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Wichtige Weiche für Elektrifizierung der Hohenlohebahn bis Schwäbisch Hall gestellt

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Nachdem die Gremien im Nachbarlandkreis bereits zugestimmt haben, sich an den Planungskosten zu beteiligen, setzten die Gemeinderäte in Neuenstein, Kupferzell und Waldenburg nun das Signal auf Grün.

von Christian Nick
Wird die Oberleitung zwischen Cappel und Hessental gebaut − und kommen weitere Haltestellen, von denen vier im Kreis liegen? Es sieht gut aus.
Foto: Archiv/Reichert
Wird die Oberleitung zwischen Cappel und Hessental gebaut − und kommen weitere Haltestellen, von denen vier im Kreis liegen? Es sieht gut aus. Foto: Archiv/Reichert  Foto: Reichert, Ralf

Das Signal steht auf Grün: Die drei Kommunen Neuenstein, Kupferzell und Waldenburg haben zugestimmt, sich bei der Hohenlohebahn an den Kosten für Vorplanung und Standardisierte Bewertung zu beteiligen. Anders als bei der umstrittenen Kochertalbahn-Reaktivierung fielen die Voten aller bislang mit der Sache befassten Gremien positiv aus. Damit ist eine wichtige Weiche zur Elektrifizierung der 32 Kilometer langen Strecke zwischen Öhringen-Cappel und Hall-Hessental gestellt. Der Öhringer Gemeinderat wird am 16. April abstimmen. Der Kreistag entscheidet schon am 8. April. Dann wird dort auch das weitere Schicksal der Kochertalbahn geklärt. In beiden Gremien gilt die Zustimmung als sicher.

Insgesamt 3,57 Millionen Euro betragen die - nicht-förderfähigen - Planungskosten. Jene werden zwischen den Landkreisen Hohenlohe und Hall hälftig aufgeteilt: also jeweils 1,785 Millionen. Der Hohenlohekreis übernimmt davon wiederum 50 Prozent, ergo 892.500 Euro. Der restliche Betrag - ebenfalls 892.500 Euro - wird von den vier Anrainerkommunen getragen und nach Streckenlänge wie folgt gesplittet: Öhringen: 177.072, Neuenstein 395.110, Waldenburg 164.756 sowie Kupferzell 155.562 Euro.

Elektrifizierung der Hohenlohebahn: Drei Voten innnerhalb zwei Tagen

Den zeitlichen Auftakt zu den Abstimmungen über das Projekt markierte Neuenstein: Nach halbstündiger Debatte schickten die Räte nach einer Gegenstimme das - bei bis zu 90-prozentiger Förderung - geschätzt 125 Millionen Euro teure Schienenprojekt eine Runde weiter. Kritik und einige Rückfragen kreisten um den Verteilschlüssel. Das Prinzip "Anteil an Streckenlänge" und nicht "Einwohnerzahl" sei üblich, schon beim Bau der S4 zur Anwendung gelangt und aus Sicht der Stadtverwaltung "plausibel".

An der Zahl der Haltestellen - und auch an der exakten Position bei der örtlichen Stadthalle - sei wohl nicht mehr zu rütteln, hieß es auf Nachfrage aus dem Ratsrund, wenngleich man nochmals "darauf drängen" werde, sich das im Zuge der Vorplanung noch einmal anzusehen. Auch das sogenannte Parallelbedienungsverbot und die Höhe der Investitionen sorgten bei einzelnen Räten für Verunsicherung: Ja, es könne sein, dass Busverbindungen wegfielen, so der Bürgermeister. Trotzdem bringe die Elektrifizierung "wahnsinnigen Mehrwert" - und er gehe davon aus, dass das Land den "Löwenanteil" der Betriebskosten übernehme.

Haltestelle soll etwas verschoben werden

Im üblicherweise sehr diskussionsfreudigen Gremium in Kupferzell fiel der Tagesordnungspunkt indes recht kurz aus: Nach rund zehn Minuten stand hier einstimmig der Beschluss zur Beteiligung an der weiteren Planung: "Da sind wir dafür, da gibt es keine Diskussion", brachte Peter Lemke die Position von Gemeindeverwaltung und Kommunalparlament auf den Punkt.

Auch hier wurden weitere Haltepunkte angeregt - etwa bei Westernach. Diesbezüglich musste auch Rathauschef Christoph Spieles eine Absage erteilen, der sich nach den Vorgesprächen mit dem Landratsamt "sehr überrascht" zeigte, dass die Positionen bereits grundsätzlich fix seien. Aber: Er habe dafür gesorgt, dass die Haltestelle "Waldenburg/Gewerbepark" etwas nach Südosten verlegt worden sei - und sich nun näher an Westernach im Bereich des Ziegelwegs befindet.


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Intensive Debatte in Waldenburg

In Waldenburg hingegen erteilten die Räte erst nach intensiver Debatte grünes Licht: Bei zwölf Ja- sowie zwei Gegenstimmen signalisierte der Rat sein Einverständnis - gab den Planern aber Aufgaben mit auf den Weg. Das Plenum fordert eine Über- oder Unterführung der Gleise im Bahnhof. Dieser Punkt war unstrittig. Diskuttiert wurde vor allem darüber, ob die Oberleitung zur Elektrifizierung der Strecke überhaupt nötig sei oder moderne elektrische Hybrid-Züge die abschnittsweise mittels Batterie fahren können, genügen könnten. Besonders Rolf Dieter Kempis hatte diese Idee unlängst schon gegenüber Landes-Verkehrsminister Winfried Hermann stark gemacht.

Er erntete im Rat Widerspruch durch Heinrich Schüz: Genau die Investition in die Oberleitung bringe erst den Lückenschluss auf der Ost-West-Achse, welcher den Güterverkehr möglich mache und die A6 entlasten könne. Man einigte sich schließlich, die Planer aufzufordern, die Möglichkeit Batterie-unterstützter Züge zu prüfen und den Kostenvergleich mit der Oberleitungs-Variante transparent darzulegen. Als ungerecht empfindet man in Waldenburg auch den Verteilschlüssel: Jener sei akzeptabel für die Planung - für die Bauphase müsse er nochmals überprüft werden, lautete die Forderung.

Wie der weitere Zeitplan aussieht

Sofern auch die Stadt Öhringen und der hiesige Kreistag ihr Einverständnis geben - Landkreis und Stadt Schwäbisch Hall sowie auch Untermünkheim haben bereits zugestimmt -, kann im ersten Quartal 2025 die Standardisierte Bewertung beginnen, die rund zwei Jahre Zeit in Anspruch nehmen wird. Bis jedoch die Strecke dann tatsächlich elektrifiziert zu befahren ist, wird es voraussichtlich noch bis zu zehn Jahre dauern.

 
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