Der Hohenloher Anton Baron ist das neue Gesicht der AfD-Fraktion: Netter Auftritt, rechter Kern?
Seit gut sechs Wochen steht Baron an der Spitze der AfD-Landtagsfraktion. Seine Wahl, in der er den rechten Scharfmacher Emil Sänze besiegte, kam überraschend.

Er ist das ungewohnt junge Gesicht an der Spitze der AfD-Fraktion im Landtag von Baden-Württemberg, deren kurze parlamentarische Geschichte schon so reich ist an erbitterten Richtungskämpfen und parlamentarischen Eklats: Anton Baron, 35, über die Zweitstimmen für Hohenlohe nach 2016 auch 2021 in den Landtag gewählt.
Scharfmacher besiegt
Seit gut sechs Wochen steht Baron an der Spitze der AfD-Landtagsfraktion. Seine Wahl, in der er den rechten Scharfmacher Emil Sänze, 73, besiegte, kam überraschend. Sänze ließ kein gutes Haar an seinem Kontrahenten: Ein "Passgänger" sei dieser, profillos und intellektuell überfordert, lästerte Sänze öffentlich. Die Frage, was eine solche Äußerung für die Stimmung in der Fraktion bedeute, lächelt Baron im Gespräch einfach weg. Wie der 35-Jährige überhaupt zum korrekten Auftritt fast immer ein freundliches Gesicht zur Schau trägt. Was dahinter steckt, bleibt aber vielen ein Rätsel, die Anton Baron begegnen.
Diffuses Bild
Nachfragen im Landtag und im Hohenlohekreis, wo Baron im Kreistag und in Öhringen im Gemeinderat sitzt, ergeben ein diffuses Bild. Einerseits findet sich auch beim politischen Gegner praktisch niemand, der über Baron persönlich ein böses Wort verliert. Er sei im persönlichen Umgang und im Vier-Augen-Gespräch "verbindlich", ein "netter Kerl", heißt es im heimischen Gemeinderat und aus dem Kreistag, es fallen Bewertungen wie "bodenständig", "angenehmer Gesprächspartner".
Parteirolle mit üblichen AfD-Narrativen
Jedenfalls sei er das so lange, bis er sich im Kreis seiner AfD-Kollegen bewege und seine Parteirolle einnehme. Dann sei er eben der AfDler, der sich der üblichen ausländerfeindlichen Narrative der Rechtpopulisten bediene und Migranten zur Wurzel allen Übels und aller Probleme in Deutschland erkläre. "Wie in einem Korsett" agiere er dann, heißt es.
Familie aus Kasachsten eingewandert
Baron, als Vierjähriger mit russlanddeutschen Eltern aus Kasachstan eingewandert, wurde über den zweite Bildungsweg Wirtschaftsingenieur. Er selbst sagt von sich, er sei Hohenloher, "stolz auf Deutschland, darauf, was frühere Generationen erreicht haben. Ich möchte die Werte und den Wohlstand bewahren. Die Werte aber werden gerade geopfert", findet er.
Rechtsruck durch Flüchtlingsdebatte
2014 sei er daher wegen "der Euro-Rettungspolitik mit unserem Steuergeld" in die AfD eingetreten, die damals noch im Kern von dem bürgerlich-konservativen Wirtschaftsprofessoren Lucke und Meuthen geprägt war. Aber die Flüchtlingsdebatte änderte den Kurs und Personal der Partei. Dass Teile der Partei und das Umfeld weiter unter Beobachtung des Verfassungsschutzes stehen, hält Baron für völlig ungerechtfertigt.
Bisher nicht aufgefallen
Bei den anderen Parteien im Landtag war die Überraschung über Barons Wahl an die Fraktionsspitze groß - auch deshalb, weil er bislang nicht weiter aufgefallen war, obwohl er bis 2020, damals von Sänze aus dem Amt gedrängt, schon als parlamentarischer Geschäftsführer der AfD im Austausch mit den anderen Fraktionen stand. "Farb- und profillos" sei er, man könne gar nichts sagen über ihn, auch nichts Schlechtes, heißt es da.
Baron: Spaltung überwunden
In den eigenen Reihen gilt das nicht als Kompliment. Baron beteuert indes, die Zeit der Spaltung der AfD-Fraktion in ein bürgerlich-konservatives und ein Hardliner-Lager sei vorbei, er fühle sich gut und akzeptiert im Amt. "Ich gebe gern die Richtung vor, aber wir sind ein Team von 17 Abgeordneten, da gibt es Grüppchen und unterschiedliche Netzwerke. Das liegt auch am Alter." Ein Generationenwechsel also und ein neuer Ton?
Aggressiver Ton bleibt
Davon kann keine Rede sein, wie der neue parlamentarische Geschäftsführer der AfD, Daniel Lindenschmid, auch erst 30 Jahre alt, beweist. "An den Händen der Regierung klebt Blut. Für Ihre Ideologie der offenen Grenzen gehen Sie über Leichen", warf er den etablierten Parteien unter heftigem AfD-Jubel vor. Ungeachtet solcher Äußerungen benennt Baron als politisches Ziel: "Wir wollen regieren." Nur - mit wem? "Nicht mit den Grünen, den Roten und den Dunkelroten. Und die CDU in Baden-Württemberg ist völlig vergrünt, mit der ist derzeit nichts zu machen." Auch die Liberalen wollen nichts mit der AfD zu tun haben. Baron ärgert das, er sieht die "Minderheitenrechte" seiner Partei verletzt.
Soziale Medien im Fokus
Weil die AfD dadurch im "parlamentarischen Betrieb an ihre Grenzen komme", will er mit der Fraktion jetzt verstärkt das direkte Gespräch mit den Bürgern suchen, auch gerne in den sozialen Medien.
Zur Person
Anton Baron wurde 1987 als Sohn russlanddeutscher Eltern in Kasachstan geboren und lebt seit seinem vierten Lebensjahr in Hohenlohe. Nach Mittlerer Reife und einer Ausbildung zum Verfahrensmechaniker studierte er Wirtschaftsingenieurwesen und arbeite anschließend in Künzelsau bei einem Unternehmen. Baron ist verheiratet und lebt in Öhringen. 2014 trat er in die AfD ein. Er ist Mitglied im Öhringer Gemeinderat und im Kreistag des Hohenlohekreises. Seit 2016 ist er Landtagsabgeordneter der AfD-Fraktion, seit Januar 2023 deren Fraktionsvorsitzender.
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