liebhaber von bürgerlichem Essen. Wie es jetzt für die Gastwirte Mezger in Friedrichsruhe weitergeht.

Im Altkreis Öhringen gibt es kaum einen, der nicht schon einmal ein Schnitzel oder Spätzle genossen hat, zu einer Familienfeier dort war, oder zumindest davon gehört hat. Nach fast 68 Jahren an seinem jetzigen Platz schließt das Bürgerstüble im Zweiflinger Ortsteil Friedrichsruhe, das jeder nur als "Flad" kennt, seine Türen.
Und weil sich der Abschied der Gastwirte Claudia und Roland Mezger längst herumgesprochen hat, wird seit Wochen, fast Monaten Abschied gefeiert, erzählt Claudia Mezger fast schon überwältigt. Noch hängen viele Bilder, die die Geschichte des Gasthauses erzählen, am Eingang. Denn wirft man einen Blick ins Heimatbuch könnte man in diesem Jahr bereits den 100. Geburtstag feiern.
Geschichte des Bürgerstübles in Friedrichsruhe: Flad als Haus voller Traditionen
Vor über 70 Jahren gab es bereits eine kleine Gaststube der Familie von Küchenchef Roland Mezger, die ihr Geld damals hauptberuflich noch ganz klassisch mit Schweinehaltung verdiente. Die Gaststube war einst unter dem Schweinestall.
Erst später bauten die Eltern von Roland Mezger das Gebäude, in dem seitdem die Gaststube ist. "Mein Vater hieß Mezger, Flad wiederum war der Mädchenname meiner Mutter und mein Vater war eingeheiratet, als sie das Bürgerstüble gegründet haben", klärt Roland Mezger die Namensgebung auf. Flad ist ein Haus voller Traditionen, vielleicht ein Grund, warum sich die Wirtschaft so lange gehalten hat.
Flad in Friedrichsruhe bleibt der gutbürgerlichen Küche treu
Die Speisekarte begann mit gut bürgerlichen Gerichten. "Schinkenwurst stand drauf, Ripple oder Lachsbrot", zählt Roland Mezger auf. Der 68-jährige Gastwirt weiß: "Manche Gäste erzählen heute noch, wie sie hergelaufen sind sonntags von Öhringen und dann Fanta getrunken haben."
Das Essen wurde Anfang der 60er noch in Schüsseln gebracht. Wenn um 12 Uhr für den Jungen die Schule zu Ende war, hat Mezger die Eltern unterstützt – ganz selbstverständlich. "Damals hat man eher noch mittags gegessen", erinnert er sich. Die Tagesessen der Familie waren beliebt. In der Küche und im Service waren alle dabei: Oma, Tante, Vater, Mutter.
Und so war es irgendwie selbstverständlich, dass auch Roland Mezger Koch wird. Gelernt hat er sein Handwerk ein paar Meter weiter im Wald- und Schlosshotel in Friedrichsruhe. Seinen Wurzeln der bürgerlichen Küche ist er trotz der Jahre in der gehobenen Küche treu geblieben. Denn bodenständige Küche müsse nicht heißen, dass sie nicht auch vielfältig und kreativ ist.
Bürgerstüble Flad in Friedrichsruhe: Soßen werden selbst gemacht
"Bei uns wird richtig gekocht, das heißt, zum Beispiel die Soßen werden selbst gemacht, das Schnitzel selbst paniert", erklärt der Koch. Abwechslung auf der Karte bringen Wild, Fisch, und auch Hackbraten kann man immer wieder anders machen. Und vor allem die einfachen Klassiker wie Linsen, die immer noch beliebt sind oder Armer Ritter und Ofenschlupfer sind der "Renner" bei den Gästen.
Was neben dem Kochen noch zu einem guten Lokal gehört, darauf hat man schon früh gesetzt: eine Partnerin. "Alleine schafft man es auch heute nicht", erklärt er. Seine Frau Claudia stammt auch aus der Gastronomie. "Das ist schon leichter", weil man manches besser nachvollziehen könne.
Am Anfang, als die junge Frau, die in der Bitzfelder Rose ihre Ausbildung absolviert hat, in den Betrieb kam, musste sich die Köchin jedoch erst an ihre neue Rolle gewöhnen. Denn schnell wurde klar: Man muss sich aufteilen. Einer steht hinter dem Kochtopf und die andere Person ist im Service tätig. "So als junge Frau mit Anfang 20 war das schon eine Umstellung, mit den vielen Männern und den Stammtischen", erinnert sie sich heute.
"Damals wurde noch richtig gesungen, als Wandergruppen zu Gast waren." Heute kann sich niemand mehr vorstellen, dass die offene 62-jährige Gastgeberin, die sich, wenn Zeit ist, auch mal zu den Gästen an den Tisch setzt, hinter den Töpfen verschwindet. Trotz der treuen Kunden waren die Zeiten nicht immer rosig. Ein Umbau brachte mehr Arbeit, Corona zwang sie zum Umdenken und auch der Personalmangel hat dem Dorflokal zu schaffen gemacht. Zuletzt hatte das Paar die Öffnungszeiten auf vier Tage verkürzt. "Jetzt kommen wir ganz gut rum", fasst Roland Mezger zusammen.
Keine aktive Nachfolgersuche in der Gastronomie
Nun hat man auch nicht aktiv nach einem Nachfolger gesucht, da man die schwierige Lage in der Gastronomie kenne. Zunächst baut das Ehepaar, das bislang in den Räumen über der Gaststätte lebt, sein künftiges Haus fertig. "Es ist kaum zu glauben, aber mit über 60 bekomme ich nun meine eigene Küche", erzählt die Inhaberin lachend. Denn auch private Mahlzeiten wurden bisher in der großen Gastroküche gekocht. Künftig ist ihre Kochstelle kleiner – und manchmal, das ist sie sich sicher, "hat man auch einfach keine Lust und wir gehen essen."
Kommentare öffnen



Stimme.de
Kommentare