Bei Anruf kommt der Bus im südlichen Hohenlohekreis
Der Kreistag beschließt die testweise Einführung des Rufbus-Systems im Raum rund um Öhringen. Damit wird vor allem das Angebot in den Randzeiten gestärkt.

Bei Anruf Bus: Das wird es künftig im Raum Bretzfeld, Öhringen, Neuenstein, Pfedelbach und Zweiflingen geben. Nach einem Fest am Wochenende oder nach einer Fahrt mit der Bahn zu später Stunde verlässlich nach Hause gebracht zu werden - dies ist dann unter anderem möglich. Der Nahverkehr Hohenlohekreis (NVH) hatte die Einführung eines Rufbus-Systems schon länger auf dem Schirm, am Montag hat der Kreistag für einen dreijährigen Testlauf im südlichen Landkreis einstimmig grünes Licht gegeben.
Fällt der Probebetrieb auf den vier geplanten Linien positiv aus, soll das Angebot auf weitere Teilräume ausgeweitet werden. Die zusätzlichen Kosten orientieren sich an der tatsächlichen Abrufquote: bei 25 Prozent wären 130.000 Euro zu zahlen, bei 50 Prozent 150.000 Euro und bei 100 Prozent 210.000 Euro. Würde der Rufbus eines Tages für den gesamten Hohenlohekreis eingeführt, wären bei einer Quote von 100 Prozent 1,3 Millionen Euro pro Jahr fällig.
Erweiterte Rufbus-Linien fangen bereits einiges ab
Eine hundertprozentige Abdeckung des kompletten Kreises mit diesem alternativen ÖPNV-System hält NVH-Betriebsleiter Alexander Wolf aber gar nicht für nötig. "Wir haben ja schon zwei erweiterte Regiobuslinien", erklärt er. Die RB-Linien 7 und 19 fahren seit Anfang und Ende 2016 zwischen Künzelsau und Waldenburg sowie Künzelsau und Bad Mergentheim täglich von früh morgens bis spät abends mindestens im Stundentakt und decken so die Nachfrage auch in den Randzeiten nahezu vollständig ab - inklusive der Wochenenden. Womöglich wird es sogar eine weitere Aufstockung geben, wenn der Kreistag im Herbst beschließen sollte, im Frühjahr 2022 beim Land einen Förderantrag für eine dritte ausgebaute Regiobuslinie zwischen Künzelsau oder Krautheim und dem Bahnhof in Osterburken zu stellen. Vier Linienvarianten stehen hier zur Wahl.
So funktioniert das Rufbus-System
Auch dem räumlich und zeitlich zunächst limitierten Rufbus-System im Süden des Kreises liegt ein Fahrplan mit festen Fahrzeiten zugrunde. Die erste Linie deckt den Bereich Öhringen Ost mit Michelbach und Neuenstein ab, die zweite Öhringen Süd mit Pfedelbach samt Steinbacher Tal, die dritte Bretzfeld Nord und Süd, die vierte Öhringen Nord in Richtung Zweiflingen.
Anders als die erweiterten Regiobuslinien, die von 5 Uhr bis 24 Uhr durchgängig mindestens einen Stundentakt fahren, forciert der Rufbus vornehmlich das Angebot in den Randzeiten und ergänzt die bestehenden Fahrplänen der normalen Hauptbuslinien und des Bahnverkehrs. Orte mit unter 200 Einwohnern werden nicht angefahren - es sei denn, sie liegen direkt auf dem Weg. "Oftmals sind Fahrten mit dem Rufbus die berühmte letzte Meile einer Reisekette", sagt Wolf. Umso wichtiger ist die passgenaue Abstimmung mit den anderen Fahrplänen und die Berücksichtigung der Mobilitätswünsche von Nutzern, die eher abends oder an den Wochenenden mehr Bus fahren wollen. Auf den vier ausgewählten Buslinien rund um Öhringen ist das Angebot an Schultagen zwischen 6 und 19 Uhr ausreichend, an Ferientagen ist es ausgedünnt und an Wochenenden lückenhaft. Hier können Rufbusse ihre Stärken voll ausspielen.
Wer mitfahren will, muss vorher bestellen
Der größte Unterschied zum regulären Linienverkehr des NVH ist, dass die gewünschten Busfahrten mindestens eine Stunde vor Beginn der Fahrt bestellt werden müssen. "Das gängigste Verfahren ist die Buchung per Telefon", sagt Wolf. Ein externes Call-Center soll diese Anrufe entgegennehmen.
So wird bezahlt
Bezahlt wird wie sonst auch im Verbundsystem: entweder per Abo-Karte oder per Einzelfahrschein. Die eingesetzten Fahrzeuge sind in dieser Hinsicht technisch voll ausgestattet, aber kleiner als normale Linienbusse, und können in der Regel 20 Personen transportieren. Auch äußerlich unterscheiden sie sich deutlich von 50-Sitzern, fallen aber in die Kategorie "öffentliches Verkehrsmittel". Je nach Tageszeit und Nachfrage könnten auch Taxis und Mietwagen zum Einsatz kommen, etwa bei Fahrten nach 23 Uhr.
Aufhebung der Betriebsruhe: Beschluss vertagt
Die testweise Einführung des Rufbus-Systems im südlichen Hohenlohekreis erzeugte bei der Kreistagssitzung in Kupferzell keinen Widerstand und wurde einstimmig beschlossen. Die von der Kreisverwaltung gleichfalls zur Abstimmung gestellte Ausweitung des Fahrplanangebots auf den Hauptlinien des Nahverkehrs Hohenlohekreis (NVH) durch die Aufhebung der Betriebsruhe nach den Schulfahrten zwischen 8.30 und 11.30 Uhr erntete dagegen viel Kritik. Mit 24 zu zehn Stimmen angenommen wurde ein Antrag von CDU-Kreisrat Stefan Neumann, die Entscheidung auf die Dezember-Sitzung des Kreistags zu verschieben.
Die Aufstockung des Fahrplanangebots, um vormittags etwa mehr Einkaufsfahrten zu ermöglichen, würde den Hohenlohekreis pro Jahr 500.000 Euro mehr kosten. Landrat Matthias Neth ist der Meinung: Das ist möglich. "Bei der letzten Ausschreibung unseres Nahverkehrs haben wir ein auskömmliches Ergebnis erzielt. Außerdem erhalten wir über das neue ÖPNV-Gesetz des Landes ab diesem Jahr höhere Geldzuweisungen." Dadurch ließe sich sowohl das Rufbus-System als auch die Ausweitung des Fahrplanangebots vormittags auf den Hauptlinien finanzieren. "Wir könnten das Geld natürlich auch verwenden, um das jährliche Betriebsdefizit des NVH von 5,5 Millionen Euro zu reduzieren." Die Mehrheit des Kreistags wollte sich am Ende lieber noch nicht festlegen.


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