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Dem Kulturbahnhof Gleis1 in Waldenburg fehlen die Besucher

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Bei einer Krisensitzung suchen die Mitglieder nach Lösungen, um den Verein vor dem finanziellen Aus zu bewahren. Die Zahl hochkarätiger Konzerte soll reduziert werden. Verein will zudem versuchen, Einnahmen durch Vermietungen für private Feiern zu generieren.

Von Thumilan Selvakumaran
Hans Graef (vorn), Vorsitzender vom Kulturbahnhof Gleis 1 , berichtet bei der Krisensitzung den Mitgliedern von der bedenklichen Lage des gemeinnützigen Vereins.
Foto: Thumilan Selvakumaran
Hans Graef (vorn), Vorsitzender vom Kulturbahnhof Gleis 1 , berichtet bei der Krisensitzung den Mitgliedern von der bedenklichen Lage des gemeinnützigen Vereins. Foto: Thumilan Selvakumaran  Foto: Thumilan Selvakumaran

Der Riesling-Sekt sprudelt in den Gläsern, während "Viel Glück und viel Segen" im Kanon erklingt. Dass er gerade erst zwei der filigranen Stiele zerbrochen hat und die Scherben hinter der Theke der Kulturkneipe Gleis 1 in Waldenburg liegen, stört den Vorsitzenden Hans Graef nicht. An diesem Mittwochabend gilt es erstmal auf Cläre Esche anzustoßen, die ihren 47. Geburtstag feiert. Ein kurzer Moment der Freude, bevor der nüchterne Teil beginnt: Der gemeinnützige Verein leidet und hat finanzielle Nöte, der Vorsitzende spricht gar von einer Krisensitzung - die dritte der 23-jährigen Geschichte des Kulturbahnhofs, in dem rund 1300 Konzerte stattgefunden haben.


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Sattes Minus in der Kasse

"Wir haben Corona gut überstanden. Merkwürdigerweise kamen die Probleme danach", so Graef. Nach der pandemiebedingten Wiedereröffnung habe es sechs Konzerte gegeben, bei denen nur "fünf bis acht Besucher kamen", was für ein sattes Minus in der Kasse gesorgt habe. Dabei gehe es teilweise um internationale Künstler, die sonst Säle mit 500 und mehr Besuchern füllten.

Verein muss immer häufiger zuschießen

Ziel sei eigentlich, hochkarätige Kultur zu bieten, betont Schriftführerin Antje Ebner. "Es entsteht aber der Eindruck: Je besser der Musiker, desto weniger kommen die Leute." Wenn dann noch Besucher "sich den ganzen Abend an einer 1,80-Euro-Wasserflasche festhalten", komme der Verein immer mehr in Schieflage. Denn der lebt nur von den Getränkeeinnahmen. Der Eintritt geht als Gage an die Künstler. Wird der Mindestbetrag nicht erreicht, muss der Verein aus eigener Tasche bezahlen, wie zuletzt immer häufiger.


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Daher wurde jüngst das Gitarrenkonzert mit Stefan Mönkemeyer abgesagt, um Kosten zu sparen. Nur noch ein unterer vierstelliger Betrag schlummere auf dem Konto, so Graef. "Wir erwarten auch noch eine Ölrechnung für 2000 Liter." Die monatlichen Fixkosten lägen bei 650 Euro. Ohne Konzert könne der Kulturbahnhof noch einige Monate überleben, nicht aber, wenn es weiterhin so schlecht besuchte und teure Events gebe. Überregionale Berufsmusiker bekämen neben der Gage auch noch die Unterkunft gestellt. Der Zustand, so Graef, sei aber "noch nicht katastrophal".

Marketing soll verstärkt werden

Bei der Krisensitzung knabbern die 15 Mitglieder an Butterbrezeln und Wassermelonen, suchen dabei nach Lösungen, etwa, um das Marketing zu verbessern. Mitteilungsblätter, Zeitungen und Facebook würden bereits bedient. "Liegt es vielleicht daran, dass keine Flyer mehr ausliegen", stellt Cornelia Wolfram in den Raum. Auch Plakate würden fehlen. "Plakatwerbung spielt keine Rolle mehr, auch weil keiner die aufhängt", so Graef. 90 Prozent der Besucher informierten sich ohnehin nur noch online. Graef sichert aber zu, das Marketing zu verstärken.

Um die finanzielle Situation zu verbessern, schlägt er vor, mehr Einnahmen durch private Vermietungen zu generieren - à la "rent a pub". Das gehe zwar schon längst, müsse aber bekannter werden. Für "200 Euro plus" könnten Privatleute den Raum für Feiern nutzen. Antje Ebner empfiehlt, gezielt um Spenden zu bitten, schließlich sei die Kulturkneipe im Gewerbepark Hohenlohe umzingelt von "sehr gut verdienenden Unternehmen". Was die Miete betrifft, sei der Verein während der Corona-Zeit bereits durch die Stadt Waldenburg entlastet worden, berichtet Graef und betont die Bedeutung der Lokalität als "Aushängeschild" für die Kommune.

Einigkeit herrscht darüber, dass die Zahl der Veranstaltungen mit überregionalen und - was die Besucherzahl betrifft - risikoreichen Konzerten reduziert werden müsse, wie Cläre Esche vorschlägt. So sollen dann nicht regelmäßig freitags und samstags Events stattfinden, sondern maximal "fünf bis sechs im Monat". Durch den so entschlackten Kalender entstünde zudem mehr Platz für private Feiern. Die reduzierten Top-Acts sollen dann als "Hautnahkonzert" und "Highlight des Monats" besser vermarktet werden. Ans Aufgeben denke man noch lange nicht, so Graef. "Unsere Stärke ist unsere Resilienz."

Vereinsaustritte und Neuaufnahmen

Den Kulturbahnhof Gleis 1 gibt es seit 1998. Der gemeinnützige Verein zählt mehr als 100 aktive und passive Mitglieder. Geboten werden Ausstellungen, Lesungen, Kabarett und Musik - von Folk über Klassik bis Rock. Zuletzt habe es einige Vereinsaustritte gegeben, berichtet der Vorsitzende Hans Graef. Hintergrund seien die Debatten um Corona gewesen. Unterm Strich habe es aber mehr Neuaufnahmen gegeben als Austritte.

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