Das Taubertal ist Schauplatz für den Spielfilm "Bis zum letzten Tropfen"
Der Film von Daniel Harrich ist am 16. März der Auftakt für den Themenschwerpunkt "Wasser" in der ARD. Weikersheim und Umgebung waren im vergangenen Sommer für mehrere Wochen Drehort. Bekannte Schauspieler wie Ulrich Tukur und Sebastian Bezzel wirken mit.

"Willkommen in Lauterbronn, der Quelle des tauberfränkischen Lebens" steht auf dem Schild vor der Ortseinfahrt. Lauterbronn, eine Gemeinde im "Lieblichen Taubertal"? Um es gleich aufzulösen: Lauterbronn ist fiktiver Mittelpunkt des prominent besetzten ARD-Spielfilms "Bis zum letzten Tropfen", realisiert von Produzent, Regisseur und Drehbuchautor Daniel Harrich.
Im Sommer 2021 drehte Harrichs Münchner Produktionsfirma diwafilm für "Bis zum letzten Tropfen" mehrere Wochen im Taubertal, war meist in Weikersheim unterwegs, wo die Filmcrew ihre Basis hatte. Drehorte waren zudem der Demeterhof "Louisgarde" bei Nassau, der Sportplatz in Schäftersheim, der jüdische Friedhof Richtung Honsbronn, das historische Rathaus in Grünsfeld, der Flugplatz in Niederstetten, die Firma Wittenstein in Igersheim und das Landratsamt in Tauberbischofsheim.
Weingutbesitzer als Komparsen
Auch die Weinberghütte der Weingutbesitzer Rainer und Simone Hofäcker aus Weikersheim-Queckbronn hat es in den Film geschafft: "Normalerweise bieten wir auf dem Karlsberg keine Gastronomie an, das passiert auf unserer Weinterrasse ab April wieder", erklärt Rainer Hofäcker. Doch im Film wird die idyllisch gelegene Hütte zu einer Heckenwirtschaft, an der sich zwei Hauptprotagonisten treffen. "Ich konnte eine alte Holzwerkbank anbieten, auf die Weingläser gestellt wurden. Es sollte eine angenehm-rustikale Atmosphäre entstehen." Das Ehepaar hat überdies einen Komparseneinsatz im Film: "Wir spielen Gäste, die freundlich bedient werden", so Hofäcker. "Selbst wenn sie das rausschneiden, war es für uns eine super Erfahrung."
Investor will Entnahmerechte für Wasservorkommen

Um edle Tropfen Wein geht es in Harrichs Spielfilm allerdings nicht. Schon gar nicht um eine lauschige Stimmung. Im schwül-dunstigen Heimatwesternstil erzählt er die Geschichte um den Lauterbronner Bürgermeister Martin Sommer, gespielt von Sebastian Bezzel, der die Zukunft der Stadt sichern möchte. Weshalb er sich auf Geschäfte mit dem Pure-Aqua-Investor Dr. Rainer Gebhard, gekonnt schmierig verkörpert von Ulrich Tukur, einlässt. Der Vorstand des Getränke-Großkonzerns will Entnahmerechte für das Wasservorkommen der Kommune, verspricht im Gegenzug Arbeitsplätze und eine positive Stadtentwicklung. Probebohrungen beginnen, gleichzeitig regt sich Widerstand gegen das Vorhaben.
Widerstand regt sich
Eine Bürgerinitiative bildet sich, zu deren lautstarker Stimme neben Landwirt Bernhard (Michael Roll) Sommers Tochter Ava (Hannah Schiller) wird. "Ich denke, in erster Linie ist das kein Generationen-, sondern ein Interessenkonflikt. Doch dazu kommt, dass ihr Vater ihr nicht mal zuhört. Sie weiß nicht weiter, bekommt Angst. Ich kann nachvollziehen, dass Ava sich in die Enge getrieben fühlt und emotional reagiert. Sie wünscht sich vor allem, dass ihr Vater ihre Argumente kennt und unter dem Wissen der tatsächlichen Informationen entscheidet", beschreibt Schiller Avas Motivation.
Suche nach dem passenden Ort
Anfangs, berichtet Daniel Harrich, war eine internationale Serie zum Thema "Wasser" für die ARD geplant: "Aufgrund von Corona und dem Wunsch, die Geschichte aus dem Kleinen heraus zu erzählen, sind wir aber auf die Suche nach dem passenden Ort gegangen. Unser Locationscout ist mit dem Wohnwagen irgendwann in Tauberfranken gelandet und hat es uns zögerlich vorgeschlagen. In einer stürmisch-kalten Winternacht sind wir dann das erste Mal in Weikersheim angekommen. Wir steigen aus und sind verliebt: Alles passte, so wie wir uns das vorgestellt haben, wie der Riss im Rathaus oder die trockenen Felder beim Landwirt, bei dem wir auf dem Hof gedreht haben. Als würden wir unseren Film erleben."
Gute Zusammenarbeit mit Gemeindeverwaltung
Harrich lobt die Zusammenarbeit mit Klaus Kornberger, der bis Anfang Februar 2022 Weikersheims "echter" Bürgermeister war: "Wir saßen bei Herrn Kornberger und er und seine Mitarbeiter haben uns von Anfang an großartig unterstützt, haben so viel möglich gemacht." "Für unsere Stadt ist es ein Glücksfall, dass wir Drehort sein durften", meint Kornberger dazu: "Wir wissen, dass Filmschauplätze touristisch gesehen großen Aufschwung erfahren." Spannend sei die Zeit gewesen, berichtet er, "aber wir haben gesehen, was für ein Aufwand das auch ist. Wir als Stadt waren gefordert." Zufahrten mussten gesperrt, Sicherheitsvorkehrungen getroffen werden.
Vor allem im Bereich des Marktplatzes, wo ein historischer Brunnen für eine Stuntaufnahme genutzt wurde, waren Umbauten nötig: "Der sonst mit Einlegegitter versehene Brunnen wurde vom Bauhof frei geräumt und für die Stuntszene randvoll mit Wasser gefüllt. Da konnte man Angst um die Statik des Brunnens bekommen." Kornberger selbst hat für zwei Wochen sein Büro zur Verfügung gestellt, das zu Sommers Büro wird: "Das Mobiliar wurde komplett verändert. Nur ein Stich der Stadt Weikersheim an der Wand durfte hängen bleiben." Kornberger ist schon voller Vorfreude auf die Premierenfeier in der Tauberphilharmonie, die vom SWR für Samstag, 12. März, geplant wird. Aufgrund der Coronasituation ist jedoch unklar, in welchem Umfang diese stattfindet.
Flugzeug und Hubschrauber im Einsatz
Ebenfalls gespannt, den fertigen Film zu sehen, sind Lukas Schäfer und sein Vater Michael aus Weikersheim. Lukas ist Hobby-, Michael Berufspilot und sie sind im Film als Komparsen dabei, da sie ein Flugzeug und einen Hubschrauber steuern. Die Flugzeugszene mit Ulrich Tukur und Karoline Schuch sei "bereits in aller Herrgottsfrühe aufgenommen worden", erinnert sich Lukas, "halb 6 etwa, damit der Sonnenaufgang eingefangen werden konnte." Das Produktionsteam kam mit mehreren Lkw auf den Flugplatz nach Niederstetten. Am Nachmittag mussten die beiden dann in einer anderen Szene einen Hubschrauber fliegen: "Wegen der Hitze war der Boden staubtrocken und aufgrund der Sogwirkung des Hubschraubers musste vor dem Dreh die Landefläche auf der Tauberhöhe von Steinen und sonstigem Geröll befreit werden", so Michael Schäfer. Bis die Szene im Kasten war, startete der Hubschrauber mehrere Male: "Es wurde aus verschiedenen Perspektiven aufwändig gefilmt."
Sendetermin
Der Film wird am 16. März um 20.15 Uhr innerhalb des ARD-Events #unserWasser im Ersten ausgestrahlt und ist bereits ab 9. März in der Online-Mediathek verfügbar.

Stimme.de
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